
Beim Blick auf die Statistiken der abgelaufenen Serie könnte die Arminia durchaus als der „FC Bayern München der 2. Liga“ bezeichnet werden. Die Ostwestfalen haben das deutsche Fußball-Unterhaus nahezu nach Belieben dominiert. Zum Saisonstart keineswegs als Aufstiegskandidat gehandelt, mauserte sich die Mannschaft von Uwe Neuhaus im Laufe der Hinrunde zum Spitzenteam. Seit dem 7. Spieltag in den Top drei, ab dem 14. Spieltag ununterbrochen Spitzenreiter. Spätestens zur Winterpause dürfte auch dem Letzten klar geworden sein, dass diese Mannschaft im Aufstiegskampf eine entscheidende Rolle einnehmen wird.
Beispielhaft für den Bielefelder Siegeswillen war der letzte Liga-Auftritt der Saison. Den Aufstieg hatte der DSC ebenso längst in der Tasche wie die Meisterschaft, als der 1. FC Heidenheim auf der Alm gastierte. Die Gäste wollten mit etwas Zählbarem den Relegationsplatz drei sichern. „Ich kann mich zu einhundert Prozent auf meine Mannschaft verlassen. Wir wollen das Spiel gewinnen“, betonte Uwe Neuhaus vor dem Spitzenspiel. Und der 60-Jährige sollte Recht behalten. Nach 90 Minuten stand ein klarer 3:0-Erfolg – und die Aufstiegs-Feierlichkeiten unter Beachtung der Corona-Hygieneregeln konnten fortgesetzt werden.
Große Namen und teure Neuzugänge sucht man im Kader der Ostwestfalen vergebens. Die Mehrheit der Stammkräfte ist bereits seit einigen Jahren für die Arminia aktiv. Torhüter Stefan Ortega, seit 2017 in Bielefeld, hat in der abgelaufenen Spielzeit keine einzige Minute verpasst. Der 27-Jährige bildete mit seinen Vordermännern die beste Defensive der 2. Liga (30 Gegentreffer, 14-mal zu Null). Nur ein paar Minuten weniger in den Beinen hat Stürmer Fabian Klos. Man könnte den 1,94-Meter-Hünen zweifelsohne auch als „Mr. Bielefeld“ bezeichnen. Der 32-Jährige kickt seit über neun Jahren für den DSC, ist Kapitän, Sprachrohr, Identifikationsfigur und Aufstiegsgarant. In seinen 33 Liga-Einsätzen gelangen ihm 22 Tore und 11 Vorlagen. Der Titel des ligaweiten Top-Scorers war ihm damit ebenso sicher wie die erste offizielle Torjägerkanone der Zweitliga-Historie. Klos selbst sagte einmal im Interview mit der Zeitung Die Welt: „Ich bin verliebt in Arminia Bielefeld.“ Bei diesen Statistiken und Aussagen ist es kein Wunder, dass ihn die Fans mit 57 Prozent zu ihrem „Spieler der Saison“ gewählt haben.
Zum ersten Mal in seiner 25-jährigen Trainerkarriere wird Uwe Neuhaus eine Bundesliga-Mannschaft coachen. Dass er seine Spieler künftig statt auf Wiesbaden oder Regensburg auf Großkaliber wie den FC Bayern oder die Werkself vorbereiten muss, schüchtert den Ex-Profi nicht ein. „Die Überzeugung, dass ich auch 1. Liga kann, trage ich in mir“, betonte der 60-Jährige kurz nach dem Aufstieg. Doch klar ist, dass sie in Ostwestfalen bei ihrem mutigen, offensiven Spielstil Abstriche werden machen müssen. „Das Selbstvertrauen, das wir aus unserer Spielweise ziehen, wollen wir auch in der Bundesliga zeigen. Aber ich weiß auch, dass wir damit auch an unsere Grenzen stoßen können. Wir werden Gegner haben, die zu den besten Klubs der Welt gehören. Da können wir nicht stur an unserem System festhalten.“
Es stellt sich die Frage, inwieweit der DSC-Kader qualitativ bereit ist für die Bundesliga. Mit Jonathan Clauss (RC Lens) hat der drittbeste Torschütze und Scorer den Klub verlassen, mit Florian Hartherz (Fortuna Düsseldorf) der angestammte Linksverteidiger. Im Gegenzug liehen die Ostwestfalen unter anderem den japanischen Rechtsaußen Ritsu Doan (PSV Eindhoven) aus. Ebenso auf Leihbasis ist Stürmer Sergio Córdova vom FC Augsburg zum DSC gestoßen. Mike van der Hoorn (Swansea City) soll derweil die Abwehrreihe verstärken. Es bleibt abzuwarten, ob die Arminia noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen wird.
Namhafte Transfers waren in Ostwestfalen trotz des Aufstiegs ohnehin nicht zu erwarten; die finanziellen Auswirkungen im Zuge der Corona-Krise haben diese These nur noch zusätzlich bekräftigt. Doch beim DSC ist eine Mannschaft herangewachsen, die in der Bundesliga den nächsten Schritt machen kann und will. Innenverteidiger Amos Pieper, 22 Jahre jung, hat seine erste komplette Saison mit Bielefeld hinter sich. Der Ex-Dortmunder konnte seinen Marktwert dank guter Leistungen bei seinen 31 Einsätzen erheblich steigern. Marcel Hartel (24), vor der Aufstiegs-Spielzeit von Union Berlin gekommen, belebte als Spielmacher die Offensive. Er dürfte auch in der Beletage von großer Bedeutung sein. Und ist einmal Not am Mann in Ostwestfalen, werden sie sich auch beim eigenen Nachwuchs bedienen können. Die U19 und U17 treten in der Saison 2020/21 erneut in der Junioren-Bundesliga und damit der höchsten deutschen Spielklasse an.
Die Arminia ist rein vom Papier her einer der Abstiegskandidaten. Doch dass die Neuhaus-Auswahl auch überraschen kann, hat sie in der 2. Liga Woche für Woche eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Cheftrainer in Bezug auf die Mission Klassenerhalt klarstellt: „Es wäre keine Sensation für mich. Wir haben eine sehr intakte Mannschaft mit einem großartigen Charakter. Insofern haben wir eine gute Chance.“

Nach dem Wintereinbruch der letzten Wochen wurden alle geplanten Partien der Nachwuchs-Teams im Freien abgesagt. Die meisten Mannschaften waren jedoch ohnehin in der Halle aktiv – und das äußerst erfolgreich: Sowohl die U13 als auch die U16-Juniorinnen gewannen ihre Turniere in Wermelskirchen und auf Schalke. Die U19 landete beim hochkarätigen Mercedes-Benz Junior Cup auf Rang 5 und für die U15 stand beim ebenfalls stark besetzten Pape-Cup in Magdeburg am Ende Platz vier zu Buche – das Nachwuchs-Wochenende im Überblick.
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Enge Tribünen, kleines Feld, laute Fans: Am vergangenen Wochenende trat die U19 von Bayer 04 im Sindelfinger Glaspalast auf dem renommierten Mercedes-Benz Junior Cup 2026 an, der seit über 30 Jahren Topklubs aus dem In- und Ausland anzieht. Über zwei Turniertage duellierte sich der älteste Nachwuchs-Jahrgang des Werksklubs, feierte dabei Siege unter anderem gegen den 1. FC Köln und den FC Bayern München. Am Ende stand der 5. Platz zu Buche. Simone Cannizzaro aus der Leverkusener U17 wurde seinerseits als bester Torschütze des Turniers ausgezeichnet.
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Bayer 04-Fans aufgepasst: Beim Heimspiel in der UEFA Champions League gegen den FC Villarreal am 28. Januar (Anstoß: 21 Uhr) haben Werkself-Anhänger die Möglichkeit, das Spiel aus einer anderen Perspektive zu verfolgen. Aufgrund zurückgegebener Kontingente des Gastklubs wird der Auswärts-Stehblock zum Heimbereich. Tickets sind seit Montag, 12. Januar, für Jedermann erhältlich. Alle Infos.
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Ein Überblick über die Ticket-Verkäufe zu den Heim- und Auswärtsspielen der Werkself in allen Wettbewerben.
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