Geschichte: Gründung des Turn- und Spielvereins der Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co.

Carl Leverkus wird am 5. November 1804 in Wermelskirchen geboren. Nach langen Jahren des Studiums vor allem der Chemie errichtet er dort unter großen finanziellen Anstrengungen 1834 ein Fabrikgebäude mit eigenem Laboratorium. Während die „Chemische Fabrik Dr. Carl Leverkus" Chemikalien für unterschiedliche Anwendungsgebiete produziert, entwickelt Carl Leverkus ein Verfahren zur künstlichen Herstellung des Farbstoffes Ultramarin. Damit ist seine Fabrik als zweite in der Welt und als erste in Deutschland in der Lage, Ultramarin-Blau künstlich herzustellen. 1838 gelingt es Leverkus, im König¬reich Preußen ein auf zehn Jahre befristetes Patent zu erhalten.
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Nach Ablauf des Patents entbrennt auf dem Ultramarin-Markt ein heftiger Konkurrenzkampf. Ab 1861 lässt Carl Leverkus aus Kostengründen eine neue Fabrik zwischen den beiden Dörfern Wiesdorf am Rhein und Mülheim bei Köln bauen. Im Früh­ling 1862 nimmt diese ih­ren Be­trieb auf. Le­ver­kus be­schäf­tig­t 78 Ar­bei­ter. Vie­le von ih­nen sind aus Wer­mels­kir­chen an den Rhein ge­kom­men und wohn­en in direkt neben den Fabrikgebäuden er­rich­te­ten Ar­bei­ter­häu­sern, die mehr als 30 Woh­nun­gen umfassen. Der Fa­brik­sied­lung gibt er nach dem Stamm­sitz sei­ner Fa­mi­lie den Na­men „Le­ver­ku­sen". An­ge­sichts des Preis­kamp­fes auf dem Ul­tra­ma­rin­-Markt be­an­trag­t Le­ver­kus die Kon­zes­si­on für ei­ne zwei­te Fa­brik, in der er 1874 die Pro­duk­ti­on der che­mi­schen Ver­bin­dung Aliza­rin auf­nimmt.

Seit 1838 ist Carl Le­ver­kus mit Ju­lia­ne Au­gus­te Küp­per aus Wer­mels­kir­chen ver­hei­ra­tet. Das Ehe­paar hat­ elf Kin­der. Drei der vier Söh­ne wer­den 1869 bzw. 1874 Teil­ha­ber des Un­ter­neh­mens.

Am 01.02.1889 stirbt Carl Leverkus in „seinem“ Leverkusen und wird in Wermelskirchen beigesetzt.

Carl Leverkus

Ein Jahr nach der Inbetriebnahme der Leverkusschen Fabrik am Rhein wird am 1. August 1863 in Barmen - heute ein Stadtteil von Wuppertal - von dem Farbstoffhändler Friedrich Bayer und dem Färbermeister Johann Friedrich Weskott die Offene Handelsgesellschaft „Friedr. Bayer et comp.“ gegründet. Zweck des Unternehmens ist die Herstellung und der Verkauf von synthetischen Farbstoffen. Neue Erfindungen wie die Synthese des roten Farbstoffs Alizarin und die große Nachfrage nach Teerfarbstoffen führen zu einem Gründerboom. Das finanzielle Fundament für die Expansion bildet 1881 die Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft, die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.. Das beachtliche Wachstum des Unternehmens in den Gründerjahren zeigt auch die Zahl der Mitarbeiter, die von drei im Jahr 1863 auf über 300 im Jahr 1881 ansteigt.

In der Zeit ab 1881 entwickelt sich Bayer zu einem international tätigen Chemieunternehmen. Farbstoffe bleiben zwar immer noch der größte Geschäftsbereich, doch kommen neue Geschäftsfelder hinzu. Grundlegende Bedeutung für die weitere Entwicklung des Unternehmens hat der Aufbau einer leistungsfähigen Forschung durch Carl Duisberg. In Wuppertal-Elberfeld – von 1878 bis 1912 auch Sitz der Firmenzentrale – entsteht ein Wissenschaftliches Laboratorium, das für die Industrieforschung Maßstäbe setzt. Ergebnisse der Bayer-Forschung sind zahlreiche Zwischenprodukte, Farbstoffe und Arzneimittel, darunter das von Felix Hoffmann entwickelte und 1899 auf den Markt gebrachte Jahrhundert-Pharmakon Aspirin.

Bayer-Werk im Jahr 1900

Allerdings erweist sich der Standort Elberfeld als zu klein. Deshalb kauft Bayer 1891 zunächst die Alizarinrot-Fabrik von Dr. Carl Leverkus & Söhne nördlich von Köln und später weiteres Gelände am Rhein hinzu. Bis 1924 über­neh­men die Far­ben­fa­bri­ken nach und nach nicht nur den wei­te­ren Grund­be­sitz der Familie Leverkus mit Fa­brik­an­la­gen, Fa­bri­kan­ten­vil­len und Ar­bei­ter­wohn­häu­sern, son­dern auch die Orts­be­zeich­nung „Le­ver­ku­sen". Nach Plänen Duisbergs, der das Unternehmen von 1912 bis 1925 als Generaldirektor leitet, baut Bayer diesen Standort ab 1895 systematisch aus. 1912 wird Leverkusen Firmensitz.

In den 90er-Jahren des 19. Jahrhunderts kann das Fischer- und Bauerndorf Wiesdorf die Fabrikarbeiter und Direktoren der Elberfelder Fabrik nicht aufnehmen, so dass diese in den ersten Jahren täglich von Elberfeld in die Fabrikanlagen in Leverkusen, wie weiterhin nur das Fabrikgelände genannt wird, per Bahn und Pferdekutschen pilgern müssen. Erst als der Firmenvorstand beginnt, die ersten Wohnsiedlungen um Wiesdorf herum zu bauen, ziehen die Mitarbeiter der Farbenfabriken nach und nach von Wuppertal, einer Metropole mit rund 20.000 Einwohnern, ins am Rhein gelegene Wiesdorf, ein Dorf mit circa 2.000 Einwohnern. Die Wuppertaler vermissen sehr schnell ihre kulturellen Abwechslungen wie Theater- und Orchesteraufführungen oder sportliche Aktivitäten, die in Wuppertal in den dortigen Vereinen für abendliche Unterhaltung sorgen. So schreiben im Februar 1903 die beiden Angestellten Wilhelm Hauschild, langjähriger Gauturnwart des Wuppertaler Turngaues, und August Kuhlmann, Männerturnwart des Sonnborner Turnvereins, die „Herren Betriebs - & Bureaubeamten“ der Bayer AG an und bitten um Unterstützung bei der Gründung eines werkseigenen Turnvereins. Dieser Bitte wird in einem Antwortschreiben im November 1903 stattgegeben. Ein halbes Jahr später, am 1. Juli 1904, genau vor 120 Jahren, wird dann der „Turn- und Spielverein der Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co. in Leverkusen“ gegründet. Seitdem schreibt dieser Verein Geschichte.

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