Geschichte: Vor 45 Jahren – Aufstiegssaison 1978/79 (April)

Bevor die 2. Bundesliga Nord ihren nächsten Spieltag bestreitet, beschäftigen außersportliche Entscheidungen die Werkself. Der Bayer 04-Fußballobmann Hermann Büchel gibt Anfang April seinen Posten auf. Dahinter stehen wochenlange Unstimmigkeiten vor allem mit Präsident Dr. Jürgen Schwericke und Trainer Willibert Kremer über eventuelle Verpflichtungen für die neue Saison und deren Geheimhaltung. Hermann Büchel soll die Überlegungen des Bayer 04-Vorstandes und seines Trainers an die Presse weitergegeben haben. Die darauffolgende Kritik geht dem Obmann so nahe, dass er einen Herzinfarkt erleidet und sein Amt niederlegen muss. Daraufhin befördert Bayer 04 den Werbefachwirt Heinz Heitmann vom Hauptgeschäftsführer der Werkself zum ersten Manager von Bayer 04 Leverkusen.

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Am 7. April 1979 muss der Tabellenführer im Georg-Melches-Stadion an der Hafenstraße in Essen antreten. Beide Mannschaften begeistern die 8.500 Zuschauer mit ihrem Offensivspiel und vielen Toren. Nach der Führung in der ersten Minute durch Mittelstürmer Peter Szech kann Peter Hermann in der 17. Minute auf 2:0 für die Werkself erhöhen. Doch die Essener schlagen zurück und so steht es nach einer halben Stunde und auch zur Pause 2:2. Als dann Matthias Brücken Bayer 04 erneut in Führung bringt, stehen die Zeichen auf Sieg. Doch mit einem super Freistoß aus 20 Metern gleichen die Rot-Weissen aus. Und so trennen sich die beiden Mannschaften am Ende mit einem gerechten Remis.

Fünf Tage später steht am Gründonnerstag, 12. April 1979, das Nachholspiel vom 22. Spieltag bei Arminia Hannover an. In der niedersächsischen Hauptstadt kann Trainer Willibert Kremer seine Bestbesetzung aufbieten. In einem hart geführten Spiel geht die Arminia durch einen Elfmeter in der 48. Minute mit 1:0 in Führung. Die nun folgende Drangperiode des Tabellenführers wird erst sehr spät, in der 86. Minute, wieder einmal durch Matthias Brücken mit dem 1:1 belohnt. Und so bereitet sich Bayer 04 auf das am Ostermontag anstehende Heimspiel gegen Rot-Weiß Lüdenscheid vor.

Am 16. April 1979 kommt es zu diesem durchaus denkwürdigen Heimspiel. In den ersten zehn Minuten verletzen sich Walter Posner und Norbert Ziegler so schwer, dass sie beide ausgewechselt werden müssen. Für sie kommen Peter Klimke und Harry Gniech ins Spiel. Aber Bayer 04 geht in diesen zehn Minuten vor 4.000 Zuschauern auch durch Klaus Bruckmann in Führung. Bis zur Pause erhöht die Werkself wiederum durch Klaus Bruckmann per Elfmeter, Matthias Brücken und Peter Hermann auf 4:0. Der Tabellenletzte Rot-Weiß Lüdenscheid ist im Ulrich-Haberland-Stadion komplett überfordert und die Bayer 04-Fans sind begeistert vom permanenten Offensivdrang ihrer Mannschaft, die auch in der zweiten Halbzeit nicht nachlässt. Am Ende steht ein 8:1-Erfolg durch die weiteren Tore von Matthias Brücken, Thomas Hörster und Peter Szech (2). Abgesehen von einem 8:0-Sieg im Oktober 1961 gegen den STV Horst-Emscher ist das der bis heute höchste Heimsieg. Souverän steht die Werkself auf Platz 1 der Tabelle, aber das Wort Aufstieg nimmt keiner in den Mund.

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Beim nächsten Auswärtsspiel geht es wieder in die niedersächsische Hauptstadt, diesmal in das Niedersachsenstadion gegen Hannover 96. Im weiten Rund verlaufen sich 5.000 Zuschauer und sehen einen Erfolg ihrer Mannschaft, die eine kämpferische Glanzleistung abliefert. Bayer 04 konnte zwar spielerisch überzeugen, aber die Niedersachsen gewannen am Ende nicht unverdient mit 2:1. Bei noch ausstehenden sieben Spielen und der damaligen Zwei-Punkte-Regelung für einen Sieg ist der Vorsprung auf die folgenden Mannschaften Preußen Münster und Bayer 05 Uerdingen mit acht und zehn Punkten beruhigend, auch wenn die andere Werkself aus Krefeld noch zwei Nachholspiele bestreiten muss und den Vorsprung mit zwei Siegen auf sechs Punkte verkürzen könnte.

Am 28. April steht für die Werkself ein besonderes Highlight an. Erstmals in der Bayer 04-Geschichte kann das DFB-Pokal-Viertelfinale erreicht werden. Der rheinland-pfälzische Amateur-Oberligist TuS Neuendorf, heute TuS Koblenz, hat sich mit seinen Siegen gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen, den FC St. Pauli und den 1. FC Bocholt bis ins Achtelfinale gekämpft. Unsere Werkself fährt als klarer Favorit ins Stadion am Oberwerth und wird dieser Rolle auch gerecht. Mittelfeldspieler Thomas Hörster mit zwei Toren und Kapitän Dieter Herzog bringen Bayer 04 bis zur Pause in Führung. Zwar können die Koblenzer in der 60. Minute auf 1:3 verkürzen, aber Matthias Brücken stellt zehn Minuten später den alten Vorsprung wieder her. Der erstmalige Einzug in das DFB-Pokal-Viertelfinale ist neben der unangefochtenen Tabellenführung in der 2. Bundesliga Nord ein weiterer Fußball-Höhepunkt unterm Kreuz.

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