Mottenkiste: Vor 65 Jahren – Pokal-Sensation in Schlebusch

Am 23. Oktober 1960 kommt es im DFB-Pokal, für den man sich damals über die Pokalwettbewerbe der Regionalverbände qualifizieren musste, zu einem mit Spannung erwarteten Lokalderby: Der SV Schlebusch empfängt die Werkself von Bayer 04 Leverkusen. Rund 2.000 Zuschauer strömen ins Stadion „Am Bühl“ und verfolgen gebannt den Anpfiff um 15 Uhr.
Bayer 04 1960/61

Bayer-Trainer Erich Garske verzichtet auf einige Stammkräfte und setzt stattdessen auf Spieler aus der zweiten Reihe sowie der Amateurmannschaft. Ohne Leistungsträger wie Stammtorhüter Fredy Mutz, die Zwillingsbrüder Karl und Martin Gramminger sowie Werner Torner und Hans-Otto Peters gerät die Werkself früh unter Druck.

In der 11. Minute bringt Horst Maier die Schwarz-Gelben verdient mit 1:0 in Führung. Zwar gelingt Reiner Arenz in der 20. Minute der Ausgleich für Bayer 04, doch noch vor der Pause stellt Schlebuschs Rechtsaußen Johann Stahlberg den alten Abstand wieder her – 2:1 für den Außenseiter.

Nach dem Seitenwechsel erhöht der SV Schlebusch in der 54. Minute gar auf 3:1. Die Werkself übernimmt nun zwar das Kommando und erarbeitet sich mehrere Chancen, scheitert jedoch entweder an der kompromisslosen Abwehr um Matthias Valentin – einem früheren langjährigen Schiedsrichterbetreuer von Bayer 04 – oder am überragenden Torwart Werner Steilen.

Steilen, ein ehemaliger Jugendspieler von Bayer 04, der in den 1950er-Jahren sogar eine Einladung zur DFB-Jugendnationalmannschaft erhalten hatte, wächst in diesem Spiel buchstäblich über sich hinaus. In der Saison 1955/56 hatte er in der Oberliga West dreimal für den verletzten Fredy Mutz zwischen den Pfosten gestanden, ansonsten jedoch überwiegend für die Amateurmannschaft gespielt. Nun aber glänzt er gegen seine alten Kollegen – unter anderem mit Paraden gegen Heinz Höher und Werner Röhrig – und sichert seinem Team den sensationellen Erfolg.

Nach dem Schlusspfiff gibt es kein Halten mehr: Der SV Schlebusch wird frenetisch gefeiert, der kleine Verein hat den großen Nachbarn niedergerungen. Zwar ist in der nächsten Pokalrunde gegen den 1. FC Köln Endstation – die Geißböcke setzen sich klar mit 4:0 durch –, doch der historische Sieg gegen Bayer 04 bleibt im Stadtteil unvergessen.

Und: Acht Jahre später, im Jahr 1968, gelingt dem SV Schlebusch ein ähnlicher Coup noch einmal. Sie schlagen den Regionalliga West-Meister mit 1:0 und schmeißen die Werkself aus dem Pokal.

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