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15.09.2020Bundesliga

Gegner-Check: Arminia mit Trainer-Premiere und verliebtem Torjäger

VfB Stuttgart, Hamburger SV, Hannover 96, 1. FC Nürnberg – die großen Traditionsklubs mit langjähriger Bundesliga-Zugehörigkeit gingen als Favoriten in die vergangene Zweitliga-Spielzeit. Doch am Ende übertrumpfte eine Mannschaft – und diese Bezeichnung passt in dem Fall wie das Runde ins Eckige – sie alle: Arminia Bielefeld. Die Ostwestfalen kürten sich mit zehn Punkten Vorsprung zum Zweitliga-Meister. Und das nicht nur dank eines Torjägers mit DSC-DNA. Bayer04.de stellt wenige Tage vor dem Liga-Auftakt beim VfL Wolfsburg (20. September, 18 Uhr) den ersten der zwei neuen Bundesliga-Gegner der Werkself vor.
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Position

Beim Blick auf die Statistiken der abgelaufenen Serie könnte die Arminia durchaus als der „FC Bayern München der 2. Liga“ bezeichnet werden. Die Ostwestfalen haben das deutsche Fußball-Unterhaus nahezu nach Belieben dominiert. Zum Saisonstart keineswegs als Aufstiegskandidat gehandelt, mauserte sich die Mannschaft von Uwe Neuhaus im Laufe der Hinrunde zum Spitzenteam. Seit dem 7. Spieltag in den Top drei, ab dem 14. Spieltag ununterbrochen Spitzenreiter. Spätestens zur Winterpause dürfte auch dem Letzten klar geworden sein, dass diese Mannschaft im Aufstiegskampf eine entscheidende Rolle einnehmen wird.

Beispielhaft für den Bielefelder Siegeswillen war der letzte Liga-Auftritt der Saison. Den Aufstieg hatte der DSC ebenso längst in der Tasche wie die Meisterschaft, als der 1. FC Heidenheim auf der Alm gastierte. Die Gäste wollten mit etwas Zählbarem den Relegationsplatz drei sichern. „Ich kann mich zu einhundert Prozent auf meine Mannschaft verlassen. Wir wollen das Spiel gewinnen“, betonte Uwe Neuhaus vor dem Spitzenspiel. Und der 60-Jährige sollte Recht behalten. Nach 90 Minuten stand ein klarer 3:0-Erfolg – und die Aufstiegs-Feierlichkeiten unter Beachtung der Corona-Hygieneregeln konnten fortgesetzt werden.

Personal

Große Namen und teure Neuzugänge sucht man im Kader der Ostwestfalen vergebens. Die Mehrheit der Stammkräfte ist bereits seit einigen Jahren für die Arminia aktiv. Torhüter Stefan Ortega, seit 2017 in Bielefeld, hat in der abgelaufenen Spielzeit keine einzige Minute verpasst. Der 27-Jährige bildete mit seinen Vordermännern die beste Defensive der 2. Liga (30 Gegentreffer, 14-mal zu Null). Nur ein paar Minuten weniger in den Beinen hat Stürmer Fabian Klos. Man könnte den 1,94-Meter-Hünen zweifelsohne auch als „Mr. Bielefeld“ bezeichnen. Der 32-Jährige kickt seit über neun Jahren für den DSC, ist Kapitän, Sprachrohr, Identifikationsfigur und Aufstiegsgarant. In seinen 33 Liga-Einsätzen gelangen ihm 22 Tore und 11 Vorlagen. Der Titel des ligaweiten Top-Scorers war ihm damit ebenso sicher wie die erste offizielle Torjägerkanone der Zweitliga-Historie. Klos selbst sagte einmal im Interview mit der Zeitung Die Welt: „Ich bin verliebt in Arminia Bielefeld.“ Bei diesen Statistiken und Aussagen ist es kein Wunder, dass ihn die Fans mit 57 Prozent zu ihrem „Spieler der Saison“ gewählt haben.

Probleme

Zum ersten Mal in seiner 25-jährigen Trainerkarriere wird Uwe Neuhaus eine Bundesliga-Mannschaft coachen. Dass er seine Spieler künftig statt auf Wiesbaden oder Regensburg auf Großkaliber wie den FC Bayern oder die Werkself vorbereiten muss, schüchtert den Ex-Profi nicht ein. „Die Überzeugung, dass ich auch 1. Liga kann, trage ich in mir“, betonte der 60-Jährige kurz nach dem Aufstieg. Doch klar ist, dass sie in Ostwestfalen bei ihrem mutigen, offensiven Spielstil Abstriche werden machen müssen. „Das Selbstvertrauen, das wir aus unserer Spielweise ziehen, wollen wir auch in der Bundesliga zeigen. Aber ich weiß auch, dass wir damit auch an unsere Grenzen stoßen können. Wir werden Gegner haben, die zu den besten Klubs der Welt gehören. Da können wir nicht stur an unserem System festhalten.“

Es stellt sich die Frage, inwieweit der DSC-Kader qualitativ bereit ist für die Bundesliga. Mit Jonathan Clauss (RC Lens) hat der drittbeste Torschütze und Scorer den Klub verlassen, mit Florian Hartherz (Fortuna Düsseldorf) der angestammte Linksverteidiger. Im Gegenzug liehen die Ostwestfalen unter anderem den japanischen Rechtsaußen Ritsu Doan (PSV Eindhoven) aus. Ebenso auf Leihbasis ist Stürmer Sergio Córdova vom FC Augsburg zum DSC gestoßen. Mike van der Hoorn (Swansea City) soll derweil die Abwehrreihe verstärken. Es bleibt abzuwarten, ob die Arminia noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen wird.

Potenzial

Namhafte Transfers waren in Ostwestfalen trotz des Aufstiegs ohnehin nicht zu erwarten; die finanziellen Auswirkungen im Zuge der Corona-Krise haben diese These nur noch zusätzlich bekräftigt. Doch beim DSC ist eine Mannschaft herangewachsen, die in der Bundesliga den nächsten Schritt machen kann und will. Innenverteidiger Amos Pieper, 22 Jahre jung, hat seine erste komplette Saison mit Bielefeld hinter sich. Der Ex-Dortmunder konnte seinen Marktwert dank guter Leistungen bei seinen 31 Einsätzen erheblich steigern. Marcel Hartel (24), vor der Aufstiegs-Spielzeit von Union Berlin gekommen, belebte als Spielmacher die Offensive. Er dürfte auch in der Beletage von großer Bedeutung sein. Und ist einmal Not am Mann in Ostwestfalen, werden sie sich auch beim eigenen Nachwuchs bedienen können. Die U19 und U17 treten in der Saison 2020/21 erneut in der Junioren-Bundesliga und damit der höchsten deutschen Spielklasse an.

Prognose

Die Arminia ist rein vom Papier her einer der Abstiegskandidaten. Doch dass die Neuhaus-Auswahl auch überraschen kann, hat sie in der 2. Liga Woche für Woche eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Cheftrainer in Bezug auf die Mission Klassenerhalt klarstellt: „Es wäre keine Sensation für mich. Wir haben eine sehr intakte Mannschaft mit einem großartigen Charakter. Insofern haben wir eine gute Chance.“

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