
Die Werkself kann nicht nur spektakulär mit zahlreichen Toren in der Anfangsphase und Erfolgen mit drei oder vier eigenen Treffern, sondern auch effektiv und knapp. Gegen die Mainzer reichte nach einer überschaubaren ersten Hälfte eine klare Tempo- und Leistungssteigerung nach der Pause zum verdienten Erfolg. Für das Tor des Tages nach gut einer Stunde sorgte Florian Wirtz nach feinem Zusammenspiel mit Jeremie Frimpong und einem ebenso coolen wie überlegten Abschluss, bei dem sich das ganze Potenzial und herausragende Spielverständnis des 18-Jährigen offenbarte. HIER gibt es den ausführlichen Spielbericht.

Trainer Gerardo Seoane betonte die besseren zweiten 45 Minuten der Seinen. „Es hat viel Geduld gebraucht. Mainz war gut organisiert, wir haben am Anfang nicht die Räume hinter der Fünferkette gefunden. Im zweiten Durchgang waren wir viel schnörkelloser und haben mehr Durchschlagskraft entwickelt. Wenn in der Schlussphase der Mainzer Kopfball reingegangen wäre, hätte das sehr weh getan“, sagte der Werkself-Coach.
Lukas Hradecky, der Bayer 04 wenige Minuten vor dem Abpfiff mit seiner Prachtparade beim Kopfball von Ingvartsen vor dem drohenden Ausgleich bewahrte, waren die Komplimente der Kollegen gewiss. „Am Ende hat uns Lukas gerettet“, sagte Jeremie Frimpong. Der Keeper und Kapitän nahm das Lob gern entgegen: „Wenn ich eine besondere Qualität habe, dann sind es die Reflexe und schnellen Hände.“ Zugleich erwähnte der finnische Nationaltorhüter die starke Unterstützung von den Rängen. „Es ist eine unheimliche Energie, die wir als Mannschaft von der Nordkurve und dem ganzen Stadion bekommen. Deshalb haben wir uns nachher auch so ausgiebig bei den Fans bedankt und mit ihnen gefeiert, wir wollten ihnen zeigen, wie viel sie für uns bedeuten.“

Natürlich waren nachher der Siegtorschütze Florian Wirtz und Lukas Hradecky als unüberwindbarer Rückhalt im Tor in aller Munde. Daneben fand indes auch die erneut sehr überzeugende Leistung von Jeremie Frimpong viel Beifall. Die exzellente Vorbereitung des Treffers, die trotz allen Vorwärtsdrangs defensive Stabilität, kurz gesagt: Es war eine bärenstarke Leistung des Niederländers. Der erst 20 Jahre alte Rechtsverteidiger macht nicht nur seine Seite zunehmend dicht für die Gegner, sondern ist stets auch eine Waffe in der Offensive mit seinem Tempo und der Dribbelstärke. Schon beim 2:1-Erfolg in der Europa League hatte Frimpong beide Tore eingeleitet. Das nächste Pflichtspiel der Werkself wird zudem ein ganz besonderes für ihn: Am Donnerstag steht für „Jerry“ die Rückkehr zu seinem alten Klub nach Glasgow in den Celtic Park an.
Letztlich kommt es natürlich auf das Resultat an, und das passte bestens für die Werkself gegen die Mainzer. Aber auch bei den „B-Noten“ für den Aufwand und die kämpferische Haltung lag 04 im Vergleich zu 05 vorn. 17 Leverkusener Torschüssen standen 14 der Mainzer gegenüber, der Ballbesitz wies 68 Prozent auf Seiten von Schwarz und Rot aus (gegenüber 32 Prozent beim FSV). Zweikampf- (54:46 Prozent) wie auch Passquote (85:68) sprachen ebenfalls zu Gunsten der Gastgeber.

„Sieg durch Genie und Kampf“ titelt der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Online-Ausgabe und schreibt: „Nach der Pause knackte eine spielfreudige und dominante Bayer 04-Mannschaft die taktisch hervorragend eingestellte Mainzer Defensive über die Flügel.“ Die Bild am Sonntag beschäftigt sich ausgiebig mit dem nun jüngsten Bundesliga-Spieler in der Historie, dem zehn Treffer gelungen sind: „Florian Wirtz ist wieder Bayers Lebensversicherung. Achte Torbeteiligung (vier Tore, vier Vorlagen): irre!“
Auch der kicker widmete sich in seiner Online-Ausgabe dem Leverkusener Matchwinner: „Wirtz verbucht in der laufenden Saison alle 37 Minuten eine Torbeteiligung – Bestwert unter allen Spielern. Sein Siegtor gegen Mainz war bereits sein achter Scorerpunkt, nur Erling Haaland (elf) kommt auf mehr. Obwohl Wirtz nur in drei Spielen in der Startformation stand, liegt er damit beispielsweise vor Weltfußballer Robert Lewandowski (sieben). Die Rheinische Post hob in ihrer Einzelbewertung Keeper Hradecky mit der Note 1 hervor: „Der Kapitän war unter anderem gegen Dominik Kohr, Stefan Bell und in der 89. Minute auch noch gegen Marcus Ingvartsen als letzte Instanz gefordert – die Null blieb stehen.“
Das Programm wird jetzt zunehmend straffer: Die Werkself geht in eine Englische Woche, der sich nach der folgenden Länderspielphase dann drei weitere anschließen werden. Am Donnerstag, 30. September (Anstoß: 21 Uhr), tritt Bayer 04 zum zweiten Gruppenspiel der Europa League beim schottischen Vizemeister Celtic Glasgow an und ist bestrebt, dem 2:1-Sieg zum Auftakt gegen Budapest weitere Punkte folgen zu lassen. In der Bundesliga geht es am Sonntag, 3. Oktober, zu ungewohnter Zeit um 19.30 Uhr bei Arminia Bielefeld weiter.

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