Mottenkiste: Vor 100 Jahren – Zeitungsbericht eines Punktspiels

Am 15. November 1925 spielte der FV 04 Leverkusen, der 1923 aus seinem Mutterverein TuS 04 Leverkusen hervorgegangen war und der Vorgängerverein unserer heutigen Bayer 04 Leverkusen ist, gegen den Kölner Fußballverein Jugend Kalk. Das Spiel endete 2:2 und ist auch nicht von großer Bedeutung, aber der originale Zeitungsbericht ist lesenswert:
1923

„Das Eckenverhältnis des gestrigen Spieles – 10:2 für Kalk – spricht Bände, gestattet erst eine einwandfreie Betrachtung dieses Meisterschaftsspieles von sehr zweifelhafter Meisterschaft. Die Wertungsskala der Leverkusener Mannschaft: Torhüter: vorzüglich, Verteidigung: zufriedenstellend, Läuferreihe: schwach, Sturm: des Sängers oder vielmehr des Berichterstatters Höflichkeit decke den Mantel der Nächstenliebe über die Tätigkeit der ersten Fünf.“

Aber der Berichterstatter, wie er sich selber nennt, hat lobende Worte für den Schiedsrichter:

„Der 23. Mann auf dem Felde, der Schiedsrichter, leitete mit herzerfrischender Klarheit und Unbestechlichkeit. Er verstand sein Metier und behielt das Spiel von Anfang bis Ende fest in der Hand. Mehr als einmal ging das Gespenst der Platzverweisung durch die Spielerreihen und auch die Zuschauermenge, die zeitweise lebhaft assistierte, bekam den festen Willen des Spielleiters zu verspüren. In der Mitte der zweiten Halbzeit fühlten sich zwei der Leverkusener Zaungäste angeregt, einen Zwischenakt im Boxen und Ringen einzuschlagen. Der Schiedsrichter brachte diesem Match Verständnis entgegen durch Unterbrechung des Spieles. Über den Ausgang sagen wir ruhig Keilerei, war positives nichts zu erfahren.“

Die Schwarz-Roten erwischten einen rabenschwarzen Tag und „ihre schon oft bewiesene Schussunfähigkeit machte sich auch wieder bemerkbar. Die Elf war völlig kopflos und je mehr die Zuschauer sich bemühten durch wohlmeinende Zurufe und Ratschläge oder weniger wohlmeinende Kritiken etwas Schwung hineinzubringen, desto unsicherer und gleichgültiger schienen die Spieler zu werden.“

Nach dem Rückstand zur Pause konnte die Werkself überraschend durch zwei Tore ihres Stürmers Josef Bönnen, der seine „Schussunfähigkeit“ wohl mal kurzzeitig vergessen hatte, in Führung gehen, doch nach dem Ausgleich „bekam der Torhüter Leverkusens ungewöhnlich reiche Arbeit, hielt aber die schwierigsten Sachen. Ihm allein verdanken die Heimischen das Unentschieden.“

Fazit: „Leverkusen bereitete seinen Anhängern eine Enttäuschung und der erzielte halbe Erfolg ist ein glücklicher zu nennen.“

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