Sai­son-Rück­blick 2025/26

Teil II: Höhen und Tie­fen einer wech­sel­haf­ten Spiel­zeit

Als Bundesliga-Dritter erwischte die Werkself nach der Winterpause einen Fehlstart ins Jahr 2026, fand im Laufe der Wochen allmählich aber zurück in die Erfolgsspur und gehörte wie im Vorjahr zu den Top 16 in Europa und den Top 4 im DFB-Pokal. In der Bundesliga blieb die Werkself zudem in Sachen Champions-League-Qualifikation bis zum Ende im Rennen. Weil sich aber zwischen gute Leistungen und „big points“ immer wieder auch Rückschläge in die Auftritte der Werkself schlichen, reichte es am Schluss nicht ganz für die Königsklasse. Eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen endete auf Rang sechs und in der Qualifikation für die UEFA Europa League. Teil II des Rückblicks auf die Saison 2025/26.

Formstärke folgt Fehlstart - und ein Befreiungsschlag

Nach der Winterpause nahm Bayer 04 im Januar den Pflichtspielbetrieb mit dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart auf. Das 1:4 sorgte dabei für enttäuschte Gesichter, und auch die darauffolgenden Tage verliefen nicht nach Plan: Die Spielabsage gegen den Hamburger SV brachte eine ungeplante Verschiebung im Kalender mit sich, ehe die knappe Niederlage gegen die TSG Hoffenheim (0:1) Bayer 04 auf Rang sechs abrutschten ließ. Als dann auch das vorletzte Spiel der Champions-League-Ligaphase mit 0:2 verloren ging, standen erstmals in der laufenden Saison drei Pflichtspiel-Niederlagen in Serie zu Buche. Erschwerend kam hinzu: Bis Mitte, teils Ende Januar hatten Ibrahim Maza (Algerien), Edmond Tapsoba (Burkina Faso), Christian Kofane (Kamerun) und Eliesse Ben Seghir (Marokko) am Afrika-Cup 2026 in Marokko teilgenommen. Die Spieler, ohne richtige Winterpause und mit einem intensiven Turnier in den Beinen, nahmen erst allmählich wieder am Spielgeschehen der Werkself teil. Verletzt passen mussten ab Mitte Januar dann zudem Nathan Tella und Mark Flekken für jeweils rund zwei Monate. Und auch Ben Seghir fehlte einige Zeit lang, der Marokkaner war mit einer Blessur vom Afrika-Cup zurückgekehrt.

Personell gebeutelt erarbeite sich die Werkself dennoch ab Ende Januar Schritt für Schritt wieder dieselbe Stabilität, mit der sie sich wenige Wochen zuvor in die Winterpause verabschiedet hatte. Gegen den SV Werder Bremen etwa gelang Ende Januar ein wichtiger 1:0-Erfolg – und mit diesem ein Nachmittag voller positiver Geschichten: Lucas Vázquez erzielte sein erstes Bundesligator im Trikot der Werkself und avancierte damit zum Matchwinner. Exequiel Palacios feierte nach mehrmonatiger Verletzungspause sein langersehntes Comeback. Und bei den Fans wanderte der Blick nach Abpfiff nochmal schnell zu einem bestimmten Parallelspiel: Der FC Bayern München hatte gegen den FC Augsburg seine erste Bundesliga-Niederlage der Saison kassiert (1:2). „Ungeschlagen Meister“, schallte es daraufhin durch die BayArena. Eine ganze Bundesligasaison lang kein einziges Spiel zu verlieren, das schaffte eben bislang doch nur die Werkself!

Bayer 04

Europa-Etappe erreicht - Einzug ins Pokal-Halbfinale

Mit dem wichtigen Erfolg gegen Bremen im Rücken ging Bayer 04 die nächsten Aufgaben mit Selbstvertrauen an. Vier Tage später erreichte Bayer 04 mit einem kontrollierten Auftritt sein Zwischenziel in der Champions League: Beim 3:0 gegen den FC Villarreal lösten Torschütze Alejandro Grimaldo, Doppelpacker Malik Tillman und Co. das Ticket für die Play-off-Runde und blieben somit Teil des internationalen Geschäfts. Keeper Jonas Omlin, der von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen worden war, war hier erstmals Teil des Spieltags-Aufgebots. Auch national zeigte die Formkurve weiter nach oben: Gegen Eintracht Frankfurt siegte Schwarz-Rot bei Edmond Tapsobas 250. Bayer 04-Einsatz unter anderem dank Arthurs erstem Bundesligator 3:1. Wenige Tage danach zog die Werkself im DFB-Pokal durch einen 3:0-Sieg gegen den FC St. Pauli zum dritten Mal in Folge ins Halbfinale ein. Auch die Liga-Partie gegen die Kiezkicker anderthalb Wochen später endete dank der (null)vier Torschützen Patrik Schick, Ernest Poku, Edmond Tapsoba und Jarell Quansah siegreich (4:0). Lediglich mit einem 1:1 gegen Mönchengladbach in der Zwischenzeit war die Mannschaft nicht zufrieden.

Robert Andrich und Co. gingen mit großem Selbstbewusstsein in das anstehende Play-off-Hinspiel. Dass ihnen dabei ausgerechnet jener Gegner zugelost worden war (Olympiakos Piräus), an dem sie sich noch wenige Wochen zuvor in der Ligaphase die Zähne ausgebissen hatten, spornte das Team nur umso mehr an. Und für das Weiterkommen ins Achtelfinale der Königsklasse legte die Auswahl von Kasper Hjulmand in der griechischen Hauptstadt schon einmal den Grundstein: Deutlich besser auf das erneut hohe Pressing von Olympiakos eingestellt, siegte die Werkself dank Patrik Schicks Doppelpack 2:0.

Bayer 04

Rückschläge und Remis-Reihe

Die Euphorie der vergangenen Spiele erhielt Ende Februar einen Dämpfer: Gegen den 1. FC Union Berlin endete nicht nur die Serie von sieben Pflichtspielen ohne Niederlage, auch verletzte sich Loïc Badé bei der 0:1-Heimniederlage und fiel in der Folgezeit aus. Weiter ging es mit einem 0:0 im Play-off-Rückspiel gegen Piräus, das den Achtelfinal-Einzug bescherte. Es folgten Remis in der Liga gegen den 1. FSV Mainz 05 (1:1), den SC Freiburg (3:3), gegen den Tim Oermann sein Bayer 04-Debüt gab, den FC Bayern (1:1) sowie den 1. FC Heidenheim 1846 (3:3). Zwar blieb die Werkself damit in der Liga nach der Union-Niederlage einen ganzen Monat lang ungeschlagen, doch waren es mit Blick auf die Tabelle weniger Punkte als erhofft. Drei Zähler hatte es lediglich im Nachholspiel gegen den Hamburger SV gegeben (1:0). Dabei erstmals von Beginn an ran durfte Montrell Culbreath, der wenige Wochen zuvor seinen ersten Profivertrag unterschrieb und dem Kasper Hjulmand auch aufgrund der verletzungsbedingten Abwesenheit von Lucas Vázquez fortan viel Vertrauen auf der rechten Schiene schenkte. Und der lernfähige Youngster sollte es mit großem Einsatz und guten Leistungen bis Saisonende zurückzahlen.

In der Champions League stand unterdessen im Achtelfinale mit dem FC Arsenal ein Gegner von höchstem Kaliber gegenüber. Dabei hatte die Werkself beim 1:1 im Hinspiel dank einer kämpferischen und disziplinierten Team-Leistung einen der Titel-Favoriten am Rande einer Niederlage. Erst in der 89. Minute mussten Torschütze sowie „Man of the Match“ Robert Andrich und Co. den Ausgleich der Gunners vom Elfmeterpunkt durch Kai Havertz hinnehmen. Für den Ex-Leverkusener war es die erster Rückkehr in die BayArena seit seinem Abgang im Jahr 2020 gewesen. Vor Anpfiff wurde der inzwischen 26-Jährige von Werner Wenning, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses, Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung, sowie Geschäftsführer Sport Simon Rolfes für seinen langjährigen Einsatz unterm Kreuz gewürdigt. Und auch mit Piero Hincapie gab es an diesem Abend ein Wiedersehen. Eine Woche später dann im Rückspiel überragte Janis Blaswich zwar mit Bestnoten aufgrund unzähliger starker Paraden, am Ende aber stand in London gegen Havertz, Hincapie und Co. ein 0:2. Der Vorhang auf Europas Bühne schloss sich somit für die Werkself in der englischen Hauptstadt gegen einen Gegner, der im Anschluss das Champions-League-Finale erreichen und sich zum Premier-League-Meister krönen sollte.

Bayer 04

Ekstase und Ernüchterung

Nach der letzten Länderspielpause der Saison bog die Bundesliga im April auf die Zielgerade ein – und damit hatte für die Werkself auch die Crunchtime im Kampf um die Champions-League-Qualifikation endgültig begonnen. Bayer 04 stand zu diesem Zeitpunkt weiterhin auf Rang sechs und wartete schon seit fünf Spielen auf einen Sieg. Und gerade diese waren ein Muss, sollte es noch mit der Königsklasse klappen. Der Start in die finale Saisonphase gegen den VfL Wolfsburg verlief erst einmal nervenaufreibend: Nach einer unzureichenden ersten Hälfte inklusive dreier Gegentore drehte die Werkself in Durchgang zwei den Rückstand in einen vielumjubelten 6:3-Heimsieg – auch dank des unermüdlichen Supports der Fans. Diese hatten für den finalen Akt der Spielzeit erneut jegliche Unterstützung reingehauen und auch zum traditionellen „Finally Red“ im Schlussspurt aufgerufen. Weiter ging es - unter anderem dank 120-km/h-Torschütze Robert Andrich - mit „big points“ bei Borussia Dortmund (1:0), die allerdings etwas an Wert hatten einbüßen müssen, als eine Woche später eine schwer zu greifende 1:2-Niederlage gegen den FC Augsburg stand. „Manchmal ist Fußball brutal“, resümierte Coach Kasper Hjulmand, weil gegen die Fuggerstädter von unfassbaren 36 Torschüssen nur ein einziger im Tor gelandet war. Mit einem 0:2 im Pokal-Halbfinale gegen den frisch gebackenen Deutschen Meister FC Bayern ging es weiter. Bayer 04 schied damit aus dem Wettbewerb aus.

Feuer, Fokus, Vollgas

Doch „Mund abputzen, weitermachen“ lautete die Devise, denn in der Bundesliga war im Kampf um Europa noch alles offen. Im Derby gegen den 1. FC Köln gewann die Werkself dank des Doppelpacks von Patrik Schick 2:1. Für den Tschechen waren es die Bayer 04-Tore 99 und 100, für den Klub war es der fünfte Derby-Sieg in Serie. Mit „Feuer, Fokus und Vollgas“ – so die Worte von Kasper Hjulmand vor dem nächsten Spiel – sollten im Anschluss auch drei Punkte gegen RB Leipzig her. Und die Werkself lieferte: Schwarz-Rot überrumpelte die Roten Bullen mit zwischenzeitlich 75 Prozent Ballbesitz und elektrisierte die BayArena mit einem 4:1-Erfolg. Neben Nathan Tella, der erstmals in einer Bundesligapartie je ein Tor schoss und auflegte, hatte Patrik Schick dreifach getroffen und mit seinen Teamkollegen Platz vier eingenommen. Doch auf die Glanzleistung folgte wieder ein Rückschlag: Beim VfB Stuttgart, einem direkten Konkurrenten um die Champions-League-Qualifikation, unterlag Bayer 04 am vorletzten Spieltag trotz Aleix Garcias Blitztor nach etwas mehr als 30 Sekunden 1:3 und war wieder auf Rang sechs abgerutscht. Die Tür zur Königsklasse war damit nahezu geschlossen.

Nur mit Niederlagen von ebenjenen Stuttgartern sowie von Hoffenheim am letzten Spieltag würde es am Ende doch noch für die Champions League reichen – einen eigenen Sieg gegen den Hamburger SV vorausgesetzt. Vom Aufsteiger aus Norddeutschland trennte sich Bayer 04 allerdings mit einem 1:1. Ein Dreier hätte jedoch ohnehin nicht gereicht, da der VfB seine Partie gewann. Somit war nach Abpfiff des letzten Saisonspiels im Bayer 04-Lager die Enttäuschung natürlich groß. „Letztlich war es zu wenig für die Champions League“, erklärte Robert Andrich im Nachgang. Doch der Kapitän ordnete auch ein: „Alles aus dieser Saison schlechtzureden, wäre aber falsch – wir hatten auch viele Spiele, in denen wir den Fans große Freude bereiten konnten. Am Ende waren es eben einfach zu viele Kleinigkeiten, die auf diesem sehr hohen Level den Unterschied ausmachen.“ Ähnlich reflektiert fiel auch das Fazit von Trainer Kasper Hjulmand aus, der schon vor dem Duell betont hatte: „Wir haben alles gegeben für eine gute Saison. Man darf nicht vergessen: Es gab große Veränderungen und es kamen viele neue Spieler. In der Analyse einer solchen Saison gibt es viele Nuancen, die man beachten muss. Es gib nicht nur Schwarz oder Weiß.“ Nach Abpfiff des finalen Spiels erklärte der Däne dann: „Es war keine einfache Saison, auch wenn viele gute Leistungen dabei waren. Dass letztlich wenige Punkte fehlen, ärgert uns. Insgesamt muss ich der Mannschaft und dem Staff für ihre Arbeit und ihren Fleiß in dieser Saison dennoch ein großes Lob aussprechen.“

Bayer 04

Ein großes Lob galt an diesem letzten Nachmittag der Saison auch den Fans. Nach Abpfiff der Partie bedankte sich die Mannschaft bei ihnen noch einmal für die riesige Unterstützung in einer intensiven, einer wechselhaften, einer lehreichen Spielzeit. Einer Spielzeit voller Höhen und Tiefen, voller Veränderungen, Entwicklungen und Wendungen. Als letztlich Sechster der Bundesliga wird Bayer 04 in der nächsten Saison in der UEFA Europa League antreten – und das mit neuem Hunger, mit vollem Fokus, mit frischer Energie und mit wichtigen sowie wertvollen Erfahrungen aus diesem zurückliegenden Fußballjahr. Der Blick richtet sich also bereits nach vorn, liebe Werkself-Fans, denn das nächste Kapitel unterm Kreuz beginnt schon bald!