Mottenkiste: Vor 70 Jahren – Fredi Mutz, der Torwart mit tausend Händen

Am 21. November 1954 reist die Werkself, unterstützt von 3.000 Leverkusenern, ins Müngersdorfer Stadion. Nachdem Bayer 04 in der Saison 1953/54 beim 1. FC Köln mit 3:7 untergegangen war, will es die Mannschaft von Trainer Sepp Kretschmann diesmal besser machen. Und das macht sie – und wie!
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Allerdings ist es Pech für die Domstädter, dass sich Heinz Goffart in der ersten Viertelstunde verletzt, das Feld verlässt, um dann in der zweiten Halbzeit mit einer Kniebandage auf Rechtsaußen zu „spielen“. Es gibt damals keine Auswechselmöglichkeiten, das heißt, ein verletzter Spieler muss entweder ganz den Platz verlassen oder aber soweit es geht durchspielen. Mit diesem Vorteil gelingt der Werkself um den Ex-Kölner Walter Nußbaum, der im Mittelfeld die Fäden zieht, noch vor der Halbzeit die Führung. Nach einer Flanke von Rechtsaußen Waldemar Langwagen, Leverkusens erstem Nationalspieler für die B-Elf des DFB, erzielte Mittelstürmer Fritz Tiede mit einem wunderbaren Kopfball das 1:0.

Als zwei Minuten nach der Halbzeit Linksaußen Horst Schultz aus spitzem Winkel auf 2:0 erhöht, ist die Freude im Lager der Bayer 04-Fans riesig. Wiederum zwei Minuten später gelingt Herbert Dörner mit einem Alleingang allerdings der Anschlusstreffer zum 1:2. In der nun folgenden stürmischen Drangperiode der Kölner verteidigt die Werkself mit elf Mann ihr Tor, um dann nach Ballgewinn mit vier, fünf, sechs Spielern zu kontern. Und wenn wirklich einmal ein Kölner Spieler zum Abschluss kommt, dann ist Fredi Mutz zur Stelle, der Keeper mit den tausend Händen.

Schon seit Wochen ist der Riese im Kasten von Bayer 04 in bestechender Form. „Schäfer schießt, Mutz faustet, Stollenwerk bombt, Mutz rettet mit einer Hand, Röhrig schießt flach, Mutz klärt mit dem Fuß, Müller mit einem Nachschuss, Mutz fängt!“ (Kölner Stadt-Anzeiger 22.11.1954) Und das alles innerhalb von fünfzehn Sekunden. Aber mit zehn Mann kommen die Rot-Weißen gegen die glänzend aufgelegten Bayer-Leute letztendlich einfach nicht an. In der 55. Minute dann das erlösende 3:1 durch Leo Bering, der eine schlechte Faustabwehr von Kölns Torhüter Klaus Hartenstein kaltblütig ausnutzt. Und auf einmal schwenkt, heute unvorstellbar, ganz Köln auf die Leverkusener Seite über. Jeder Angriff der Werkself wird lautstark vom kompletten Stadion unterstützt und die endgültige Entscheidung durch Waldemar Langwagen in der 69. Minute frenetisch gefeiert. Bayer 04 Leverkusen hat einen imponierenden Eindruck hinterlassen und wird am Ende der Saison mit Platz 3 zwar nur knapp die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft verpassen, aber dafür erstmals in der Endtabelle vor dem 1. FC Köln landen.

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