Geschichte: Vor 75 Jahren – Die Saison 1950/51 (Januar)

Nach dem Übergang ins Jahr 1951 muss die Werkself am 1. Januar direkt wieder ran. Nachmittags um 14.30 Uhr tummeln sich 3.000 Fußballfans auf dem Platz Am Stadtpark. Gegner ist der Oberligist Preußen Dellbrück. Wenn man bedenkt, dass der Schneeboden glatt war, dass einzelne Spieler am Vortag schon im Einsatz waren und dass auch Vertragsspieler Silvester feiern, dann ist der 2:1-Erfolg mehr als beachtlich. Vor allem das zweite Tor lässt Kenner mit der Zunge schnalzen. Vom rechten Verteidiger Jakob Kaiser wandert der Ball flach zu Rechtsaußen Theo Kirchberg, der in die Mitte zu Richard Job spielt und dieser setzt, nach einer geschickten Körpertäuschung, Linksaußen Paul Wiorek ein. Mit einem flachen Schuss erzielt der das 2:1, ohne eine Ballberührung der Kölner. Gut vorbereitet erwartet der Tabellenführer der 2. Oberliga West ein paar Tage später die SG Düren 99.
Mannschaftsfoto 1950

Knappe Niederlage gegen Düren

Vor 3.448 Zuschauern im Stadion Am Stadtpark entwickelt sich in der ersten Halbzeit ein sehr abwechslungsreiches Spiel, denn die Dürener können immer wieder aus einer dichten Abwehr kontern. So geht die Werkself zwar durch Karl-Heinz Spikofski in der 2. Minute in Führung, muss jedoch schon sieben Minuten später den Ausgleich hinnehmen. Nach 18 Minuten erzielt Paul Wiorek die erneute Führung, aber vor der Pause schlagen die Gäste noch zweimal zu – Bayer 04 geht mit einem überraschenden Rückstand in die Pause.

In der zweiten Halbzeit Sturm auf ein Tor. Immer wieder ergeben sich für die Werkself große Torchancen, doch entweder scheitern die Stürmer an Pfosten, Latte und dem gegnerischen Torhüter oder aber zielen vorbei. Tore wollen bis zum Ende nicht mehr gelingen. Diese 2:3-Niederlage wirft die Werkself nicht zurück, denn die beiden direkten Kontrahenten aus Bergisch Gladbach und von Rapid Köln verlieren ihre Spiele ebenfalls, sodass Bayer 04 weiterhin mit zwei Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze steht.

Grosse Unterstützung im Sportpark Höhenberg

Das nächste Spiel führt die Werkself zum direkten Kontrahenten Rapid Köln. Die Mannschaft von Rapid hat ihre Heimspielstätte im Sportpark Höhenberg. Begleitet von knapp 3.000 Werkself-Fans, die sich mit allen möglichen Fahrgelegenheiten nach Mülheim auf den Weg machen, will Bayer 04 den Zwei-Punkte-Vorsprung behalten, ihn bestenfalls mit einem Sieg sogar ausbauen. Als die Werkself-Kicker den Rasen betreten, werden sie von großen schwarz-roten Fahnen, kleinen Wimpeln, Trompetenstößen, Kuhglocken und stimmgewaltigen Schlachtenbummlern empfangen.

Vor insgesamt 8.000 Zuschauern steht es zur Pause 0:0, obwohl Bayer 04, angeführt von Regisseur Richard Job, von Beginn an auf Sieg spielt. Aber die Gäste vergeben sehr viele Torchancen. Erst in der zweiten Halbzeit gelingt durch Karl-Heinz Spikofski in der 48. Minute der Führungstreffer. Als dann elf Minuten später Hans Flohr auf 2:0 erhöht, feiern die Bayer 04-Anhänger ausgiebig. Es kommt nochmal Spannung auf, als die Kölner in der 80. Minute durch einen recht zweifelhaften Elfmeter auf 1:2 verkürzen können, aber die Werkself rettet die Führung über die Zeit und hat einen direkten Kontrahenten auf Distanz gehalten. Nach dem Schlusspfiff stürmen hunderte Bayer 04-Fans den Rasen und tragen ihre Helden vom Platz.

Am 18. Spieltag kommt die seit elf Partien ungeschlagene TSG Vohwinkel 80 in den Stadtpark. Der Bayer-Platz ist mit 4.000 Zuschauern sehr gut gefüllt, die ihr Kommen nicht bereuen. Die Werkself muss alle Kraft aufbieten, um den Gegner niederzuringen. Erst in der zweiten Halbzeit fallen die Tore. Mannschaftskapitän Hans Frömmel gelingt mit einem seiner seltenen Tore für Bayer 04 nach einem Freistoß von Richard Job in der 52. Minute die Führung. Als dann eine halbe Stunde später Karl-Heinz Spikofski Mittelstürmer Emil Becks freispielt, fällt das entscheidende und für alle erlösende 2:0. Erst in der 89. Minute erzielen die Vohwinkler den Anschlusstreffer. Und da auch Bergisch Gladbach sein Spiel gewinnt, schaut alles gespannt auf den nächsten Sonntag, wenn es gegen die zwei Punkte hinter Bayer 04 auf Platz 2 stehende SV Bergisch Gladbach 09 geht.

Spektakel gegen Bergisch Gladbach

Eine solche Zuschauermenge hat der Gladbacher Platz Am Kradepohl wohl selten gesehen. 8.000 fußballbegeisterte Menschen feuern ihre jeweilige Mannschaft mit Pauken, Trommeln und Trompeten an. Und die Geschehnisse steigern sich ins Dramatische. Schon in der 16. Minute setzt sich der Halbrechte Karl-Heinz Spikofski über rechts durch und zieht den Ball scharf an die Strafraumgrenze, wo der weit aufgerückte rechte Läufer Hans Frömmel sein zweites Tor innerhalb von zwei Wochen erzielt. Diese Führung hat eine Viertelstunde Bestand, dann gelingt den 09ern der Ausgleich. Bayer 04-Keeper Helmut Rennen kann den durch ein Handspiel von Karl-Heinz Spikofski verursachten Elfmeter zwar abwehren, aber den direkten Nachschuss muss er passieren lassen. Bis zur Halbzeit kann Bergisch Gladbach eine leichte Überlegenheit herausspielen, aber es bleibt beim 1:1.

Nach Wiederbeginn kommt die Werkself direkt gut ins Spiel. In der 55. Minute verwandelt Richard Job einen Elfmeter sicher, aber schon eine Minute später gleichen die Gladbacher wieder aus. Die Spannung wächst und damit die allgemeine Nervosität, die leider auch zu einigen Unsportlichkeiten führt. Ein Bergisch Gladbacher Spieler wird nach einer unschönen Szene des Platzes verwiesen. Auch Bayer 04-Mittelstürmer Emil Becks hat sich nicht im Griff und folgt dem Gladbacher einige Minuten später in Richtung Kabine. Ein Alleingang von Paul Wiorek bringt dann in der 68. Minute die vielumjubelte erneute 3:2-Führung für Bayer 04. Die letzten zwanzig Minuten gehören der Werkself, deren Kombinationsmaschine läuft. Der Gastgeber kann sich bei seinem Keeper bedanken, dass es bis zum Ende bei diesem Ergebnis bleibt. Mit vier Punkten Vorsprung steht Bayer 04 Ende Januar weiterhin an der Tabellenspitze der 2. Oberliga West.

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