
Nach sieben sieglosen Spielen soll in Dortmund vor 19.000 Zuschauern der Bock umgestoßen werden. Aber Bayer 04 gerät früh in Rückstand, denn schon in der zweiten Minute schießen die Borussen das 1:0. In der nächsten Viertelstunde spielen sich die Gastgeber in einen Rausch, erzielen 10:0 Ecken und scheitern vor allem an Bayer 04-Torhüter Fred Bockholt, dem alleine es zu verdanken ist, dass die Werkself mit nur einem Gegentreffer in die Halbzeitpause geht.
In der zweiten Hälfte geht es dann schnell. Ein Doppelschlag in der 55. und 56. Minute bringt die frühzeitige Entscheidung. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gibt sich die Mannschaft von Trainer Manfred Rummel auf. Nach einer Stunde steht es 4:0 und als dann Hans-Werner Marx in der 65. Minute bei einem Abwehrversuch den Ball ins eigene Tor schießt, sehnen alle nur noch den Abpfiff herbei. Am Ende stehen sieben Gegentore und die bis heute höchste Niederlage in einem Bundesligaspiel, auch wenn es „nur“ in der 2. Bundesliga ist. Überhaupt hat eine Bayer 04-Mannschaft in der Historie in einem Punktspiel nach dem Zweiten Weltkrieg erst einmal höher verloren. Am 1. Spieltag der Saison 1952/53 gibt es eine deftige 1:8-Niederlage bei Rot-Weiss Essen. Allerdings beendete die Werkself damals das Spiel nur mit neun gesunden Spielern, denn schon in der ersten Halbzeit verletzten sich zwei Spieler so stark, dass sie nicht mehr am Spiel teilnehmen konnten. Und da noch keine Auswechselungen möglich waren, musste Bayer 04 das Spiel zu neunt beenden.
Nach dem Debakel im Dezember 1975 sind Manager Hermann Büchel und Trainer Manfred Rummel bedient und drohen mit der „harten Welle“. Frohe Weihnachten kann man den Spielern der Werkself angesichts dieser deftigen Niederlage nur schwer wünschen. Erstmals in adidas-Trikots spielend lässt die Werkself alles vermissen, was Profifußball ausmacht. Nach acht Spielen ohne Sieg und teilweise miserablen Leistungen ist es laut dem Leverkusener Stadtanzeiger „ein glatter Witz, das künftige Saisonziel einen Mittelplatz zu nennen. Wer jetzt noch nicht erkannt hat, dass man mit derartiger Fußballkost, wie sie in den letzten Wochen geboten wurde, nicht zuversichtlich ins neue Jahr, sondern geradewegs ins Amateurlager rutscht, der geht meilenweit an den Realitäten vorbei.“
In einem der schlechtesten Spiele der Bayer 04-Historie schreibt die Werkself mit den sieben Gegentoren also durchaus Geschichte. Am Ende der Saison reicht es gerade so zum Klassenerhalt. Zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz beendet Bayer 04 die Saison auf Rang 15 der Tabelle, doch der Trainer für eine goldene Zukunft ist mit Willibert Kremer schon da. Nach Platz 10 1976/77 und Platz 8 1977/78 gelingt mit ihm 1979 der große Wurf – der Bundesligaaufstieg.

Jacek Krzynowek wird am 15. Mai 1976 im polnischen Kamiensk geboren und wächst als typischer Junge vom Land auf. Seine Kindheit verbringt er weniger in strukturierten Trainingseinheiten als vielmehr auf einfachen Bolzplätzen, auf denen er stundenlang mit älteren Jungs spielt. Schon früh fällt auf, dass er über eine außergewöhnliche Schusskraft und enorme Laufstärke verfügt. Doch lange ist ihm selbst nicht bewusst, welches Talent in ihm steckt. Während andere von einer großen Karriere träumen, scheint der Profifußball für ihn zunächst eine ferne Welt zu sein, die er nur aus dem Fernsehen kennt.
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Carsten „Calle“ Ramelow wird am 20. März 1974 in Berlin geboren. Seine Fußballkarriere startet er in der Jugend von Tasmania 73, Tennis Borussia, SC Siemensstadt und zu guter Letzt Hertha BSC. Hier feiert er auch 1993 mit der Mannschaft der Hertha-Bubis, der Amateurmannschaft von Hertha BSC, den Einzug ins DFB-Pokalfinale gegen seinen späteren Arbeitgeber Bayer 04 Leverkusen. Aber auch er kann den 1:0-Sieg der Werkself durch ein Tor von Ulf Kirsten nicht verhindern.
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Die Saison 1995/1996 bringt einige Neuerungen. Erstmals bekommt jeder Spieler seine feste Rückennummer und sein Name steht hinten mit auf dem Trikot. Erstmals darf der Trainer dreimal auswechseln und auch erstmals gibt es drei Punkte für einen Sieg. Und erstmals bin ich nicht mehr die Nummer 1 meiner Mannschaft. Ich trage sie zwar auf dem Rücken, aber im Tor hat mir Dirk Heinen den Rang abgelaufen. So sitze ich anfangs etwas beleidigt auf der Reservebank, aber in der Rückrunde dieser Saison merke ich, dass auch ich meinen Beitrag zum Erfolg einer Mannschaft leisten muss.
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Im Video seht ihr eindrucksvolle und wichtige Tore der Bayer 04-Geschichte aus dem Monat Mai. Es geht dabei nicht immer um die Schönheit der Tore, sondern es sollen euch auch besondere Spiele und Spieler in Erinnerung gerufen werden.
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Zum letzten Spiel der erfolgreichen Saison begrüßt der Oberliga-West-Aufsteiger Bayer 04 Leverkusen den VfL 99 Köln. Die diesmal nur 2.000 Zuschauer sehen eher ein Freundschafts- denn ein Meisterschaftsspiel. Wenig Kampf, wenig Torraumszenen und wenige Kombinationen im Mittelfeld, die das Herz der Besucher erwärmen. Und so muss eine Ecke zur Bayer 04-Führung herhalten. Peter Röger ist mit dem Kopf zur Stelle und nickt in der 43. Minute zur Halbzeitführung ein. Als dann eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff Karl-Heinz Spikofski auf 2:0 erhöht, ist die Entscheidung gefallen. In der letzten Minute können die Kölner noch auf 1:2 verkürzen, aber am Ende gehen die Zuschauer mit Vorfreude auf die erste Saison einer Bayer 04-Mannschaft in der 1. Oberliga West nach Hause.
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