Geschichte: Vor 75 Jahren – Die Saison 1950/51 (März)

Es ist der 4. März 1951. Mit fünf Punkten Vorsprung geht Bayer 04 am 24. Spieltag in das vorentscheidende Heimspiel gegen den Tabellenzweiten SSV Wuppertal, der drei Jahre später mit der TSG Vohwinkel 80 zum Wuppertaler SV fusionieren wird. Der Bayer 04-Pressewart Heinz Nelles sagt einen Großkampftag auf dem Sportplatz am Stadtpark voraus und empfiehlt den Bayer 04-Fans, lieber eine Eintrittskarte im Vorverkauf bei den bekannten Vorverkaufsstellen, vor allem in der Trinkhalle Rathaus bei Peter Haas zu erstehen. Nach vierwöchiger Verletzungspause ist auch erstmals wieder Mittelstürmer Emil „Bubi“ Becks mit von der Partie. Und als am Sonntag die Tore zum Stadtpark geöffnet werden, strömen die Zuschauer ins Stadion. Außerdem sind auch die Fenster an den Häusern der angrenzenden Walter-Nernst-Straße stark frequentiert.
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Wiorek und Flohr sorgen für Begeisterung

Am Ende säumen über 10.000 Zuschauer die Ränge des Stadions. Unter tosendem Applaus betreten beide Mannschaften um 15 Uhr den Rasen. Zwar ruft ein Freistoß des späteren Nationalspielers Erich Juskowiak die erste Aufregung im Leverkusener Strafraum hervor, dann aber ist die Bayer-Elf da. Erst trifft Linksaußen Paul Wiorek den Pfosten, in der 10. Minute stürmt Theo Kirchberg über rechts. Seine Hereingabe kann ein Wuppertaler Abwehrspieler nur zu Paul Wiorek ablenken, der den Ball hoch im Wuppertaler Tor versenkt. Die Bayer 04-Fans geraten schier aus dem Häuschen und die Werkself ist jetzt in ihrem Element. Erneut trifft Paul Wiorek bei einem Weitschuss nur den Pfosten. In der 29. Minute dann nach prachtvoller Vorarbeit von Karl Heinz Spikofski das 2:0 durch Hans Flohr. Nach der Pause geht es dann doch oft turbulent im Strafraum der Werkself zu. Einmal rettet die Querlatte und ein weiteres Mal Bayer 04-Verteidiger Jakob Kaiser für seinen schon geschlagenen Keeper Helmut Rennen. In der 74. Minute fällt schließlich der Anschlusstreffer der Gäste und die Bayer 04-Fans kommen aus der Aufregung nicht mehr heraus. Als der Schlusspfiff ertönt, liegen sich Spieler und Zuschauer in den Armen. Denn nach dem dritten Anlauf dürfte nun das Erreichen der 1. Oberliga West nur noch eine Frage von Wochen sein.

14 Tage später empfängt die Werkself die Nachbarn von Union Ohligs. Die Begeisterung in der Stadt Leverkusen für ihre Mannschaft ist groß und so kommen wieder über 5.000 Bayer 04-Fans in den Stadtpark. Schon nach zwei Minuten verwandelt Richard Job einen Elfmeter zur Führung. In der 19. Minute erhöht Hans Flohr auch per Elfmeter auf 2:0, ehe die Ohligser kurz darauf mit dem Anschlusstreffer antworten. Als Paul Wiorek mit einem Kopfball in der 32. Minute dann den alten Zwei-Tore-Vorsprung wiederherstellt, glauben alle im Stadion an einen weiteren Erfolg. Union Ohligs gestaltet das Spiel in der zweiten Halbzeit zwar offener, aber in den letzten zehn Minuten kommt die Werkself noch einmal richtig auf und erzielt durch Emil Becks das entscheidende 4:1.

Knapper Sieg bei Turu Düsseldorf

Karfreitag, den 23. März 1951, bestreitet die Werkself ein Freundschaftsspiel gegen den Oberliga Süd-Klub Wormatia Worms. Als Bayer 04 dieses Spiel abschließt, steht der Spielplan noch nicht fest und so kommt das Punktspiel an Ostersonntag eigentlich sehr ungelegen. Aber da die Mannschaft sich in Topform befindet und die Tabellensituation es hergibt, sagt der Spielausschuss von Bayer 04 das Freundschaftsspiel nicht ab. Dafür aber das Donnerstagtraining, um die Mehrbelastung für die Spieler auf ein Mindestmaß zu drücken.

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So reist die Werkself am Ostersonntag nach Düsseldorf in die Feuerbachstraße, um ihr Punktspiel gegen Turu Düsseldorf zu bestreiten. Die mitreisenden Fans können ab 13:45 Uhr für drei D-Mark mit einem Sonderbus des Reisebüros Grein oder mit der Bundesbahn für zwei D-Mark zum Spiel fahren. In der ersten Halbzeit erleben die insgesamt 3.000 Zuschauer nur wenige Höhepunkte. In der 23. Minute erzielt Richard Job mit einem perfekt über die Mauer gezirkelten Freistoß die 1:0-Führung für Bayer 04. Die große Ausgleichschance vergeben die Düsseldorfer, weil sie einen Handelfmeter, verschuldet von Peter Röger, an den Pfosten setzen. In der zweiten Halbzeit steigt die Radioübertragung ein. Reporter Kurt Brumme kommentiert die nächsten 45 Minuten live aus dem Stadion an der Feuerbachstraße und lässt die in Leverkusen gebliebenen Bayer 04-Fans jubeln, als er das 2:0 durch Theo Kirchberg in der 55. Minute verkündet. Jetzt scheint alles klar zu sein, doch fünf Minuten später gelingt Turu der Anschlusstreffer. Von diesem Zeitpunkt an hängt der Bayer-Sieg am seidenen Faden. Doch mit viel Glück kann die Werkself die Führung über die Zeit retten.

Aus den restlichen vier Spielen braucht die Werkself jetzt nur noch zwei Punkte für die Meisterschaft und den direkten Aufstieg in die 1. Oberliga West. Und diese Punkte sollen im April geholt werden.

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