
Es war über weite Strecken ein recht zähes Unterfangen auf dem Acker des Olympiastadions. Das trübe Wetter mit reichlich Regen vor und während des Spiels passte irgendwie zu einem Spiel, das niemanden so recht erwärmte. Bayer 04 erzielte zwar das erste Tor der Partie, als Robert Andrich eine Flanke von Amine Adli ins Tor drückte (26.), doch der Ball hatte vor der Hereingabe des Franzosen bereits die Torauslinie überschritten, so dass der Treffer nicht zählte. Noch kniffliger war die Situation beim Berliner Führungstreffer kurz vor der Halbzeit durch Jovetic (42.), als einiges darauf hindeutete, dass sich der Schütze knapp im Abseits befunden hätte. Eine Überprüfung des VAR indes ergab, dass die Hacke von Piero Hincapie ein paar Zentimeter näher am Leverkusener Gehäuse war als der Hertha-Spieler – ein gültiges Tor. Die Werkself mühte sich nach der Pause lange vergeblich um Ertrag, ehe Andrich nach einem Freistoß von Kerem Demirbay noch der Lucky Punch zum Ausgleich glückte. Zum ausführlichen Spielbericht geht es HIER.
Mit dem auf den letzten Drücker erkämpften Unentschieden konnten die Leverkusener gut leben. „Kompliment an die Mannschaft für die Moral. Das Last-Minute-Tor fühlt sich natürlich gut an. Wir sind nach dem Spielverlauf mit dem Punkt zufrieden", sagte Cheftrainer Gerardo Seoane. Auch Kapitän Lukas Hradecky vermochte dem einen Zähler einiges abzugewinnen. „Auf so einem Platz ist es schwer, guten Fußball zu spielen, gerade für uns als spielstarke Mannschaft. Die Ergebnisse haben zuletzt nicht immer gestimmt, gerade deshalb tut das 1:1 unserer Moral total gut“, sagte der Torhüter, der bis auf einen Schuss von Serdar (25.) kaum einmal wirklich ernsthaft geprüft wurde.




Robert Andrich vergaß auch nicht, die Unterstützung von den Rängen zu erwähnen: „Unsere Anhänger waren fast lauter als die Hertha-Fans. Das will schon etwas heißen.“ Für den gebürtigen Potsdamer, der in der Jugend und für die 2. Mannschaft lange das Hertha-Trikot trug und später als Profi für den 1. FC Union Berlin spielte, war es ohnehin eine Art Heimspiel. Der 27-Jährige wurde auf der Tribüne von seinen Eltern, seinem Cousin und einigen Freunden unterstützt, mit denen er sich nach Abpfiff noch angeregt unterhielt.
Für die Beiden war es ein besonders denkwürdiger Sonntagnachmittag: Iker Bravo und Zidan Sertdemir kamen in der Hauptstadt zu ihrem ersten Einsatz im Oberhaus des deutschen Fußballs. Der spanische Angreifer wurde in der 79. Minute für Paulinho eingewechselt und löste mit seinen 16 Jahren und 298 Tagen Florian Wirtz (17 Jahre und 15 Tage) als bislang jüngsten Bundesliga-Spieler in der Geschichte von Bayer 04 ab. Ikers Spitzenplatz in der Bestenliste freilich übernahm wenig später schon jemand anders: In der 86. Minute kam Sertdemir für Jeremie Frimpong auf den Platz, und der Däne war mit 16 Jahren und 276 Tagen noch 22 Tage jünger. In der kompletten Bundesliga-Historie war nur ein Spieler noch jünger als Sertdemir und Bravo: Dortmunds Youssoufa Moukoko, der im Alter von 16 Jahren und 1 Tag für den BVB debütierte.





Gerardo Seoane sagte zu seinen beiden Youngstern: „Die Debüts von Zidan und Iker sind die Belohnung für harte Arbeit. Bis man ganz nach oben kommt, braucht es viel Arbeit. Nicht nur für die Spieler, auch für die Familien. Es ist eine Art Genugtuung."
Viel hat nicht gefehlt, und eine Negativserie hätte ihre Fortsetzung gefunden: Bayer 04 hatte in den vergangenen vier Bundesliga-Begegnungen mit der Hertha keinen einzigen Treffer erzielt. Gegen keinen anderen Bundesligisten wartete die Werkself so lange auf ein Tor. Erst Robert Andrichs Lupfer an Schwolow vorbei kurz vor dem Abpfiff sorgte dafür, dass dieser schlechte Lauf nun endete.
Mit dem Unentschieden bleibt Bayer 04 in der laufenden Saison auswärts weiter ungeschlagen und fuhr in den bisherigen sechs Partien in der Fremde drei Siege und drei Remis ein. Neben der Werkself hat einzig der FC Bayern München in dieser Saison auswärts noch nicht verloren. Gerardo Seoane ist der erste Bayer 04-Trainer seit Jupp Heynckes (2009/10), der in seinen ersten sechs Bundesliga-Gastspielen noch nicht unterlegen war.
„Andrich trifft Berlin ins Herz“, titelt die Süddeutsche Zeitung und beschreibt die schlechten Platzverhältnisse: „Selbst aus der Distanz war unübersehbar, dass der Ball nicht über den Rasen lief, sondern rumpelte.“ Der Kölner Stadt-Anzeiger thematisiert auch den Umstand, dass Bayer 04 in der Tabelle von Platz vier auf Rang sechs abrutschte: „Allerdings ballen sich die Teams hier so dicht, dass das Saisonziel Champions League noch nicht in Gefahr ist.“ Der Berliner Tagesspiegel wählte aus Sicht der Hertha diese Schlagzeile: „Schlechter Rasen, schlechtes Ende“. Der Platz im Olympiastadion „erinnerte eher an den Untergrund eines Reit- und Springturniers (unmittelbar vor dem Ende der Veranstaltung).“
Die Rheinische Post bewertet Robert Andrich „als besten Leverkusener, der sich mit dem späten Treffer belohnte“ mit der Note 2. Für den kicker war Andrich mit der Note 2,5 der „Spieler des Spiels“: „sehr präsent, symbolisierte Bayers Willen“.
Jetzt bleibt noch mal etwas Zeit zum Durchatmen: Die Bundesliga legt zum letzten Mal in diesem Jahr eine Länderspielpause ein. Im Kampf um Meisterschaftspunkte geht es für Bayer 04 dann am Samstag, 20. November, um 15.30 Uhr in der BayArena gegen den tüchtigen Neuling VfL Bochum 1848 weiter. Fünf Tage später am Donnerstag, 25. November, steht in der BayArena um 18.45 Uhr die Partie in der Europa League gegen Celtic Glasgow auf dem Programm. Mit einem Sieg gegen die Schotten würde die Werkself nicht nur das Weiterkommen sichern, sondern zugleich den Gruppensieg zementieren und sich damit vorzeitig für das Achtelfinale qualifizieren.

Im ersten Test der Sommervorbereitung auf die Saison 2026/27 gastiert Bayer 04 beim Oberligisten Sportfreunde Baumberg im benachbarten Monheim am Rhein. Das Duell findet am Samstag, 18. Juli (Anstoß: 15.30 Uhr) im MEGA Stadion statt. Der Ticketverkauf findet ausschließlich vor Ort im Vereinsheim von SF Baumberg statt. Alle Infos.
Mehr zeigen
Mit Milton Queiroz da Paixao fing 1987 alles an: Tita, wie er genannt wurde, war der erste Brasilianer unterm Bayer-Kreuz. Zahlreiche weitere Fußballer vom Zuckerhut sollten in den nächsten Jahren folgen. Viele von ihnen drückten dem Spiel der Werkself ihren eigenen Stempel auf. Rund 40 Jahre später setzt Arthur, der seit Sommer 2023 das Bayer 04-Trikot trägt, diese lange Tradition fort. Der 23-Jährige ist bereits der 24. Brasilianer der Vereinshistorie und hat sich als Teil der Doublesieger-Mannschaft von 2024 schon jetzt in die Geschichtsbücher des Werksklubs geschrieben. Ein Überblick über alle Bayer 04-Spieler aus dem Land des fünfmaligen Weltmeisters in Kurzporträts.
Mehr zeigen
Während die meisten Nachwuchs-Teams bei warmem Wetter die Sommerpause genießen, weilt die U15 bereits seit Wochenstart unter den Palmen der Dominikanischen Republik. Doch die Leverkusener sind nicht zum Sonnenbaden im dortigen Punta Cana, sondern wollen unter anderem den FC Barcelona hinter sich lassen und den nächsten Turniersieg holen. Die spielfreie Zeit bereits hinter sich haben die U23-Frauen, sie starten mit einem Testspiel gegen den VfL Bochum 1848 in die Vorbereitung. Das Nachwuchs-Wochenende im Überblick.
Mehr zeigen
Montrell hat verlängert! Erst im Januar hatte der U19-Nationalspieler einen bis 2030 gültigen Vertrag unterzeichnet. Jetzt unterschrieb der inzwischen in den Lizenzkader aufgestiegene Youngster bis 2031. Im Interview mit Werkself-TV spricht der 18-Jährige über seinen bisherigen Werdegang bei Bayer 04, lässt sein Bundesliga-Debüt-Tor gegen RB Leipzig Revue passieren und richtet emotionale Worte an die Werkself-Fans...
Mehr zeigen