
„Wir haben alles versucht und sind dafür noch belohnt worden. Es war sehr schwer, gegen die kompakte Defensive der Hertha noch das Comeback zu schaffen. Unserer Moral tut dieser Punkt richtig gut. Und jetzt ist es gut, dass die Länderspiele kommen und wir eine Pause haben“, sagte Kapitän und Torhüter Lukas Hradecky.
Nach dem 4:0-Sieg in der Europa League gegen Real Betis Sevilla ging Bayer 04 die Partie in der Hauptstadt mit einem unerwarteten Handicap an: Cheftrainer Gerardo Seoane musste kurzfristig auf Florian Wirtz verzichten, der wegen muskulärer Probleme im Hüftbeuger nicht zur Verfügung stand. Für den DFB-Auswahlspieler kam Exequiel Palacios ins Team und bildete mit Robert Andrich die Doppelsechs, Kerem Demirbay rückte dafür eine Position weiter nach vorn. Neben Wirtz gehörte auch der angeschlagene Lucas Alario nicht zum Aufgebot, dazu fehlten außerdem die verletzten Mitchel Bakker, Patrik Schick, Charles Aránguiz, Karim Bellarabi, Julian Baumgartlinger und Timothy Fosu-Mensah. Auf der Bank nahmen in den beiden erst 16-jährigen Iker Bravo und Zidan Sertdemir auch zwei U19-Spieler Platz.
Allen personellen Widrigkeiten zum Trotz hatte sich die Werkself viel vorgenommen für das Duell mit der Hertha, gegen die es in den vergangenen vier Bundesliga-Begegnungen nur einen Punkt und keinen eigenen Treffer gegeben hatte. Auf dem schwerst ramponierten Rasen des Olympiastadions, der durch kräftige Regenfälle vor Spielbeginn noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen wurde, entwickelte sich von Beginn an der erwartete Schlagabtausch mit vielen Zweikämpfen. Die Berliner gaben den ersten Torschuss ab, Lukas Hradecky indes hatte keine Mühe mit dem Versuch von Jovetic aus der Distanz (7.). Auch Bayer 04 probierte es unter den Augen von Bundestrainer Hansi Flick gleich mal aus der Entfernung: Robert Andrich zog aus rund 30 Metern ab, der Ball flog einen knappen Meter am Pfosten vorbei (9.).

Gefährlicher wurde es wenig später nach einem flinken Vorstoß von Jeremie Frimpong über rechts, doch nach dessen Hereingabe in den Rückraum fehlte es Andrich beim Schussversuch am nötigen Druck (11.). Auf der Gegenseite parierte Hradecky stark gegen Serdars Schuss aus halbrechter Position aufs kurze Eck (25.). Kurz darauf drückte Andrich die Kugel ins Netz des Berliner Kastens – doch vor der Flanke von Amine Adli hatte der Ball die Torauslinie bereits überschritten (26.). Als sich Dardai nach einem Steilpass verschätzte und Moussa Diaby am Fünfer an den Ball kam, wäre Ascacibar beinahe ein Eigentor unterlaufen, doch Schwolow rettete (31.).
Bayer 04 arbeitete im Kollektiv stark nach hinten, auch Paulinho, Diaby und Adli waren sich für keinen Weg zu schade. Die Berliner Pausenführung jedoch vermochten die Gäste nicht zu unterbinden: Nach einem gewonnenen Kopfballduell zog Jovetic mit links aus der Drehung ab und platzierte den Ball technisch anspruchsvoll im Dreieck – Hradecky war ohne jede Chance, nachdem der Schütze hauchzart nicht im Abseits gestanden hatte (42.). Da die Hacke von Piero Hincapie Zentimeter näher am eigenen Tor war als Jovetic, zählte der Treffer.
Ohne etatmäßigen Mittelstürmer und Florian Wirtz ging der Werkself in der Offensive erkennbar der Punch ab, dennoch mussten die Leverkusener ihre Angriffsbemühungen nach dem Wechsel natürlich intensivieren. Demirbays Schuss mit rechts aus 18 Metern verfehlte das Tor (52.). Bayer 04 versuchte sich in Herthas Hälfte einzunisten, die Gastgeber lauerten derweil auf Konter: Jovetic schloss bei einer richtig guten Gelegenheit viel zu überhastet ab (55.). Nach gut einer Stunde wechselte Gerardo Seoane doppelt: Nadiem Amiri und Daley Sinkgraven kamen für Palacios und Hincapie (61.).

Andrichs Kopfball nach Ecke Demirbay flog weit über das Tor (66.). Demirbay versuchte es danach mit rechts und voller Wucht, Schwolow lenkte die Kugel aber noch über den Querbalken (70.). Nur eine Minute später zog die Nr. 10 der Werkself mit links ab, doch Schwolow hechtete ins bedrohte Eck und parierte den Ball mit der Faust – Adlis Nachschuss ging übers Tor und war überdies aus dem Abseits abgegeben (71.). Bayer 04 zog seine letzte offensive Karte, Iker Bravo kam für Paulinho und somit zu seinem Bundesliga-Debüt (79.).
Die Leverkusener mühten sich nach Kräften wie scheinbar auch vergeblich. Nach Bravo kam auch Zidan Sertdemir zu seiner Premiere in der Bundesliga (86.). Und die Leverkusener hatten schließlich doch noch einen im Köcher: Nach Demirbays Freistoß kam die Kugel eher unfreiwillig über Odilon Kossounou zu Robert Andrich, der Schwolow aus spitzem Winkel mit einem feinen Lupfer zum 1:1 überwand (90.). Die Freude über diesen Last-Minute-Ausgleich im strömendem Regen war unbeschreiblich groß – bei den Spielern ebenso wie bei den 1.000 mitgereisten Fans.

Für Bayer 04, das auswärts weiterhin ungeschlagen bleibt, geht es nach der folgenden Länderspielphase mit zwei Heimspielen weiter. Zunächst trifft die Werkself am Samstag, 20. November, um 15.30 Uhr, in der Bundesliga auf den VfL Bochum. Fünf Tage später am Donnerstag, 25. November, steht in der BayArena um 18.45 Uhr die Partie in der Europa League gegen Celtic Glasgow auf dem Programm.
Die Statistik
Hertha BSC: Schwolow – Pekarik, Stark, M. Dardai, Plattenhardt – Ascacibar (80. Tousart), Serdar – Richter (88. Jastrzembski), Darida (80. Boateng), Mittelstädt (88. Ekkelenkamp) – Jovetic (73. Selke)
Bayer 04: Hradecky – Frimpong (86. Kossounou), Tah, Tapsoba, Hincapie (61. Sinkgraven) – Andrich, Palacios (61. Amiri) – Diaby, Demirbay, Paulinho (79. Bravo) – Adli (86. Sertdemir)
Tore: 1:0 Jovetic (42.), 1:1 Andrich (90.)
Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen)
Gelbe Karten: Darida – Palacios, Demirbay, Diaby
Zuschauer: 22.187

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Rüdiger Vollborn ist seit 40 Jahren im Klub, mit 401 Bundesliga-Einsätzen der Rekordspieler des Klubs und hat als einziger Bayer 04-Profi sowohl den UEFA-Cup (1988) als auch den DFB-Pokal (1993) gewonnen. Und auch nach seiner beeindruckenden Profi-Karriere blieb der gebürtige Berliner dem Werksklub weiter erhalten, arbeitete fortan neun Jahre als Torwarttrainer. Inzwischen ist Vollborn unterm Bayer-Kreuz als Fanbeauftragter und Klub-Archivar tätig. Seit Februar 2021 nimmt das personalisierte schwarz-rote Lexikon die Werkself-Fans in der Rubrik „Rudi erzählt...“ monatlich mit auf eine kleine Reise in die Geschichte von Bayer 04.
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