Geschichte: Vor 50 Jahren – Aufstiegssaison 1974/75 (März)

Am 2. März 1975 ist der SV Baesweiler zu Gast im Ulrich-Haberland-Stadion. Mit dem 2:1-Sieg vor 1.600 Zuschauern nimmt die Werkself zwar Revanche für die Hinspiel-Niederlage, aber das Beste an diesem Spiel sind allein die zwei Punkte. Zu überzeugen wissen die Leverkusener gegen die kampfstarken Gäste nicht. Eigentlich sieht es nach dem frühen Führungstreffer durch Matthias Hemmersbach in der 8. Minute recht gut aus, aber die Werkself übertreibt es immer wieder mit Einzelaktionen. Insgesamt ist Bayer 04 in der ersten Halbzeit feldüberlegen. Und direkt nach der Pause gelingt durch einen Kopfball von Peter Surbach das 2:0, aber auf einmal läuft gar nichts mehr zusammen. Baesweiler erzielt nach einer Stunde den Anschlusstreffer und berennt das von Hubert Makel diesmal glänzend gehütete Tor. Ihm ist es am Ende zu verdanken, dass es beim 2:1-Sieg bleibt.
Aufstiegssaison 1974/75 (März)

Eine Woche später bei der DJK Westwacht Aachen erspielt sich Bayer 04 einen Punkt, den sechsten im sechsten Auswärtsspiel. Die Tore von Peter Surbach und Matthias Brücken zur jeweiligen Führung reichen einer mit zunehmender Spieldauer abbauenden Werkself zum Remis.  Kondition ist in den letzten Partien nicht unbedingt die Stärke der Schwarz-Roten. Allerdings kann dies den Gesamteindruck der Bayer 04-Mannschaft nicht trüben. Da Kontrahent SC Jülich 10 in Langerwehe mit 0:2 verliert, steht die Werkself jetzt alleine an der Tabellenspitze der Verbandsliga Mittelrhein.

Am 16. März 1975 kommt Frechen 20 nach Leverkusen. Die abstiegsbedrohten Frechener liefern der Werkself einen großen Kampf. Die Gastgeber beginnen, als wenn sie den Gegner überrennen wollten. Schon in der 6. Minute gelingt Torjäger Matthias Brücken das 1:0. Die folgenden Torchancen bleiben aber alle durchweg ungenutzt. Unverständlich dann wieder der konditionelle Abbau in der zweiten Halbzeit. Schon in der 50. Minute fällt der Ausgleich, die Werkself wirkt wie gelähmt. Die Spieler verkrampfen und am Ende steht ein 1:1. Fußball-Obmann Hermann Büchel findet klare Worte: „Das war kein Pech, sondern reines Unvermögen“, diktiert er den Journalisten ins Notizbuch. Trainer Manfred Rummel besitzt zwar weiterhin das Vertrauen des Vorstandes und auch der Spieler, doch die Kritik wird immer lauter. Unter der Hand wird gemunkelt, dass der Trainer entmachtet wird und über die Aufstellungen nicht mehr alleine entscheiden kann. Dass etliche Bayer-Spieler in den vorangegangenen Wochen trotz Grippe und anderer nachteiliger Begleitumstände eingesetzt werden mussten und deshalb hinter den gewohnten Leistungen zurückbleiben, zählt für Obmann Hermann Büchel nicht. „Beim nächsten Auswärtsspiel in Langerwehe muss eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen“ fordert er.

Aufstiegssaison 1974/75 (März)

Beim TuS Langerwehe steht also das Schicksalsspiel für Trainer Manfred Rummel an und die Mannschaft spielt und kämpft vor allem für ihren Trainer. Richtig eingestellt hält sich der Tabellenführer aus Leverkusen an die Anweisungen seines Trainers. Dauernd in Bewegung und unermüdlich im Einsatz, den Gegner früh störend und bei Ballgewinn schnell umschaltend, das sind die Pluspunkte einer klar verbesserten Werkself. Nach einem Foul an Matthias Brücken kann Willi Rehbach den fälligen Elfmeter in der 28. Minute souverän verwandeln. Als dann Peter Surbach in der 51. Minute das 2:0 nachlegt, verteidigt die Werkself die Führung mit großem kämpferischen Einsatz und einem Torhüter Hubert Makel in Glanzform. Als dann auch noch die Punktverluste der Verfolger Bonner SC, SC Brühl und vor allem Jülich 10 bekanntwerden, ist die Freude um die Leistungssteigerung umso größer. Voller Zuversicht blickt die Werkself auf das nächste Heimspiel am Ostersamstag gegen den Bonner SC.

Der direkte Kontrahent von Bayer 04 startet sehr gut in dieses von 2.400 Zuschauern besuchte Spiel. Mit gefährlichen Kontern bringen die Hauptstädter die Werkself das ein und andere Mal in arge Bedrängnis und gehen nicht unverdient in der 25. Minute in Führung. Danach allerdings drängt Bayer 04 auf den Ausgleich und erzielt diesen quasi mit dem Pausenpfiff. Mal wieder ist Matthias Brücken der Torschütze. Nach einem Freistoß von Gerd Kentschke köpft er den Ball ins Bonner Netz.

Nach der Pause spielt die Werkself wesentlich druckvoller, weiträumiger und durchdachter. Die Belohnung folgt in der 60. Minute: Eine Maßvorlage von Gerd Kentschke braucht Hans-Werner Marx nur noch über die Linie zu drücken und es steht 2:1. Schock dann in der 82. Minute. Nach einer unübersichtlichen Situation im Leverkusener Strafraum nach einer Ecke für die Gäste entscheidet der Schiedsrichter auf Elfmeter, aber dieser wird neben das Tor geschossen. In der 87. Minute erzielt erneut Matthias Brücken mit einem Schuss aus der Drehung das verdiente 3:1 und die Werkself kann in Ruhe Ostern feiern.

Bayer 04 führt die Tabelle nach dem 25. Spieltag an, nach Minuspunkten einen Punkt vor dem SC Jülich 10, der allerdings noch zwei Nachholspiele zu bestreiten hat, und zwei Punkte vor dem SC Brühl.

Ähnliche News

Hans Sarpei wird 50 | Geburtstagskind des Monats Juni
Bayer 04 - 01.06.2026

Geburtstagskind des Monats: Hans Sarpei wird 50

Hans Sarpei wird am 28. Juni 1976 in Tema in Ghana geboren und kommt mit seinen Eltern als Dreijähriger nach Deutschland, wo er in Köln aufwächst. Seine Mutter und sein Vater arbeiten schon vor seiner Geburt zeitweise in Hamburg im Import-Export-Bereich. Dort lernen sie einen älteren Mann kennen, der ihnen die deutsche Kultur näher bringt und sie unterstützt. Aus Dankbarkeit erhält Hans später dessen Vornamen, obwohl dieser Mann bereits vor seiner Geburt verstirbt. Hans stammt aus einer sportlichen Familie, sein älterer Bruder Edward sowie seine Neffen Hans Nunoo Sarpei und Kingsley Sarpei waren beziehungsweise sind ebenfalls Profi-Fußballer.

Mehr zeigen
Sepp Kretschmann und Hans Bochniak
Bayer 04 - 01.06.2026

Mottenkiste: Vor 70 Jahren – Ein Trainer kündigt

Hans-Josef („Sepp“) Kretschmann wird am 3. Juni 1953 der fünfte Trainer der Vereinsgeschichte von Bayer 04 Leverkusen. Der am 21. März 1902 im ostpreußischen Allenstein geborene Fußballlehrer widmet sich nach dem Studium erst dem Lehrerberuf, um dann später auf den Fußball umzusatteln. Er übernimmt die Werkself von Franz Strehle, unter dem die Mannschaft zweimal die Klasse in der 1. Oberliga West halten konnte. Aber Strehle verlängerte nach diesen zwei recht erfolgreichen Jahren seinen Vertrag in Leverkusen nicht mehr.

Mehr zeigen
Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 5. Juni 1976
Bayer 04 - 01.06.2026

Spiel des Monats: Vor 50 Jahren – Alles oder nichts

Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord im Sommer 1975 kämpft Bayer 04 nur acht Monate später gegen den Abstieg. Der Verein erwartet von allen vollen Einsatz in dieser prekären Situation. Aufstiegstrainer Manfred Rummel soll seinen Hauptberuf als Lehrer im Beamtenstatus an der Sonderschule Mülheim aufgeben und Vollzeit-Trainer bei Bayer 04 werden. Der bei der Mannschaft sehr beliebte Coach sieht sich nicht in der Lage, diesem Anliegen des Klubs zu entsprechen. Trotz eines 2:0-Heimspiel-Erfolges gegen die SpVgg Erkenschwick wird Manfred Rummel im „partnerschaftlichen Einvernehmen“ beurlaubt.

Mehr zeigen
Süddeutschlandreise im Juni 1951
Bayer 04 - 01.06.2026

Geschichte: Vor 75 Jahren – Die Saison 1950/51 (Juni)

Bayer 04 bestreitet als feststehender Aufsteiger in die 1. Oberliga West schon in der zweiten Mai-Hälfte 1951 Freundschaftsspiel an Freundschaftsspiel. Und das geht auch den ganzen folgenden Monat weiter so.

Mehr zeigen
Jacek Krzynowek wird 50 | Geburtstagskind des Monats Mai
Bayer 04 - 01.05.2026

Geburtstagskind des Monats: Jacek Krzynowek wird 50

Jacek Krzynowek wird am 15. Mai 1976 im polnischen Kamiensk geboren und wächst als typischer Junge vom Land auf. Seine Kindheit verbringt er weniger in strukturierten Trainingseinheiten als vielmehr auf einfachen Bolzplätzen, auf denen er stundenlang mit älteren Jungs spielt. Schon früh fällt auf, dass er über eine außergewöhnliche Schusskraft und enorme Laufstärke verfügt. Doch lange ist ihm selbst nicht bewusst, welches Talent in ihm steckt. Während andere von einer großen Karriere träumen, scheint der Profifußball für ihn zunächst eine ferne Welt zu sein, die er nur aus dem Fernsehen kennt.

Mehr zeigen