Werkself Nachdreher zu #BSCB04: Späte Glücksgefühle und junge Hüpfer

Die Werkself spannte Fans wie Trainer bis zur letzten Minute auf die Folter, und zwei 16-Jährige feierten ihre Bundesliga-Premiere – der Nachbericht zum 1:1-Unentschieden von Bayer 04 bei Hertha BSC.
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Zusammenfassung: Eine Sache von Zentimetern

Es war über weite Strecken ein recht zähes Unterfangen auf dem Acker des Olympiastadions. Das trübe Wetter mit reichlich Regen vor und während des Spiels passte irgendwie zu einem Spiel, das niemanden so recht erwärmte. Bayer 04 erzielte zwar das erste Tor der Partie, als Robert Andrich eine Flanke von Amine Adli ins Tor drückte (26.), doch der Ball hatte vor der Hereingabe des Franzosen bereits die Torauslinie überschritten, so dass der Treffer nicht zählte. Noch kniffliger war die Situation beim Berliner Führungstreffer kurz vor der Halbzeit durch Jovetic (42.), als einiges darauf hindeutete, dass sich der Schütze knapp im Abseits befunden hätte. Eine Überprüfung des VAR indes ergab, dass die Hacke von Piero Hincapie ein paar Zentimeter näher am Leverkusener Gehäuse war als der Hertha-Spieler – ein gültiges Tor. Die Werkself mühte sich nach der Pause lange vergeblich um Ertrag, ehe Andrich nach einem Freistoß von Kerem Demirbay noch der Lucky Punch zum Ausgleich glückte. Zum ausführlichen Spielbericht geht es HIER.

Stimmen: Lob für die Moral und die Fans

Mit dem auf den letzten Drücker erkämpften Unentschieden konnten die Leverkusener gut leben. „Kompliment an die Mannschaft für die Moral. Das Last-Minute-Tor fühlt sich natürlich gut an. Wir sind nach dem Spielverlauf mit dem Punkt zufrieden", sagte Cheftrainer Gerardo Seoane. Auch Kapitän Lukas Hradecky vermochte dem einen Zähler einiges abzugewinnen. „Auf so einem Platz ist es schwer, guten Fußball zu spielen, gerade für uns als spielstarke Mannschaft. Die Ergebnisse haben zuletzt nicht immer gestimmt, gerade deshalb tut das 1:1 unserer Moral total gut“, sagte der Torhüter, der bis auf einen Schuss von Serdar (25.) kaum einmal wirklich ernsthaft geprüft wurde.

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Robert Andrich vergaß auch nicht, die Unterstützung von den Rängen zu erwähnen: „Unsere Anhänger waren fast lauter als die Hertha-Fans. Das will schon etwas heißen.“ Für den gebürtigen Potsdamer, der in der Jugend und für die 2. Mannschaft lange das Hertha-Trikot trug und später als Profi für den 1. FC Union Berlin spielte, war es ohnehin eine Art Heimspiel. Der 27-Jährige wurde auf der Tribüne von seinen Eltern, seinem Cousin und einigen Freunden unterstützt, mit denen er sich nach Abpfiff noch angeregt unterhielt.

Personal: Sertdemir toppt Bravos Rekord schnell

Für die Beiden war es ein besonders denkwürdiger Sonntagnachmittag: Iker Bravo und Zidan Sertdemir kamen in der Hauptstadt zu ihrem ersten Einsatz im Oberhaus des deutschen Fußballs. Der spanische Angreifer wurde in der 79. Minute für Paulinho eingewechselt und löste mit seinen 16 Jahren und 298 Tagen Florian Wirtz (17 Jahre und 15 Tage) als bislang jüngsten Bundesliga-Spieler in der Geschichte von Bayer 04 ab. Ikers Spitzenplatz in der Bestenliste freilich übernahm wenig später schon jemand anders: In der 86. Minute kam Sertdemir für Jeremie Frimpong auf den Platz, und der Däne war mit 16 Jahren und 276 Tagen noch 22 Tage jünger. In der kompletten Bundesliga-Historie war nur ein Spieler noch jünger als Sertdemir und Bravo: Dortmunds Youssoufa Moukoko, der im Alter von 16 Jahren und 1 Tag für den BVB debütierte.

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Gerardo Seoane sagte zu seinen beiden Youngstern: „Die Debüts von Zidan und Iker sind die Belohnung für harte Arbeit. Bis man ganz nach oben kommt, braucht es viel Arbeit. Nicht nur für die Spieler, auch für die Familien. Es ist eine Art Genugtuung."

Statistik: Negativserie gestoppt, Seoane auf Heynckes' Spuren

Viel hat nicht gefehlt, und eine Negativserie hätte ihre Fortsetzung gefunden: Bayer 04 hatte in den vergangenen vier Bundesliga-Begegnungen mit der Hertha keinen einzigen Treffer erzielt. Gegen keinen anderen Bundesligisten wartete die Werkself so lange auf ein Tor. Erst Robert Andrichs Lupfer an Schwolow vorbei kurz vor dem Abpfiff sorgte dafür, dass dieser schlechte Lauf nun endete.

Mit dem Unentschieden bleibt Bayer 04 in der laufenden Saison auswärts weiter ungeschlagen und fuhr in den bisherigen sechs Partien in der Fremde drei Siege und drei Remis ein. Neben der Werkself hat einzig der FC Bayern München in dieser Saison auswärts noch nicht verloren. Gerardo Seoane ist der erste Bayer 04-Trainer seit Jupp Heynckes (2009/10), der in seinen ersten sechs Bundesliga-Gastspielen noch nicht unterlegen war.

Presseschau: „Untergrund wie beim Reit- und Springturnier“

„Andrich trifft Berlin ins Herz“, titelt die Süddeutsche Zeitung und beschreibt die schlechten Platzverhältnisse: „Selbst aus der Distanz war unübersehbar, dass der Ball nicht über den Rasen lief, sondern rumpelte.“ Der Kölner Stadt-Anzeiger thematisiert auch den Umstand, dass Bayer 04 in der Tabelle von Platz vier auf Rang sechs abrutschte: „Allerdings ballen sich die Teams hier so dicht, dass das Saisonziel Champions League noch nicht in Gefahr ist.“ Der Berliner Tagesspiegel wählte aus Sicht der Hertha diese Schlagzeile: „Schlechter Rasen, schlechtes Ende“. Der Platz im Olympiastadion „erinnerte eher an den Untergrund eines Reit- und Springturniers (unmittelbar vor dem Ende der Veranstaltung).“

Die Rheinische Post bewertet Robert Andrich „als besten Leverkusener, der sich mit dem späten Treffer belohnte“ mit der Note 2. Für den kicker war Andrich mit der Note 2,5 der „Spieler des Spiels“: „sehr präsent, symbolisierte Bayers Willen“.

Ausblick: Nach der Pause erst Bochum, dann Celtic

Jetzt bleibt noch mal etwas Zeit zum Durchatmen: Die Bundesliga legt zum letzten Mal in diesem Jahr eine Länderspielpause ein. Im Kampf um Meisterschaftspunkte geht es für Bayer 04 dann am Samstag, 20. November, um 15.30 Uhr in der BayArena gegen den tüchtigen Neuling VfL Bochum 1848 weiter. Fünf Tage später am Donnerstag, 25. November, steht in der BayArena um 18.45 Uhr die Partie in der Europa League gegen Celtic Glasgow auf dem Programm. Mit einem Sieg gegen die Schotten würde die Werkself nicht nur das Weiterkommen sichern, sondern zugleich den Gruppensieg zementieren und sich damit vorzeitig für das Achtelfinale qualifizieren.

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