Mottenkiste: Sensationssaison 1967/68 – Dezember

Am Sonntag, 3. Dezember 1967, reist der Tabellenführer aus der Farbenstadt zum Tabellenletzten VfB Bottrop ins Ruhrgebiet. Es geht eigentlich nur um die Höhe des Sieges, doch wie so oft kommt es anders als man denkt. Das Schlusslicht der Regionalliga West fightet um jeden Meter und die Werkself findet über die 90 Minuten nicht die richtige Einstellung.
crop_19671211_Leo_Wilden_Helmut_Richert_Helmut_Roehrig_2.jpg

Niederlage gegen Bottrop

Nach einer Ecke geht der Gastgeber schon in der 4. Minute in Führung. Nach einer weiteren Großchance der Bottroper setzt sich die reifere Spielweise von Bayer 04 allmählich durch und der Ausgleich in der 20. Minute beruhigt die Nerven bis zur Pause etwas. Nach einer Standpauke von Trainer Theo Kirchberg berennt der Spitzenreiter die ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit das gegnerische Tor. Es springen aber wenige Tormöglichkeiten heraus, zu umständlich ist das Spiel von Bayer 04 und die Abwehrspieler von Bottrop werfen sich in jeden Ball.

Kurz vor dem Ende foult Bayer 04-Abwehrspieler Willi Haag den Bottroper Stürmer Otta im Strafraum, der den fälligen Elfmeter in der 87. Minute selber zum letztendlich verdienten Sieg für die Ruhrgebietler verwandelt. Das Spiel der Werkself war an diesem Tag zu zerfahren. Sie wirkt zu selbstsicher und am Ende gibt es ein böses Erwachen. Da der direkte Verfolger Rot-Weiss Essen auf der Bielefelder Alm mit 2:4 verliert, bleibt Bayer 04 weiterhin Tabellenführer. Aber an der Tabellenspitze rückt alles ein bisschen enger zusammen. Zwischen Platz 1 und 7 liegen lediglich vier Punkte.

Remis gegen Schwarz-Weiß Essen

Zum Abschluss der Hinrunde eine Woche später kommen die Schwarz-Weißen aus Essen. Bei widrigen Platzverhältnissen vor 6.500 Zuschauern – es hat geschneit und der Platz ist nach heutigen Maßstäben unbespielbar – kommt es im Ulrich-Haberland-Stadion zum erwarteten Kampfspiel. Die Essener können mit einem Sieg bis auf zwei Punkte an die Werkself herankommen und gehen auch in der 14. Minute durch ihren Torjäger Hans Walitza mit 1:0 in Führung.

19671211_Helmut_Richert_1.jpg

Bayer 04 hat sowohl mit dem Platz als auch mit dem Gegner zu kämpfen und kann sein in der gesamten Hinrunde so erfolgreiches Tempospiel nicht wie gewohnt aufziehen. Erst als Schwarz-Weiß Essen etwas die Kräfte verlassen, gelingt der Werkself der notwendige Druck auf das gegnerische Tor. Angetrieben von Leo Wilden und Helmut Richert, angefeuert durch die Fans, berennt Bayer 04 den gegnerischen Strafraum und Friedhelm Strzelczyk, Helmut Brücken und Peter Rübenach vergeben gute Einschussmöglichkeiten. Erst in der Nachspielzeit verhängt der Schiedsrichter einen Handelfmeter für Bayer 04, den Fredi Hennecken in gewohnter Manier verwandelt. Nach dem Schlusspfiff feiert Bayer 04 die Herbstmeisterschaft, punktgleich mit Rot-Weiß Essen aufgrund des besseren Torverhältnisses.

  1. Bayer 04 Leverkusen 25:9   33:17
  2. Rot-Weiß Essen 25:9   36:22
  3. Rot-Weiß Oberhausen 23:11   36:18
  4. VfL Bochum 1848 21:13   29:14
  5. Schwarz-Weiß Essen 21:13   33:16
  6. DSC Arminia Bielefeld 21:13   39:28

Aber die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest können noch nicht starten. Vorher stehen noch zwei Freundschaftsspiele auf dem Programm.

Am Mittwoch, 13. Dezember 1967, steigt das Aufeinandertreffen zweier Herbstmeister. Bayer 04 gastiert beim Tabellenführer der Regionalliga Berlin, Hertha BSC. Allerdings steht die Reise nach Berlin unter keinem guten Stern. Stundenlang muss die Bayer 04-Reisegesellschaft am Flughafen Köln warten, weil der Nebel keinen Start zulässt. Dann wird sie mit dem Bus nach Frankfurt gebracht, fliegt von dort nach Berlin und trifft erst kurz vor Spielbeginn im Poststadion ein. Lediglich 1.360 Zuschauer wollen sich dieses Abendspiel anschauen und sehen einen 3:2-Sieg für die Herthaner. Die Halbzeitführung von 2:1, herausgeschossen durch zwei Tore von Helmut Richert, können die Berliner drehen, weil zum Ende des Spiels die Werkself die Kraft verlässt.

crop_19671231_Helmut_Richert_2.jpg

Am nächsten Tag geht es zurück nach Leverkusen, weil am Wochenende, kurz vor Weihnachten, noch das Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach steigen soll. Aber der schlechte Platz macht ein Spiel unmöglich. Dafür fiebert ganz Leverkusen der Pokalauslosung in der sonntäglichen Sportschau entgegen. Um 18.52 Uhr zieht die Glücksgöttin das große Los: Für Bayer 04 gibt es ein Heimspiel gegen den souveränen Tabellenführer der Bundesliga, den 1. FC Nürnberg. Die Franken werden am Ende der Saison auch Deutscher Meister. Das Spiel soll am 27. Januar 1968 um 14 Uhr im Ulrich-Haberland-Stadion über die Bühne gehen. Extra für dieses Spiel wird das Stadion noch einmal neu vermessen, um auch den letzten Platz des Stadions füllen zu können.

Zur Vorbereitung der Rückrunde kommt am Silvestertag der bulgarische Meister Thrakia Plovdiv nach Leverkusen. Am letzten Tag des Jahres 1967 gewinnt Bayer 04 das letzte Spiel des Jahres und erste und einzige Spiel zur Vorbereitung zum eine Woche später stattfindenden Rückrundenstart mit 3:2. Die Tore für die Werkself erzielen Helmut Richert, Klaus Görtz und Helmut Brücken. So neigt sich das erfolgreiche Jahr 1967 dem Ende entgegen und der stolze Tabellenführer der Regionalliga West genießt den Übergang ins Jahr 1968.

Ähnliche News

Christoph Daum – Der Mann, der uns das Wollen beibrachte | Legende des Monats Februar
Bayer 04 - 01.02.2026

Legende: Christoph Daum – Der Mann, der uns das Wollen beibrachte

Christoph Daum wird am 24. Oktober 1953 in Zwickau geboren. Als Kind gelangt er mit seiner Mutter in den Westen Deutschlands und wächst in Duisburg auf. Schon früh entwickelt er eine große Begeisterung für den Fußball, auch wenn sich schnell zeigt, dass seine Zukunft weniger auf dem Platz als vielmehr an der Seitenlinie liegt. Bereits in jungen Jahren tritt seine Leidenschaft zutage, Dinge zu analysieren, zu erklären und zu verbessern.

Mehr zeigen
Horst Stollenwerk im Februar 1961
Bayer 04 - 01.02.2026

Mottenkiste: Vor 65 Jahren – Endlich wieder ein Sieg

Als die Bayer 04-Fußballer 1960 Weihnachten feiern, überwintern sie mit 20:10 Punkten auf dem zweiten Platz der 2. Oberliga West – allerdings bereits mit fünf Zählern Rückstand auf Spitzenreiter Schwarz-Weiß Essen. Doch im neuen Jahr findet die Mannschaft von Trainer Erich Garske nur schwer in die Spur. Auf ein torloses Remis gegen den Bonner FV im heimischen Ulrich-Haberland-Stadion folgt eine 1:2-Auswärtsniederlage in Erkenschwick. Auch das darauffolgende Heimspiel bringt nur einen Punkt ein. Die Aufstiegsambitionen schrumpfen damit auf ein Minimum, denn der Rückstand auf den begehrten Platz ist inzwischen auf beachtliche zehn Punkte angewachsen.

Mehr zeigen
Von Waas bis Tapsoba | Tore des Monats Februar
Bayer 04 - 01.02.2026

Tore des Monats: Von Waas bis Tapsoba

Im Video seht ihr eindrucksvolle und wichtige Tore der Bayer 04-Geschichte aus dem Monat Februar. Es geht dabei nicht immer um die Schönheit der Tore, sondern es sollen euch auch besondere Spiele und Spieler in Erinnerung gerufen werden.

Mehr zeigen
Vor 20 Jahren – Das Spiel der offenen Tore | Spiel des Monats Februar
Bayer 04 - 01.02.2026

Spiel des Monats: Vor 20 Jahren – Das Spiel der offenen Tore

Es ist der 11. Februar 2006 und Schalke 04 und die Werkself starten um 15.30 Uhr ein Spiel, das am Ende Historisches zu bieten hat – zumindest aus Bayer 04-Sicht.

Mehr zeigen
Paul Wiorek im Februar 1951
Bayer 04 - 01.02.2026

Geschichte: Vor 75 Jahren – Die Saison 1950/51 (Februar)

Als Tabellenführer empfängt die Werkself das abstiegsbedrohte Team von Rhenania Würselen. Am 4. Februar 1951 säumen trotz der sonntäglichen Karnevalsumzüge 5.000 Zuschauer den Spielfeldrand. Und sie sehen eine feldüberlegene Heim-Mannschaft. Ohne den erkrankten Theo Kirchberg und den gesperrten Emil Becks bestürmen die Gastgeber von Beginn an das gegnerische Tor. In der ersten Halbzeit gegen einen starken Wind ankämpfend, erspielt sich Bayer 04 Chance auf Chance, scheitert aber immer wieder am Würselener Torhüter. Nach dem 0:0 zur Halbzeit nimmt sich Karl Heinz Spikofski in der 55. Minute ein Herz und hämmert aus 20 Metern den Ball in die gegnerischen Maschen. Rhenania kann nicht mehr kontern. Bis zum Schluss hält die Belagerung des Würselener Strafraumes an, dennoch bleibt es am Ende bei einem knappen 1:0.

Mehr zeigen