
Das erste wartet am morgigen Samstag (28. April, 18.30 Uhr): Der Tabellenzehnte VfB Stuttgart gastiert im Topspiel des 32. Spieltags in der BayArena. Die Wichtigkeit des Duells steht also außer Frage. Entsprechend wollte sich Werkself-Cheftrainer Heiko Herrlich auch nicht vom Paulinho-Transfer, der kurz vor der Pressekonferenz am Freitagmittag verkündet wurde, ablenken lassen: „Ich freue mich riesig, dass es geklappt hat, einen Spieler einer solchen Kategorie von Bayer 04 zu überzeigen. Aber für uns liegt jetzt der gesamte Fokus klar auf dem Stuttgart-Spiel“, so der 46-Jährige. Verständlich, denn spätestens seitdem Ex-Bayer 04-Trainer Tayfun Korkut am 21. Spieltag die Trainer-Geschicke beim lange Zeit erfolg- und glücklosen Aufsteiger aus dem Ländle übernommen hat, ging es beim VfB klar bergauf: In elf Spielen verlor seine Mannschaft nur einmal, hinzu kommen respektable sechs Siege und vier Unentschieden. In der „Tabelle seit Korkut“ ist der VfB Fünfter, nur einen Zähler hinter dem Zweiten Borussia Dortmund.
Kein Wunder, dass Herrlich den kommenden Gegner „auf Augenhöhe“ mit RB Leipzig und Eintracht Frankfurt sieht, den Leverkusener Gegnern der Vorwochen. „Es wird eine tolle Aufgabe, eine tolle Herausforderung für unsere junge Mannschaft, gegen einen solchen Gegner wie Stuttgart die drei Punkte hierzubehalten“, äußerte sich Herrlich folgerichtig respektvoll. Damit Bayer 04 das gelingt, fordert der Fußball-Lehrer einmal mehr eine engagierte Leistung seiner Schützlinge: „Unser Ziel ist es, die Defensive der Stuttgarter zu knacken: Sie spielen da sehr diszipliniert, halten die Abstände ein und verteidigen sehr konsequent. Außerdem haben sie in der Winterpause mit Mario Gomez vorne einen idealen Center im Sturm dazubekommen. Er ist nicht nur aus dem Spiel heraus torgefährlich, sondern auch bei Standards. Deswegen werden wir alles versuchen, ihn und seinen Sturmkollegen nicht ins Spiel kommen zu lassen.“
Vor allem müsse seine Mannschaft versuchen, wieder mehr Leidenschaft und Bissigkeit an den Tag zu legen als das zuletzt in Dortmund der Fall gewesen ist und mit 0:4 bitterböse bestraft wurde. „Wir sind in dieser Saison schon oft nach Rückschlägen zurückgekommen, oder konnten für Überraschungen sorgen. Das uns noch ein Stückweit die Kontinuität fehlt, haben wir immer angeprangert. Aber in entscheidenden Situationen hat die Mannschaft immer beweisen, dass sie unbedingt gewinnen wollte und hat die Leistung zum richtigen Zeitpunkt abgerufen“, so Herrlich. „Wir haben die Möglichkeit und wollen gegen Stuttgart unbedingt die drei Punkte hierbehalten.“ Dass er und seine Mannschaft nach zehn Gegentoren binnen einer Woche über eine Änderung der Spielphilosophie nachdenken, schloss er kategorisch aus: „Wir wollen immer mutig sein, uns viele Torchancen erspielen, mit einer guten Absicherung nach hinten. Das hat diese Saison schon oft gut funktioniert, in den vergangenen Spielen nicht. Aber wir werden uns jetzt sicherlich nicht hinten reinstellen, versuchen zu mauern und auf Konter spielen“, sagte Herrlich und ergänzte: „Wir arbeiten das ganze Jahr daran, eine gute Umschaltsicherung zu haben und wenige Gegentore zu bekommen. Ich gebe zu, dass es vergangene Woche definitiv zu viele waren – jetzt wollen wir gegen Stuttgart am besten wieder zu Null spielen.“
Dabei kann es sein, dass neben den ohnehin schon klaren Ausfällen Jonathan Tah (Faserriss im Hüftbeuger), Wendell (Aufbautraining nach Bänderriss) in Sven Bender auch noch die dritte Stammkraft in der Viererkette zum Zuschauen verdammt ist. Das Geburtstagskind des heutigen Freitags klagt laut Herrlich über muskuläre Probleme. „Bei ihm entscheiden wir erst morgen kurz vor dem Spiel, ob ein Einsatz über 90 Minuten möglich sein wird“, so der Bayer 04-Trainer, der ebenfalls auf Stürmer Joel Pohjanpalo (Aufbautraining nach Fußverletzung) verzichten muss. „Ich habe immer gesagt, dass es in solchen Phasen ganz entscheidend ist, eine Mannschaft zu sein und als Mannschaft auftreten. Wenn welche verletzt waren, mussten immer andere Spieler springen – das hat oft ganz gut geklappt in dieser Saison. Und man wächst ja auch an seinen Aufgaben“, sprach Herrlich seinen Reservisten Mut zu. Dafür kann er vor ausverkauftem Haus wieder auf seinen Kapitän und „Erfolgsgaranten“ Lars Bender nach abgesessener Gelbsperre zurückgreifen. Wie das Sportmagazin „kicker“ ausgerechnet hat, holte Bayer 04 in dieser Spielzeit mit Lars Bender auf dem Platz im Schnitt 2,05 Punkte pro Spiel, ohne ihn 1,0. Ein Fakt, der absolut Mut macht!


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