
Rein rechnerisch gibt es viele Wege, damit dieser Sprung gelingt und die Werkself nach einem Jahr europäischer Abstinenz in die Königsklasse zurückkehrt. Zum Beispiel ein 5:0-Sieg über die Hannoveraner – dann wäre das Endresultat im Fernduell mit dem punktgleichen Tabellenvierten Hoffenheim (52 Zähler/+3 Treffer auf Bayer 04) und dem Dritten Dortmund (53/+6 Treffer), die in Sinsheim beide gegeneinander antreten, irrelevant. Doch davon will sich Heiko Herrlich nicht beirren lassen. „Es gibt morgen unzählige Konstellationen und mögliche Situationen, auf die wir uns gar nicht alle einzeln und im Detail vorbereiten können“, sagte der Bayer 04-Cheftrainer auf der Pressekonferenz vor dem Hannover-Spiel am Freitag. Darum werden er und sein Team die Herangehensweise so ausüben wie immer – auch die Zwischenstände der Parallelspiele erscheinen am morgigen Samstag wie üblich auf der Anzeigetafel in der ausverkauften BayArena. „Es gibt keinen Grund, Dinge zu ändern. Wir wollen schauen, dass wir selbst morgen 100 Prozent von unserem Leistungsvermögen abrufen und unser Spiel gewinnen. Wir müssen auf uns schauen, alles andere haben wir nicht in der Hand“, so Herrlich.
Doch egal auf welchem Rang Bayer 04 die Saison beendet, der 46-Jähige blickt auf ein durchaus „erfolgreiches“ erstes Trainerjahr an der Dhünn zurück: „Wir sind im Pokal-Halbfinale gegen Bayern München ausgeschieden, stehen in der Meisterschaft vor dem letzten Spieltag auf Platz fünf und haben sogar noch eine kleine Möglichkeit unter die ersten Vier zu kommen.“ Das sei in vielerlei Hinsicht keine Selbstverständlichkeit. „Zu Saisonbeginn haben Spieler wie beispielsweise Bernd Leno, Kevin Volland und Julian Brandt gesagt, dass sie nach der vergangenen Saison etwas gutzumachen haben und dass sie alles dafür geben wollen, damit Bayer 04 wieder sein wahres Gesicht zeige. Ich denke, das haben die Spieler in dieser Saison mit ihren Leistungen untermauert, zumal viele von ihnen nach der vergangenen Spielzeit auch die Möglichkeit gehabt hätten, den Verein einfach zu verlassen“, erklärte Herrlich, der seiner Mannschaft und seinen Spielern im selben Atemzug Dankbarkeit ausdrückte. „Sie haben das gelebt. Wenn wir diese Grundeinstellung auch morgen wieder an den Tag legen, dann bin ich fest davon überzeugt, dass wir auch morgen das Spiel gegen Hannover gewinnen werden“, so der Fußball-Lehrer.
In Sachen Grundeinstellung gab es am Freitagmittag auch noch einmal lobende Worte für Stefan Kießling, der nach 12 Jahren vor seinem letzten Profi-Auftritt mit dem Kreuz auf der Brust steht. „Er hat sich die komplette Saison über immer wie ein Teamplayer und als absoluter Diener der Mannschaft verhalten – genauso geht er auch ins letzte Spiel: Wichtiger als ein Einsatz morgen ist ihm, dass die Mannschaft erfolgreich spielt und der Verein sein Ziel erreicht. Er selbst nimmt sich selbst komplett zurück“, sagte Herrlich, der dem scheidenden 34-Jährigen aufgrund möglicher verletzungsbedingter Wechsel und anderen Eventualitäten keine pauschale Einsatzgarantie geben wollte. Nichtdestotrotz bestehe der absolute Wille, der langjährigen Nummer 11 der Werkself sein 403. Bundesliga-Spiel zu gewähren. „Es ist unser aller Wunsch, ihm nochmal Einsatzzeit zu geben und ihn nochmal auf dem Platz zu sehen – auch von seiner Seite aus. Und natürlich wäre es das Allerschönste, wenn ihm zum Karriereabschluss nochmal ein Tor gelingt“, so Herrlich.
Nachdem die zuletzt angeschlagenen Lars und Sven Bender sowie Jonathan Tah in dieser Woche wieder ins Training einsteigen konnten, kann Herrlich gegen Hannover personell nahezu aus dem Vollen schöpfen. Nur Kevin Volland (Gelbsperre) und Joel Pohjanpalo (Aufbautraining nach Sprunggelenksverletzung) sind beim letzten Saisonauftritt der Werkself zum Zusehen verdammt.


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