Mottenkiste: Vor 70 Jahren – 1. Spieltag gegen den späteren Deutschen Meister

Am 22. August 1954 kommen 5.000 Zuschauer zum ersten Spieltag der Saison 1954/55 zur Partie gegen Rot-Weiss Essen ins Stadion am Stadtpark. Bei andauerndem Regen sind auch zahlreiche Fans aus Essen nach Leverkusen gekommen. Das größte Interesse aller gilt dem WM-Helden Helmut Rahn, der Deutschland gerade vor ein paar Wochen mit seinem Tor zum 3:2-Sieg gegen Ungarn zum Weltmeister geschossen hat. Und Trainer Sepp Kretschmar hat einen Plan, um den Nationalspieler zu stoppen. Linker Verteidiger spielt Hans Flohr, immer unterstützt vom linken Läufer Josef Zesar – heute würde man das „Doppeln“ nennen. Kommt Helmut Rahn einmal an Hans Flohr vorbei ist Josef Zesar sofort zur Stelle.
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Auf dem glitschigen Rasen haben sich beide Mannschaften schnell gefunden und es entwickelt sich ein Spiel, das im Zeichen von Kampf und Härte steht. Aber Schiedsrichter Malka aus Herten ist ein konsequenter Leiter und versteht es mit seinen unmissverständlichen Ermahnungen, alle Unfairness im Keim zu ersticken.

In der 18. Minute kann Karl Habets den durchgebrochenen Essener Franz Islacker nur durch eine Notbremse stoppen, was damals noch keine Rote Karte zur Folge hat. Den fälligen Elfmeter schießt der Essener Sturmführer August Gottschalk neben das Tor. Bis zur Pause haben beide Mannschaften die eine oder andere Torchance, aber es bleibt beim 0:0. Nach dem Wechsel beginnen die Essener mit mehr Angriffsschwung und zwingen Bayer 04-Torhüter Fredy Mutz zu mehreren guten Paraden. Die Werkself kann sich unter der Anfeuerung ihrer Fans durch beherzte Gegenangriffe aus der Essener Umklammerung befreien. In der 69. Minute schließt sie einen dieser Angriffe mit dem Führungstreffer ab: Der Neuzugang Leo Bering wird von Horst Schultz im Strafraum bedient und schießt aus 14 Metern entschlossen zum 1:0 ein. Bis kurz vor Schluss werden alle Chancen der Rot-Weissen von der Abwehr um Peter Röger vereitelt. Aber dann köpft der Essener Franz Islacker eine Flanke seines Stürmerkollegen Berni Termath ins Bayer 04-Netz und das Spiel endet mit einem 1:1.

Zehn Monate später wird Rot-Weiss Essen durch einen 4:3-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister. Jener Franz Islacker schießt, obwohl er sich ab der 70. Minute nach einer Knieverletzung nur noch humpelnd über den Platz bewegt, in der 85. Minute das entscheidende 4:3.

Die Werkself spielt ihre bisher stärkste Saison in der Oberliga West, wird am Ende dritter und scheitert nur ganz knapp an der Qualifikation zu den Spielen um die Deutsche Meisterschaft.

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