
Bayer 04 musste das Duell gegen die Bayern mit einem echten Handicap angehen: Die Werkself musste auf ihren treffsichersten Akteur verzichten, Kai Havertz fiel gegen die Münchner mit muskulären Problemen auf. Der Nationalspieler, schon im Hinspiel in der Allianz-Arena nicht auf dem Platz, hatte in den vergangenen vier Spielen seit dem Re-Start der Bundesliga fünf Tore erzielt. Insgesamt nahm Chefcoach Peter Bosz vier Veränderungen in seiner Startelf im Vergleich zur Begegnung in Freiburg vor. Edmond Tapsoba, Moussa Diaby, Karim Bellarabi und Lucas Alario ersetzten Jonathan Tah, Daley Sinkgraven. Florian Wirtz und Havertz in der Anfangsformation. Lars Bender fehlte weiterhin, Kevin Volland saß auf der Bank.
Die Ausgangslage war nach der 0:1-Niederlage der Gladbacher am Freitagabend in Freiburg klar: Mit einem Punktgewinn gegen den Rekordmeister würde die Werkself wieder einen Champions-League-Platz einnehmen. Peter Bosz hatte einen mutigen Auftritt der Seinen gegen die Münchner gefordert, ensprechend offensiv waren die beiden hinteren Außenbahnen mit Nadiem Amiri (rechts) und Leon Bailey besetzt. Die Bayern gingen die Sache in der BayArena nach acht Siegen in Serie ebenfalls mit breiter Brust an – der Boden war bereitet für ein hochklassiges und temporeiches Spitzenspiel.
Die Gäste begannen mit erwartet viel Ballbesitz und attackierten früh, derweil Bayer 04 auf stabilen Halt und schnelle Umschaltmomente aus war. Die Leverkusener zeigten schnell, warum sie in den vergangenen Wochen für ihre Effizienz gerühmt wurden: Nach einem Einwurf von Bailey brachte Baumgartlinger den Ball in den Lauf von Lucas Alario, und der Argentinier blieb allein vor Manuel Neuer ganz cool und spitzelte die Kugel ins kurze Eck – 1:0 (10.). Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied zunächst auf Abseits, doch nach Überprüfung durch den Video-Assistenten zählte das Tor. Für Alario war es der siebte Saisontreffer.
Die Werkself, defensiv im 5-2-3 gestaffelt, verdichtete das Zentrum sehr geschickt und erschwerte den Bayern so den aussichtsreichen Weg in den Strafraum. Vor allem Tapsoba eroberte einige Bälle mit bekannter Bärenruhe im Zweikampf. Die Bayern kamen erstmals durch Coman und Lewandowski gefährlich zum Abschluss, allerdings hatte der Franzose im Abseits gestanden (24.). Wenig später indes der Ausgleich: Goretzka eroberte den Ball vor der Mittellinie gegen Diaby und schickte Coman steil, der allein vor Hradecky die Nerven bewahrte und zum 1:1 traf (27.). Einen Freistoß von Kimmich packte sich Lukas Hradecky ebenso sicher (31.) wie Neuer auf der Gegenseite einen Schuss mit rechts von Moussa Diaby (38.).
Glück hingegen für die Hausherren, dass Lewandowski, der Bailey im Rücken entwischt war, einen Volleyschuss aus halbrechter Position klar am langen Eck vorbei setzte (39.). Drei Minuten später jedoch die Führung der Bayern – im Anschluss an einen Leverkusener Eckball folgt ein Konter, an dessen Ende Leon Goretzka mit links von der Strafraumgrenze abzog. Hradecky brachte noch die Finger an den Ball, vermochte ihn aber nicht mehr entscheidend abzuwehren – 1:2 (42.). Und die Bayern legten gierig nach: Zunächst rettete Hradecky noch großartig im Eins-gegen-Eins gegen Gnabry (45.), doch wenig später ließ sich die Werkself-Abwehr von einem langen Ball von Kimmich aus der eigenen Hälfte überraschen, Gnabry ging auf und davon und überwand den weit aus seinem Kasten geeilten Hradecky mit einem Heber zum 1:3 (45.+1), zugleich der Halbzeitstand. Eine halbe Stunde lang lag Bayer 04 hervorragend im Rennen, dann spielten die Münchner ihre ganze Klasse aus.
Peter Bosz reagierte und tauschte zur Halbzeit dreimal: Kerem Demirbay, Wendell und Florian Wirtz kamen für Amiri, Bailey und Bellarabi ins Spiel. Taktisch ging mit diesen Wechseln die Umstellung auf ein 4-2-3-1 einher, mit Dragovic als Rechtsverteidiger. Die erste Gelegenheit nach der Pause gehörte erneut den Bayern, Thomas Müller verzog knapp von der Strafraumgrenze (50.). Auf der anderen Seite kam Lucas Alario aus spitzem Winkel nach Diabys Flanke zum Kopfball, doch Davies bugsierte den Ball mit dem Rücken übers Tor zur Ecke (55.).
Paulinho kam für Baumgartlinger in die Partie und agierte neben Alario als zweite Spitze (62.). Nach einem Solo von Diaby schloss der Franzose überhastet ab und weit drüber (63.). Die besseren Chancen hatten weiter die Bayern, Gnabry verfehlte nur knapp (64.). Kurz darauf zappelte die Kugel erneut im Netz hinter Lukas Hradecky, nach Müllers Flanke traf Lewandowski per Kopf zum 1:4 (66.) – Saisontreffer Nr. 30 für den Münchner Goalgetter. Bosz verhalf Kevin Volland zu seinem Comeback nach überstandenem Syndesmoseriss und zu seinem ersten Einsatz seit dem 20. Februar, der Linksfuß löste Alario ab (75.). Diabys Versuch unter die Latte wischte Neuer über die Latte (78.).
Die Bayern nahmen nun Tempo raus, spielten ihren Stiefel runter und begnügten sich mit der Kontrolle. So kam die Werkself zu deutlich mehr Spielanteilen, schaffte es aber kaum einmal gefährlich vor Neuers Kasten. Hradecky stoppte ein Lewandowski-Solo am ersten Pfosten (86.), auf der anderen Seite fand Diabys Querpass keinen Abnehmer im Strafraum (87.). Dann eine ganz feine Aktion von Florian Wirtz: Der Youngster drehte Hernández im Strafraum ein und traf mit links und einem herrlichen Schlenzer ins lange Eck zum 2:4 (88.), sein erster Bundesliga-Treffer. Wirtz ist damit fortan nicht nur der jüngste Torschütze aller Zeiten von Bayer 04, sondern auch der gesamten Bundesliga-Historie. Mit 17 Jahren und 34 Tagen ist Wirtz genau 48 Tage jünger als der bisherige Rekordhalter Nuri Sahin. Ein schöner Schlusspunkt, wenn auch ohne Wert fürs Resultat.
Für die Werkself geht es mit einer Englischen Woche weiter. Am Dienstag, 9. Juni, bestreitet Bayer 04 um 20.45 Uhr das Halbfinale im DFB-Pokal in Völklingen gegen den 1. FC Saarbrücken. In der Bundesliga folgt danach der 31. Spieltag mit der Partie am Sonntag, 14. Juni, um 18 Uhr bei Schalke 04.
Die Statistik:
Bayer 04: Hradecky – Tapsoba, S. Bender, Dragovic – Amiri (46. Demirbay), Aránguiz, Baumgartlinger (62. Paulinho), Bailey (46. Wendell) – Bellarabi (46. Wirtz), Alario (76. Volland), Diaby
Bayern München: Neuer – Pavard, Boateng, Alaba, Davies (85. Hernández) – Kimmich, Goretzka (74. Martinez) – Coman (66. Perisic), Müller, Gnabry (74. Thiago) – Lewandowski
Tore: 1:0 Alario (10.), 1:1 Coman (27.), 1:2 Goretzka (42.), 1:3 Gnabry (45.+1), 1:4 Lewandowski (66.), 2:4 Wirtz (88.)
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Gelbe Karten: Amiri, Bellarabi, Dragovic – Coman, Lewandowski, Müller


Wie bereits in den Jahren zuvor wurden im Rahmen der Tandem Young Coach-Ausbildung der Scort Foundation in Kooperation mit der Football Club Social Alliance (FCSA) auch 2026 wieder 22 Teilnehmende zu Fußballtrainern für Menschen mit Behinderung ausgebildet. Mit dabei in Karlsruhe war als langjähriger FCSA-Partnerklub auch Bayer 04. Gemeinsam als Tandem durchliefen Personen mit und ohne Behinderung die Ausbildung und lernten so aus unterschiedlichen Perspektiven voneinander. Nach spannenden und lehrreichen Tagen kehrte auch das Leverkusener Duo mit viel neuem Wissen und einem offiziellen Zertifikat zurück unters Kreuz.
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