Mottenkiste: Vor 65 Jahren – Endlich wieder ein Sieg

Als die Bayer 04-Fußballer 1960 Weihnachten feiern, überwintern sie mit 20:10 Punkten auf dem zweiten Platz der 2. Oberliga West – allerdings bereits mit fünf Zählern Rückstand auf Spitzenreiter Schwarz-Weiß Essen. Doch im neuen Jahr findet die Mannschaft von Trainer Erich Garske nur schwer in die Spur. Auf ein torloses Remis gegen den Bonner FV im heimischen Ulrich-Haberland-Stadion folgt eine 1:2-Auswärtsniederlage in Erkenschwick. Auch das darauffolgende Heimspiel bringt nur einen Punkt ein. Die Aufstiegsambitionen schrumpfen damit auf ein Minimum, denn der Rückstand auf den begehrten Platz ist inzwischen auf beachtliche zehn Punkte angewachsen.
Horst Stollenwerk im Februar 1961

Am 19. Februar 1961 laufen im Ulrich-Haberland-Stadion gleich sechs Eigengewächse auf: In Werner Röhrig, Egon Rosinski, Helmut Weber, Horst Stollenwerk, Heinz Höher und Günther Haarmann stehen gleich ein halbes Dutzend Spieler in der Startelf, die schon in der Jugend bei Bayer 04 gespielt haben. Hinter ihnen steht der langjährige Stammtorhüter Fredi Mutz. Verstärkt wird dieses junge Gerüst von Klaus Niemuth, Werner Torner und Uwe Klimaschefski, die im Sommer 1960 gemeinsam mit Trainer Garske aus Bremerhaven gekommen waren. Der elfte Mann ist Hans-Otto Peters, der sich im selben Sommer aus Solingen dem Bayer-Kader angeschlossen hat.

Besonders der Leverkusener Heinz Höher und Uwe Klimaschefski sollten später sowohl als Spieler wie auch als Trainer in der Bundesliga Spuren hinterlassen.

Günther Haarmann unaufhaltsam

An diesem Februartag gastiert der VfB Bottrop in Leverkusen – und die 2.500 Zuschauer erleben von Beginn an eine Werkself, die endlich wieder um jeden Meter kämpft, über die Außen Druck macht und aus allen Lagen den Abschluss sucht. Drei Tugenden, die man in den vergangenen Wochen schmerzlich vermisst hatte. Doch der herausragende Bottroper Torhüter durchkreuzt zunächst sämtliche Bemühungen. Er wächst über sich hinaus, pariert mehrfach glänzend und verdient sich sogar Szenenapplaus der Leverkusener Fans. In der ersten Halbzeit brennt es mehrfach im Strafraum der Gäste, doch die Abschlüsse von Klimaschefski, Peters und Haarmann – der diesmal im Zentrum stürmt – finden nicht den Weg über die Linie. So geht es mit einem 0:0 in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel müssen die Bayer 04-Anhänger geduldig bleiben, ehe der Bann bricht. In der 69. Minute kombiniert sich die Werkself über Horst Stollenwerk und Günther Haarmann nach vorn. Haarmann bekommt den Ball, nimmt drei Schritte Anlauf und jagt ihn schließlich zum erlösenden 1:0 ins Netz. Nun wirft Bottrop alles nach vorne, doch die Gäste kommen nicht gefährlich in den Strafraum – und Bayer-Keeper Mutz ist aus der Distanz ohnehin nur selten zu überwinden.

Die Entscheidung fällt in der 82. Minute: Erneut ist es Günther Haarmann, der sich an der Mittellinie den Ball schnappt, ungehindert Tempo aufnimmt, kurz vor dem Strafraum zwei Bottroper ausspielt und am herausstürmenden Torhüter vorbei zum 2:0 vollendet. Selbst Trainer Erich Garske, der zuvor so oft fassungslos die vertanen Chancen beklagt hatte, reißt nun jubelnd die Arme in die Höhe und spendet für die starke Einzelleistung begeistert Applaus. Die Gäste geben sich geschlagen, und die Werkself fährt endlich wieder einen verdienten Sieg ein.

Am Saisonende landet Bayer 04 zwar „nur“ auf dem dritten Tabellenplatz, doch gerade diese Mannschaft bildet den Grundstock für die starke Werkself der folgenden Spielzeit – jene Elf, die 1962 die Meisterschaft in der 2. Oberliga West gewinnen und damit den Aufstieg in die 1. Oberliga West perfekt machen sollte.

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