Mottenkiste: Vor 105 Jahren – 21. September 1919, 16 Uhr

An diesem Tag fand das Punktspiel oder Meisterschafts-Fußballwettspiel, wie es zu der Zeit hieß, des TuS 04 Leverkusen, zu dem die Fußballabteilung des späteren Bayer 04 Leverkusen noch gehörte, auf dem Platz an der Dhünn statt.
Mannschaftsfoto 1920/21

Der lag damals auf dem Gelände des heutigen Neulandparks. Die Spieler beider Mannschaften zogen sich in den Umkleidekabinen des Erholungshauses um und spazierten dann zum Fußballfeld. Der Eintritt kostete 50 Pfennig für Erwachsene und 30 Pfennig für Schüler und wer sonst nichts vorhatte, konnte sich die Paarung der dritten Mannschaften um 14 Uhr auch schon anschauen. Also: An Warmmachen oder Einspielen auf dem Platz war für die ersten Mannschaften des TuS 04 und seinem Gegner, dem Rasensportverein Urbach, einem kleinen Dorf in der Nähe von Köln, nicht zu denken. Eine Woche nach dem Spiel berichtete der General-Anzeiger von diesem Wettkampf:

„Am vergangenen Sonntag fanden sich obige Mannschaften zum fälligen Meisterschaftsspiel auf dem Sportplatz an der Dhünn ein. Punkt 4 Uhr stellten sich beide Mannschaften dem Schiedsrichter. Leverkusen in neuer Aufstellung spielt zunächst gegen den Wind. Gleich nisten sich die Schwarzroten am gegnerischen Tore fest. Der Torwart und die Verteidiger bekommen harte Arbeit, aber mit viel Geschick wird der Ball immer wieder aus der gefährlichen Nähe des Tores gebracht. Allmählich kommt auch Urbach in Schwung. Aber die wuchtigen Angriffe zerschellen an der guten Leverkusener Verteidigung, in der Bartsch heute Hervorragendes leistet. Torlos werden die Seiten gewechselt.

Nach der Halbzeit übernehmen die Schwarzroten vollends die Führung, ein Erfolg bleibt ihnen aber vorläufig versagt. Da – in der 26. Minute vor Schluss – erhält Bönnen eine gute Vorlage, wird aber behindert. Der nachfolgende Elfmeterball wird glatt verwandelt. Urbach versucht nun, mit aller Kraft gleichzuziehen. Ihr Linksaußen zieht immer und immer wieder den Sturm nach vorne. Zehn Minuten vor Schluss macht Koll im Gedränge dicht am Tor Hand. Elfmeter.

Die Zuschauer sind auf das Höchste gespannt. Der stark einsetzende Regen vermag sie auch nicht vom Platze zu bringen. Der Elfmeter aber wird glatt darüber geschossen. „Ein neuer Elfmeter!“ entscheidet der Schiedsrichter, weil angeblich die 16-Meter-Linie zu früh überschritten wurde. Die Spannung beim Publikum wächst noch mehr. Der Schuss fällt, doch Nagelschmidt hält unter ungeheurem Beifall. Bald darauf trennt der Unparteiische die beiden Mannschaften. Es war ein Kampf, in dem die bessere Mannschaft siegte.“

Die vom Reporter genannten Spieler Richard Bartsch, Josef Bönnen und Torhüter Peter Nagelschmidt sind die Stützen der „Werkself“ nach dem 1. Weltkrieg. Richard Bartsch ist lange Jahre Spielführer der Fußballer des TuS 04, ist ein erfolgreicher Torschütze und Spielgestalter und seinen Gegnern auch physisch überlegen. Aufgrund seiner Größe gilt er in unserer Region auch als Fußballkoloss.

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