Gegner-Check: Matarazzo krempelt den VfB um

Der nächste Pokal-Abend in der BayArena! Am Mittwoch, 5. Februar (Anstoß: 18.30 Uhr), empfängt die Werkself im Achtelfinale den VfB Stuttgart. Zwar spielen die Schwaben derzeit zweitklassig, aber beim Blick auf das Team wird klar: Hier kommt eine Mannschaft mit Erstliga-Potenzial nach Leverkusen.
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Position

Der VfB ist einer von nur zwei Zweitligisten, die es ins Achtelfinale des DFB-Pokals geschafft haben. Und doch: So richtig überraschend kommt es nicht. Schließlich wäre Stuttgart noch am Ende der Saison 2017/18 um ein Haar in den europäischen Wettbewerb eingezogen, in dem die Schwaben noch vor nicht allzu langer Zeit quasi Stammgast waren. Ganz klar: Trotz des erneuten Abstiegs in die 2. Bundesliga in der vergangenen Saison ist der VfB noch immer ein großer Name im deutschen Fußball und präsentiert sich auch im Unterhaus als absolutes Schwergewicht.

Gesprächsstoff liefern die Schwaben sowieso regelmäßig und reichlich – zuletzt durch die Entlassung von Cheftrainer Tim Walter in der Winterpause. Nicht minder interessant auch die Wahl seines Nachfolgers, denn sie fiel auf keinen etablierten Namen, sondern auf einen, der die meiste Zeit seiner Trainerkarriere im zweiten Glied verbracht hatte: Pellegrino Matarazzo wurde aus dem Trainerstab von 1899 Hoffenheim losgeeist und soll die Schwaben nun zum direkten Wiederaufstieg führen. Bislang ist der 42-Jährige noch ungeschlagen: Sein Debüt gelang mit einem starken 3:0 über Konkurrent Heidenheim, am vergangenen Wochenende reichte es beim FC St. Pauli nach Rückstand immerhin noch zu einem 1:1. Am Mittwoch folgt nun Matarazzos erstes Pokalspiel als Chefcoach im Profibereich. Das Achtelfinale erreicht haben die Stuttgarter durch ein 1:0 in Rostock sowie ein knappes 2:1 nach Verlängerung beim Hamburger SV.

Personal

Der wohl interessanteste Neuzugang beim VfB ist der Trainer: Matarazzo misst 1,98 Meter, ist US-Amerikaner mit italienischem Pass, war aber schon als Spieler in Deutschland aktiv und in Hoffenheim unter anderem Assistent von Julian Nagelsmann. Nicht nur deshalb verspricht der neue Coach eine spannende Zeit – er will auch vieles anders machen als Vorgänger Walter. Während Letzterer viel Wert auf Ballbesitzfußball legte, bevorzugt Matarazzo die Spielidee des schnellen Umschaltspiels. Auf St. Pauli lief Stuttgart zudem erstmals in dieser Saison mit einer Dreier- statt mit der von Walter favorisierten Viererkette auf. Matarazzo möchte das System, das auch Nagelsmann in Hoffenheim spielen ließ, nach und nach beim VfB etablieren. Generell schreckt er nicht vor schnellen Veränderungen zurück. In seinem ersten Pflichtspiel als Stuttgarter Trainer baute er Walters letzte Startelf gleich auf sieben Positionen um.

Kurz vor Ende der Transferperiode bekam er noch eine weitere personelle Option: Der VfB verpflichtete den 18-jährigen Defensivspieler Clinton Mola vom FC Chelsea. Zweiter Winter-Neuzugang: Der 19-jährige Darko Churlinov vom 1. FC Köln. Allerdings verlor Stuttgart im Winter auch zwei Stützen: Mittelfeldspieler Santiago Ascacibar schloss sich Hertha BSC an, Linksverteidiger Emiliano Insua wechselte in die MLS zu LA Galaxy.

Probleme

Ob Matarazzo auch gegen Bayer 04 eine Dreierkette aufbieten kann, scheint nicht sicher. Denn: Ihm gehen die Innenverteidiger aus. Kapitän und Abwehrchef Marc-Oliver Kempf zog sich am Samstag im Auswärtsspiel beim FC St. Pauli einen Kieferbruch zu und wird mehrere Wochen ausfallen. Besonders bitter, weil Stuttgart bereits auf Ex-Nationalspieler Holger Badstuber (Muskelfaserriss) sowie den Polen Marcin Kaminski (Rückstand nach Kreuzbandriss) verzichten muss. Beide befinden sich zwar auf dem Weg der Besserung, sind für das Pokalspiel aber noch keine Option. Matarazzo wird in der Defensive also zum Improvisieren gezwungen sein – und dabei eventuell noch mehr Fantasie aufbringen müssen: Berna Sosa, nach dem Abgang von Insua der einzige etatmäßige Linksverteidiger im Kader, zog sich gegen St. Pauli eine Prellung an der Hand zu und ist für das Spiel in Leverkusen fraglich.

Potenzial

Stuttgart ist nach wie vor in allen Bereichen aufgestellt wie ein Erstligist: Die Strukturen sind hochprofessionell, die Arbeit der Führungsebene mit Sven Mislintat und Thomas Hitzlsperger ist es ebenso. In der Mannschaft tummeln sich ehemalige Nationalspieler wie Mario Gomez und der langjährige Leverkusener Gonzalo Castro neben Top-Talenten wie Silas Wamangituka oder Orel Mangala. Hinzu kommt die traditionell ergiebige Nachwuchsarbeit, in der der VfB in regelmäßigen Abständen Weltklassespieler wie Timo Werner, Joshua Kimmich oder Sami Khedira formt. Es scheint nur noch ein wenig Ruhe im Verein zu fehlen, damit die Stuttgarter wieder zu einer Mannschaft werden können, die auch in der Bundesliga eine mehr als respektable Rolle spielen kann.

Prognose

Alles scheint in Liga zwei auf einen Dreikampf zwischen Arminia Bielefeld, dem HSV und dem VfB hinzudeuten. Die Qualität, um den direkten Wiederaufstieg zu realisieren, haben die Schwaben in jedem Fall, ansonsten dürfte es Rang drei und die erneute Teilnahme an der Relegation werden. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, wie schnell Matarazzos Veränderungen greifen. Egal ob mit oder ohne Umweg: Die Chancen, dass es das Duell Stuttgart gegen Leverkusen in der kommenden Saison wieder in der Bundesliga gibt, stehen gut.

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