Mottenkiste: Vor 50 Jahren – Debakel in Dortmund

Vier Tage vor Weihnachten 1975 muss die Werkself am 18. Spieltag der 2. Bundesliga Nord beim Tabellenführer Borussia Dortmund im Westfalenstadion antreten. Als Aufsteiger ist die Werkself recht gut in die Saison gestartet, verliert aber zunehmend an Boden und steht vor dem Spiel nur drei Punkte vor einem Abstiegsplatz.
22. Dezember 1975

Nach sieben sieglosen Spielen soll in Dortmund vor 19.000 Zuschauern der Bock umgestoßen werden. Aber Bayer 04 gerät früh in Rückstand, denn schon in der zweiten Minute schießen die Borussen das 1:0. In der nächsten Viertelstunde spielen sich die Gastgeber in einen Rausch, erzielen 10:0 Ecken und scheitern vor allem an Bayer 04-Torhüter Fred Bockholt, dem alleine es zu verdanken ist, dass die Werkself mit nur einem Gegentreffer in die Halbzeitpause geht.

In der zweiten Hälfte geht es dann schnell. Ein Doppelschlag in der 55. und 56. Minute bringt die frühzeitige Entscheidung. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gibt sich die Mannschaft von Trainer Manfred Rummel auf. Nach einer Stunde steht es 4:0 und als dann Hans-Werner Marx in der 65. Minute bei einem Abwehrversuch den Ball ins eigene Tor schießt, sehnen alle nur noch den Abpfiff herbei. Am Ende stehen sieben Gegentore und die bis heute höchste Niederlage in einem Bundesligaspiel, auch wenn es „nur“ in der 2. Bundesliga ist. Überhaupt hat eine Bayer 04-Mannschaft in der Historie in einem Punktspiel nach dem Zweiten Weltkrieg erst einmal höher verloren. Am 1. Spieltag der Saison 1952/53 gibt es eine deftige 1:8-Niederlage bei Rot-Weiss Essen. Allerdings beendete die Werkself damals das Spiel nur mit neun gesunden Spielern, denn schon in der ersten Halbzeit verletzten sich zwei Spieler so stark, dass sie nicht mehr am Spiel teilnehmen konnten. Und da noch keine Auswechselungen möglich waren, musste Bayer 04 das Spiel zu neunt beenden.

Mit Ach und Krach die Klasse gehalten

Nach dem Debakel im Dezember 1975 sind Manager Hermann Büchel und Trainer Manfred Rummel bedient und drohen mit der „harten Welle“. Frohe Weihnachten kann man den Spielern der Werkself angesichts dieser deftigen Niederlage nur schwer wünschen. Erstmals in adidas-Trikots spielend lässt die Werkself alles vermissen, was Profifußball ausmacht. Nach acht Spielen ohne Sieg und teilweise miserablen Leistungen ist es laut dem Leverkusener Stadtanzeiger „ein glatter Witz, das künftige Saisonziel einen Mittelplatz zu nennen. Wer jetzt noch nicht erkannt hat, dass man mit derartiger Fußballkost, wie sie in den letzten Wochen geboten wurde, nicht zuversichtlich ins neue Jahr, sondern geradewegs ins Amateurlager rutscht, der geht meilenweit an den Realitäten vorbei.“

In einem der schlechtesten Spiele der Bayer 04-Historie schreibt die Werkself mit den sieben Gegentoren also durchaus Geschichte. Am Ende der Saison reicht es gerade so zum Klassenerhalt. Zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz beendet Bayer 04 die Saison auf Rang 15 der Tabelle, doch der Trainer für eine goldene Zukunft ist mit Willibert Kremer schon da. Nach Platz 10 1976/77 und Platz 8 1977/78 gelingt mit ihm 1979 der große Wurf – der Bundesligaaufstieg.

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