Geschichte: Die Historie eines Schmuckkästchens

Im Sommer 1983 betritt Trainer Dettmar Cramer während der Vorbereitung mit einem Modell in der Hand unsere Kabine und verkündet: „Das wird unser neues Stadion.“ Mein erster Gedanke war: „Schick! Aber wie soll das jemals voll werden?“ Ich sollte eines Besseren belehrt werden.
1983_Modell_Ulrich_Haberland_Stadion.jpg

In den 80ern gibt es lediglich zwei Stadien, die keine Laufbahn um den Platz haben und als reine Fußballstadien bezeichnet werden: das Ruhrstadion in Bochum und das Westfalenstadion in Dortmund. Jetzt soll das Ulrich-Haberland-Stadion, wie es damals heißt, das dritte in der Bundesliga werden.

In der Sommerpause 1986 wird von Ende April bis Anfang August in Rekordzeit die alte Holztribüne auf der Gegengraden im Osten abgebaut, die kompletten Stehplätze abgerissen und die heutigen Blöcke C, B und A so fertiggestellt, dass zum ersten Bundesligaspiel der Saison 1986/87 gegen Schalke 04 wenigstens die Sitzplätze in den Blöcken B genutzt werden können. Die Sitzplatzschalen sind übrigens in Grün angelehnt an die Farben der Bayer AG, Grün und Blau. Am 4. Oktober 1986 beim 4:1-Heimsieg gegen Werder Bremen ist die komplette Osttribüne fertig und die aktiven Bayer 04-Fans beziehen erstmals ihren neuen Stehplatzbereich Block A und bleiben hier die nächsten Jahre. Erstmals wechseln sie anlässlich des UEFA-Pokalrückspiels gegen Bröndby Kopenhagen im Dezember 1990 für ein Spiel in den Block C, um dann ab der Saison 1991/92 ihre Heimat im Norden des Stadions zu finden.

19790818_B04_BSC_Ulrich_Haberland_Stadion.jpg

Der Umbau geht derweil stetig voran. Im September 1987 werden rund zehn Meter hinter den Toren als Übergang zwei Stahlrohrtribünen installiert, die Platz für jeweils 4.500 Zuschauer bieten. In der Rückrunde der Saison 1987/88 wird dann die Haupttribüne im Westen abgerissen und die Mannschaft zieht in Container hinter der Stahlrohrtribüne im Norden, die für die Zeit des Umbaus der Haupttribüne als Umkleidekabinen dienen. Die Mitte des Rohbaus der neuen Haupttribüne wird anlässlich des UEFA-Pokalendspiels am 18. Mai 1988 als „VIP- und Pressetribüne“ umfunktioniert und dafür mit Sitzkissen geschmückt. Die Blöcke F1 – F4 sind bei diesem Spiel vor allem für Bayer 04-Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen geöffnet, die allerdings auf dem harten Beton Platz nehmen müssen. Am Ende des Spiels sitzt aber ohnehin keiner mehr.

Zur Saison 1988/89 ist die Haupttribüne im Westen mit ihren Büroräumen für die Geschäftsführung und den neuen Umkleidekabinen fertig und es geht an den Bau der kompletten Nordtribüne, die am 17. Februar 1990 beim Heimspiel gegen den FC Homburg ihre Einweihung feiert. Das Ulrich-Haberland-Stadion sieht jetzt für die nächsten Jahre aus der Vogelperspektive wie ein U aus. Die Südtribüne mit Sitzplätzen für nochmal 4000 Zuschauer wird aber nicht mehr gebaut, anstelle dessen gibt es eine Umplanung mit neuen Geschäftsführungsräumlichkeiten, einem VIP-Restaurant, Firmenlogen und einer kleineren Anzahl an Zuschauerplätzen. Eigens dafür wird ein Provisorium aufgebaut, um die Sichtverhältnisse prüfen zu können, die dann für gut befunden werden. Der Baubeginn wird für den Sommer 1996 angesetzt. Just in dieser Saison kämpft die Mannschaft gegen den Abstieg. Die Planungen hängen an einem seidenen Faden und würden mit einem Abstieg ad acta gelegt werden.

Der 1. FC Kaiserslautern kommt am letzten Spieltag ins Ulrich-Haberland-Stadion und mit ihm sehr viele Lautern-Fans. Die Anfrage nach mehr Kartenim Süden gibt es noch die alte Kurve lehnt Manager Reiner Calmund mit dem Hinweis auf den Baubeginn ab und lässt von einer Baufirma Bagger im Süden auffahren und die ersten, eigentlich noch nicht gesicherten Baumaßnahmen einleiten. So kommen „nur“ 10.000 Pfälzer nach Leverkusen und müssen den ersten Abstieg ihrer Mannschaft aus der 1. Bundesliga erleben. Bayer 04 rettet sich mit dem Ausgleich von Markus Münch in der 82. Minute. Und dem Bau der neuen Südtribüne steht nichts mehr im Wege.

Am 26. Juli 1997, anlässlich des DFB-Ligapokal-Endspieles zwischen Bayern München und dem VfB Stuttgart, wird die Südtribüne eingeweiht und das Schmuckkästchen der Bundesliga ist fertig.

Ähnliche News

Franca wird 50 | Geburtstagskind des Monats März
Bayer 04 - 01.03.2026

Geburtstagskind des Monats: Franca wird 50

Francoaldo Sena de Souza, besser bekannt als Franca, wird am 2. März 1976 in Codó im Nordosten Brasiliens geboren und zählt zu den bekanntesten brasilianischen Fußballspielern der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Schon früh zeigt sich sein außergewöhnliches Talent. Er beginnt seine Karriere bei kleineren brasilianischen Vereinen, bevor er 1996 zum traditionsreichen FC São Paulo wechselt. Dort entwickelt sich Franca rasch zu einem der gefährlichsten Stürmer der Liga. Mit seiner Technik, seinem Torriecher und seiner Beweglichkeit begeistert er Fans und Experten gleichermaßen und erzielt über Jahre hinweg zahlreiche Tore für den Klub.

Mehr zeigen
Lars Bender – Der Bayer beim Bayer | Legende des Monats März
Bayer 04 - 01.03.2026

Legenden: Lars Bender – Der Bayer beim Bayer

Lars Bender wird am 27. April 1989 in Rosenheim geboren und wächst gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Sven in einer fußballbegeisterten Familie auf. In Brannenburg, einem kleinen Örtchen in der Nähe von Rosenheim, beginnen die beiden mit dem Kicken. In der E-Jugend zieht es die Zwillinge nach Unterhaching, später folgt in der U14 der gemeinsame Wechsel zu 1860 München. Dort werden Lars und Sven mit der U17 Deutscher Meister, überspringen die U19 der Löwen und gehören direkt zum Kader der ersten und zweiten Mannschaft der Münchener.

Mehr zeigen
Von Bruckmann bis Schick | Tore des Monats März
Bayer 04 - 01.03.2026

Tore des Monats: Von Bruckmann bis Schick

Im Video seht ihr eindrucksvolle und wichtige Tore der Bayer 04-Geschichte aus dem Monat März. Es geht dabei nicht immer um die Schönheit der Tore, sondern es sollen euch auch besondere Spiele und Spieler in Erinnerung gerufen werden.

Mehr zeigen
Vor 45 Jahren – Ein Sieg muss her | Spiel des Monats März
Bayer 04 - 01.03.2026

Spiel des Monats: Vor 45 Jahren – Ein Sieg muss her

Bayer 04 steht nach der 1:3-Niederlage im Nachholspiel am 17. März 1981 beim 1. FC Kaiserslautern mit dem Rücken zur Wand. Nach einem Einwurf, den der Linienrichter eindeutig für die Werkself anzeigt, den die Lauterer aber schnell ausführen und der schwache Schiedsrichter nicht zurückpfeift, kommt es zu einem zweifelhaften Elfmeter. Die Lauterer nutzen dies zum 2:1 in der 84. Minute. Schließlich führt ein Schuss der Gastgeber, der nicht hinter der Linie ist, zum 3:1. Bayer 04 muss ohne Punkte vom Betzenberg nach Hause fahren.

Mehr zeigen
crop_19510304_Bayer04_SSV_Wuppertal_07.jpg
Bayer 04 - 01.03.2026

Geschichte: Vor 75 Jahren – Die Saison 1950/51 (März)

Es ist der 4. März 1951. Mit fünf Punkten Vorsprung geht Bayer 04 am 24. Spieltag in das vorentscheidende Heimspiel gegen den Tabellenzweiten SSV Wuppertal, der drei Jahre später mit der TSG Vohwinkel 80 zum Wuppertaler SV fusionieren wird. Der Bayer 04-Pressewart Heinz Nelles sagt einen Großkampftag auf dem Sportplatz am Stadtpark voraus und empfiehlt den Bayer 04-Fans, lieber eine Eintrittskarte im Vorverkauf bei den bekannten Vorverkaufsstellen, vor allem in der Trinkhalle Rathaus bei Peter Haas zu erstehen. Nach vierwöchiger Verletzungspause ist auch erstmals wieder Mittelstürmer Emil „Bubi“ Becks mit von der Partie. Und als am Sonntag die Tore zum Stadtpark geöffnet werden, strömen die Zuschauer ins Stadion. Außerdem sind auch die Fenster an den Häusern der angrenzenden Walter-Nernst-Straße stark frequentiert.

Mehr zeigen