
Alles begann in Monaco. Ende August reiste die Bayer 04-Delegation um Fernando Carro ins Fürstentum zur Champions-League-Auslosung. Mit dabei war unter anderem Slawomir Czarniecki. Er kümmert sich im Lizenzbereich sowohl um die Organisation der Heimspiele als auch - in Zusammenarbeit mit HRG SportsTravel – um die Reisen zu den Auswärtspartien in der Bundesliga und in der Königsklasse. Sobald die Gruppenphase ausgelost ist, muss Czarniecki schon auf Hochtouren arbeiten. Seit der Saison 2013/14 hat sich sein Arbeitsaufwand sogar noch deutlich erhöht, denn seitdem gibt es die UEFA Youth League, die „Champions League“ für die U19-Teams der teilnehmenden Profi-Mannschaften.
Für die Bayer 04-Talente bietet dieser Wettbewerb die Möglichkeit, sich auf höchstem internationalen Niveau zu präsentieren. Unmittelbar nach der Auslosung der Gruppenphase traf sich Czarniecki mit den Verantwortlichen der Gruppengegner Lokomotive Moskau, Juventus Turin und Atletico Madrid. Bereits in Monaco begann die Planung für die drei Auswärtsreisen, die in der Gruppenphase bevorstanden. Denn schon hier, an der Côte d’Azur, versorgen sich die Klubvertreter gegenseitig mit Informationen zu Hotels, Distanzen zum Flughafen und zu den Spielstätten. Im zweiten Schritt flog Czarniecki mit einer kleinen Bayer 04-Delegation in die Städte der kommenden Gegner. Hilfe bekam er vor allem von Reisepartner HRG Sports-Travel und von Kevin Völler, Mitarbeiter im Jugendleistungszentrum (JLZ) Kurtekotten. In Madrid, Turin und Moskau schauten sie sich an, welches Hotel den eigenen Anforderungen am besten entspricht.
„Bei der U19 kommt es nicht in erster Linie auf die Qualität des Hotels an, sondern auf eine möglichst optimale Logistik“, sagt Czarniecki. Das heißt unter anderem, die Entfernungen zu den Flughäfen und Stadien sollten so kurz wie möglich sein. Auch ein guter Trainingsplatz in der Nähe ist wichtig. Bei der Auswahl der Flüge orientiert sich Czarniecki meist am Terminplan der Profis. Manchmal ist es aus logistischen Gründen nicht möglich, zusammen zu fliegen. Dennoch versucht man in jeder Saison, mindestens einmal gemeinsam zu den Auswärtsspielen zu reisen, so wie es bei der Reise nach Turin der Fall war. Das Ziel dahinter: Es soll „Berührungspunkte zwischen beiden Teams“ geben, die über den gemeinsamen Flug hinausgehen. So schauen sich einige aus dem Trainerteam der Werkself mittags das Spiel der U19 an. Und die U19 feuert die Lizenzmannschaft an, wenn am Abend die Champions-League-Hymne erklingt.

Zu berücksichtigen sind bei den Reisen allerdings auch noch andere Dinge: Da zwei von drei Auswärtsspielen in der Schulzeit stattfanden, musste Czarniecki darauf achten, dass die Spieler den Anschluss in der Schule nicht verlieren: „Wir müssen mit den Jungs immer ein gewisses Maß nacharbeiten. Am Tag nach Turin haben einige von ihnen noch eine Klausur unter der Aufsicht unseres pädagogischen Leiters Frank Ditgens und in Absprache mit den jeweiligen Schulen geschrieben.“
Noch intensiver ist der Arbeitsaufwand bei Heimspielen. „Mir ist ein Auswärtsspiel lieber als ein Heimspiel“, gesteht Czarniecki schmunzelnd. Denn der gastgebende Verein ist natürlich auch für die Sicherheit verantwortlich. Ein Thema, das im Organisationsmeeting der UEFA, an dem die Vereine und die Polizei teilnehmen, eine große Rolle spielt. Dabei ist es unerheblich, ob 500 oder 2.000 Zuschauer zum Spiel kommen, „denn die Sicherheit muss so oder so garantiert werden“, sagt Czarniecki. Und weil die Partie gegen Atletico Madrid auch live übertragen wurde, gehört natürlich auch die Kooperation mit dem TV-Sender zu Czarnieckis Aufgabengebiet. „Als guter Gastgeber versuchen wir selbstverständlich auch, unserem Gegner während seines Aufenthalts organisatorisch unterstützend zur Seite zu stehen“, sagt der 40-Jährige.
Ein ganz besonderer Programmpunkt findet im Anschluss an das U19-Spiel statt: die sogenannte „third period“. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein Treffen von beiden Mannschaften mit den Schiedsrichtern und Vertretern der UEFA und Offiziellen. Das gemeinsame Essen im Lindner-Hotel der BayArena dient „dem Gedanken der Interkulturalität, des Fair Plays und der Integration“, so Czarniecki. Denn während es bei den Profis vor allem um den sportlichen Erfolg geht, verfolgt die Youth League noch andere Ziele. So müssen die Spieler der U19-Teams zum Beispiel an Online-Seminaren über diverse Themen wie Soziale Medien, Finanzen oder Anti-Doping teilnehmen. Mindestens sechs von insgesamt acht Seminaren sind Pflichtveranstaltungen. Der Verein, der am meisten Module absolviert, wird von der UEFA honoriert.

Natürlich will man als Verein auch sportlich erfolgreich sein. Aber in erster Linie sollen sich die jungen Spieler auf diesem internationalen Top-Niveau weiterentwickeln und an den Aufgaben wachsen. „Und wir als Klub wollen uns auch abseits des Platzes vorbildlich präsentieren“, sagt Czarniecki. Zudem sei es interessant, einmal die Arbeitsweise von Vereinen wie dem FC Barcelona, Benfica Lissabon, Real Sociedad oder eben Juventus Turin und Atletico Madrid kennenzulernen. Auch in Sachen Netzwerkbildung könne man die Youth League gar nicht hoch genug einschätzen, findet der langjährige Bayer 04-Mitarbeiter. „Deshalb ist der Wettbewerb nicht nur sportlich reizvoll, sondern bietet einen unbezahlbaren Mehrwert für Verein und Spieler.“
Kai Försterling Beltran

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