
„Aktuell müssen wir sehr viel investieren, um überhaupt torgefährlich zu werden. Es gelingt uns einfach nicht, den Ball irgendwie über die Linie zu drücken“, sagte Pätzold: „Nach einer guten Anfangsphase wurde es ein typisches Pokalspiel. Der Gegner hat viele lange Bälle gespielt, es gab viele Zweikämpfe und Umschaltsituationen, die wir verteidigen mussten. In der zweiten Halbzeit haben wir höher gepresst, aber dadurch auch etwas die Spielkontrolle verloren. Dann geht der HSV in Führung, war immer wieder gefährlich, gerade im Eins-gegen-Eins. Trotzdem haben wir weiter auf unsere Stärken vertraut und ein schönes Tor zum Ausgleich gemacht. In den letzten zehn Minuten müssen wir das Spiel klar gewinnen. Wir haben uns Chancen erspielt, aber es fehlt aktuell einfach die Effektivität und Konsequenz im Abschluss. Wir belohnen uns nicht für das, was wir uns erspielen.“ Ungeachtet der Enttäuschung gratulierte der Trainer dem Gegner: „Kompliment an den HSV. Sie haben einen leidenschaftlichen Pokal-Fight geliefert, sich in alles reingeworfen und waren in den Umschaltmomenten immer gefährlich“, so Pätzold: „Wir müssen das jetzt abhaken und alle Kräfte bündeln für Essen.“
Für Charlotte Voll, die beim 1:2 in Freiburg eine Eckgelenksprengung der linken Schulter erlitten hatte, rückte wieder Anne Moll ins Tor, die schon am vergangenen Montag in der Schlussphase eingewechselt worden war. Ansonsten schickte Pätzold die gleiche Elf auf den Rasen. Sein Team begann engagiert und mit viel Dynamik. Eine Flanke von Estrella Merino Gonzalez landete bei Kristin Kögel, deren Kopfball die Wucht fehlte (3.). Zwei Minuten probierte es die Kapitänin aus der Distanz. Auch der dritte Abschluss gehörte den Gästen: Sofie Zdebel scheiterte nach einer Eckball-Variante aus dem Rückraum an Torhüterin Larissa Haidner (7.).
Wenig später traf ein Ball aus kurzer Distanz Loreen Bender mitten im Gesicht . Nach kurzer Behandlungspause ging es für die Mittelfeldspielerin zunächst weiter. Der HSV meldete sich derweil nach einer Ecke mit einem abgefälschten Schuss von Sophie Hillebrand erstmals in der Offensive an. Kurz darauf musste Bender schließlich doch vom Feld, für sie kam Valentina Mädl ins Spiel (25.).






Mitte der ersten Hälfte verflachte die Partie etwas, die Bayer 04-Frauen schafften es nur selten ihre Spielkontrolle in aussichtsreiche Offensivaktionen umzumünzen. So blieb ein Fernschuss von Vanessa Fudalla, in der Google Pixel Frauen-Bundesliga mit sieben Treffern aktuell Top-Torjägerin, auf das Tornetz (35.) bis zum Seitenwechsel die gefährlichste Aktion. Da beiden Mannschaften zu wenig Zwingendes gelang, ging es mit einem leistungsgerechten 0:0 in die Kabinen.
Ohne personelle Veränderungen ging es hinein in Durchgang zwei. Den ersten Akzent nach der Pause setzte Katharina Piljic, die mit einem cleveren Steckpass mehrere Gegnerinnen überspielte und die einlaufende Kögel fand. In der zweiten Welle köpfte Caroline Kehrer den Ball neben das Tor (54.). Auf der Gegenseite warf sich Lilla Turanyi entschlossen in einen freien Schuss der Ex-Leverkusenerin Pauline Machtens (56.). Abgesehen davon neutralisierten sich die beiden Bundesligisten in dieser Phase weitgehend. Pätzold wechselte ein zweites Mal. Für Fudalla kam Ruby Grant aufs Feld (64.). Vier Minuten später gingen die Gastgeberinnen in Führung. Nach einer Balleroberung bediente Melanie Brunnthaler die mitgelaufene Sophie Hillebrand, die den Ball an der chancenlosen Moll im Tor vorbei hob.
Die Werkself reagierte mit einem Kracher der Marke „Tor des Monats“. Nach einem Eckball landete der herausgeköpfte Ball im Rückraum bei Mickenhagen, die aus rund 25 Metern direkt abzielte. Der Flatterball flog, von Haidner nur noch leicht abgefälscht, links oben im Winkel ein. Anschließend brachte Pätzold Claudia Wenger und Paulina Bartz für Selina Ostermeier und Zdebel (74.).






In der Schlussphase drängten die Gäste auf den Sieg - und vergaben in der Nachspielzeit eine Doppelchance auf die Entscheidung. Erst zirkelte Kögel ihre Ecke auf das Lattenkreuz. Sekunden später krachte eine Direktabnahme von Merino Gonzalez an die Latte (90.+2). Kurz vor dem Abpfiff verpasste auch Kehrer den Siegtreffer nur hauchdünn. So ging es mit dem 1:1-Zwischenstand in die zweimal 15-minütige Verlängerung.
Dort mieden sowohl die Werkself als auch der HSV zunächst das Risiko. Ohne echte Torraumszenen wechselten beide Teams ein letztes Mal die Seiten - und fortan spielten fast nur noch die Gäste. Ein Distanzschuss von Grant landete nur knapp neben dem Kasten (108.). Drei Minuten später rettete Haidner gegen Kehrer. Auch beim Fernschuss von Bartz war die Torhüterin zur Stelle (112.). Auf der Gegenseite musste sich drei Minuten später Moll bei einem Versuch von Hillebrand strecken. Weil beide Defensiven hielten, ging es ins Elfmeterschießen. Dort vergaben Mickenhagen und Kehrer ihre Elfmeter, während alle vier HSV-Spielerinnen trafen.
In der Bundesliga treffen die Bayer 04-Frauen am kommenden Wochenende auf die SGS Essen. Anstoß für das Heimspiel im Ulrich-Haberland-Stadion gegen das Tabellenschlusslicht ist am Samstag, 22. November (live bei MagentaSport und DAZN), um 14 Uhr. HIER geht's zu den Tickets.
Die Zusammenfassung:
Elfmeterschießen: 1:0 Schulz, 1:1 Kögel, 2:1 Mikolajova, Haidner hält gegen Mickenhagen, 3:1 Hillebrand, 3:2 Grant, 4:2 Stoldt, Kehrer verschießt
Gelbe Karten: Brunnthaler, Hillebrand, Schulz - Ostermeier, Turanyi, Grant
Schiedsrichterin: Karoline Wacker (Murrhardt)
Zuschauer: 3993 im Volksparkstadion
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Die Statistik:
Hamburger SV: Haider - Wucher (85. Kardesler), Räcke, Stoldt, Schulz, Eggert - Hillebrand, Büchele (90.+1 Hirche), Machtens (88. Lahr), L. Wrede (91. Mikolajova) - Brunnthaler
Bayer 04: Moll - Merino Gonzalez, Ostermeier (74. Wenger), Turanyi, Mickenhagen - Zdebel (74. Bartz), Piljic - Bender (25. Mädl), Kögel - Kehrer, Fudalla (64. Grant)
Tore: 1:0 Hillebrand (68.), 1:1 Mickenhagen (73.)
Elfmeterschießen: 1:0 Schulz, 1:1 Kögel, 2:1 Mikolajova, Haidner hält gegen Mickenhagen, 3:1 Hillebrand, 3:2 Grant, 4:2 Stoldt, Kehrer verschießt
Gelbe Karten: Brunnthaler, Hillebrand, Schulz - Ostermeier, Turanyi, Grant
Schiedsrichterin: Karoline Wacker (Murrhardt)
Zuschauer: 3993 im Volksparkstadion

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