Geburtstagskind des Monats I: Reiner Calmund wird 75

Reiner „Calli“ Calmund wird am 23. November 1948 in Brühl geboren. Er verbringt seine Kinder- und Jugendzeit vor allem in Frechen, wo er auch bei der dortigen Sportvereinigung Frechen 20 Fußball spielt. Mit 18 Jahren zieht er sich eine schwere Knieverletzung zu, die ihn zwingt, das Fußballspielen aufzugeben. Schnell entscheidet er sich dafür, neben seiner Ausbildung zum Außenhandelskaufmann auch die B-Jugend seines Heimatvereins zu trainieren.

Videos anzeigen

Ja, ich möchte Videos angezeigt bekommen.

Im ersten Jahr gelingt es ihm, mit dieser Truppe vor dem 1. FC Köln und Bayer 04 die Mittelrheinmeisterschaft zu erringen. Er trainiert auch Mannschaften wie Franken Lövenich und BC Efferen, wird Co-Trainer des SC Brühl und geht in die Verbandsarbeit zum Fußballverband Mittelrhein. Dort läuft ihm Bayer 04-Cheftrainer Willibert Kremer über den Weg und überredet den dynamischen 28-Jährigen zu einem Engagement bei Bayer 04 Leverkusen. Calli übernimmt ab der Saison 1976/77 die Jugendleitung bei Bayer 04 mit dem Ziel, so viele Jugendspieler wie möglich für die erste Mannschaft auszubilden. Außerdem wird er Stadionsprecher bei den Spielen der 1. Mannschaft und macht diesen Job auch im Bundesliga-Aufstiegsjahr 1978/79.

Calli ist auch meine erste Kontaktperson zu Bayer 04 Leverkusen. Er ist noch Jugendleiter und zusätzlich hauptamtliches Mitglied des Vorstandes von Bayer 04, als Anfang März des Jahres 1981 das Telefon bei mir zu Hause in Berlin klingelt. Meine Mutter ist am Telefon, ich bin gerade bei meiner damaligen Freundin. Sie legt einen Zettel auf das Sideboard im Flur, auf dem die Worte stehen: „Ein Herr Kallemund aus Leverkusen hat angerufen.“ Als ich von meiner Freundin nach Hause komme, sind meine Eltern schon im Bett. Total aufgeregt kriege ich in der Nacht kaum ein Auge zu und löchere meine Mutter am nächsten Morgen am Frühstückstisch: „Und? Was hat er gesagt?“ Antwort: „Keine Ahnung, ich hab‘ nix verstanden!“ Und das geht bisweilen sogar mir heute noch so. Wenn Calli in seinem rheinischen Dialekt loslegt, ist es für einen Berliner schwer, dem Wortschwall zu folgen.

Am 9. März 1981, zwei Tage nach dem legendären 3:0-Erfolg von Bayer 04 gegen den FC Bayern mit dem Hattrick von Arne-Larsen Ökland, fliege ich zum Probetraining nach Leverkusen. Am Flughafen Köln/Bonn steht ein kleiner rundlicher Mann mit den Ellenbogen auf dem Geländer gestützt und schaut mich mit seinen wachen Augen neugierig an. Meine erste Begegnung mit dem für mich insgesamt wichtigsten Mann bei Bayer 04 Leverkusen, auch wenn seine Glanzzeit erst ein paar Jahre später beginnen sollte.

Calmund_imago16100540h.jpg

Bis 1989 steht er zwar offiziell als Leiter der Geschäftsstelle noch in zweiter Reihe – die Manager Heinz Heitmann (bis 1984) und Michael Meier (1987 – 1989) sind weitestgehend für das Sportliche zuständig. Aber natürlich bringt Calli sich auch bei Verpflichtungen immer wieder ein. Als dann Michael Meier im Dezember 1989 zu Borussia Dortmund wechselt, wird Reiner Calmund zum Manager befördert. Seine ersten, von ihm schon vorher eingefädelten Neuzugänge sind die beiden DDR-Nationalspieler Andreas Thom und Ulf Kirsten. Außerdem ist er maßgeblich am Transfer des brasilianischen Nationalspielers Jorginho beteiligt, der schon im August 1989 unters Bayer-Kreuz kommt. Jetzt nimmt Calli das Ruder in Leverkusen komplett in die Hand.

In den nächsten Jahren macht er aus der grauen Maus einen in Europa angesehenen Klub. Mit teilweise spektakulären Verpflichtungen (Bernd Schuster und Rudi Völler) und sehr weitsichtigen Transfers (Jens Nowotny, Carsten Ramelow, Michael Ballack, um nur einige wenige zu nennen) baut er das Image der Werkself auf, die kurz vor dem größtmöglichen Erfolg im Champions-League-Finale 2002 nur von Real Madrid gestoppt werden kann. Als Calli dann 2004 nach fast 30 Jahren Arbeit für Bayer 04 Leverkusen wegen Erschöpfung eine Ruhepause einlegen muss, trauern ihm nicht nur die Bayer 04-Fans nach.

Seitdem engagiert er sich vermehrt für soziale Projekte, tritt in Fernsehshows auf und ist sein eigener Herr. Sein Beruf ist Reiner Calmund, wie er leibt und lebt. Immer authentisch, immer empathisch, hat er viele Herzen durch seine offene und ehrliche Art erreicht.

Lieber Calli, ich wünsche dir alles Gute zu deinem 75. Geburtstag. Bleibe gesund und genieße deinen Festtag.

Ähnliche News

Harry Gniech wird 75 | Geburtstagskind des Monats Oktober
Bayer 04 - 01.10.2026

Geburtstagskind des Monats 1: Harry Gniech wird 75

Harry Gniech erblickt am 14.10.1951 in Leverkusen-Schlebusch das Licht der Welt. Mit sechs Jahren kommt er zum SV Bayer 04, zunächst zur Leichtathletik. Eigentlich will der Junge Fußball spielen, darf aber erst mit neun Jahren zu den Fußballern wechseln. Schnell wird Harry im Mittelfeld zum Spielmacher. Trotz seines Talents ist der Weg von der Jugend in den Lizenzkader damals weit. In der Saison 1973/74 setzt ihn sein ehemaliger A-Jugendtrainer Friedhelm Renno, der mittlerweile die erste Mannschaft von Bayer 04 trainiert, zum ersten Mal in einem Spiel der Vertragsspieler-Mannschaft ein.

Mehr zeigen
Henrique
Bayer 04 - 01.10.2026

Geburtstagskind des Monats 2: Henrique wird 40

Henrique Adriano Buss, genannt Henrique, kommt am 14. Oktober 1986 im brasilianischen Marechal Cândido Rondon zur Welt, einer Stadt im brasilianischen Bundesstaat Parana. Mit 13 Jahren wechselt er zum Coritiba FC und schafft 2006 den Sprung in die erste Mannschaft. Henrique steigt mit dem Team in die 1. brasilianische Liga auf und wechselt zum FC Palmeiras. Nach nur fünf Spielen für den neuen Klub wird der 1,85 Meter große Innenverteidiger 2008 vom FC Barcelona für zehn Millionen Euro verpflichtet und von Bayer 04 gegen eine Gebühr von 400.000 Euro für ein Jahr ausgeliehen.

Mehr zeigen
Constant Djakpa
Bayer 04 - 01.10.2026

Geburtstagskind des Monats 3: Constant Djakpa wird 40

Constant Djakpa wird am 17. Oktober 1986 in Abidjan in der Elfenbeinküste geboren. Schon im Alter von fünf Jahren beginnt er mit dem Fußballspielen. Seine ersten Schritte im Profifußball macht er beim Stella Club d’Adjamé, bevor er nach Norwegen zu Sogndal IL wechselt. Über den rumänischen Verein Pandurii Târgu Jiu führt sein Weg schließlich nach Deutschland.

Mehr zeigen
Von Glowacz bis Bellarabi | Tore des Monats Oktober
Bayer 04 - 01.10.2026

Tore des Monats: Von Glowacz bis Bellarabi

Im Video seht ihr eindrucksvolle und wichtige Tore der Bayer 04-Geschichte aus dem Monat Oktober. Es geht dabei nicht immer um die Schönheit der Tore, sondern es sollen euch auch besondere Spiele und Spieler in Erinnerung gerufen werden.

Mehr zeigen
Die Werkself im Jahr 1966
Bayer 04 - 01.10.2026

Mottenkiste: Vor 60 Jahren – Der Streik

In der ersten Oktoberwoche des Jahres 1966 entscheiden sich die Vertragsfußballspieler zu einem ungewöhnlichen Schritt – sie treten in den Streik. Sie sehen sich zu dieser bis dato wenig üblichen Selbsthilfe gezwungen, damit sie ihren Forderungen nach einer gerechten Bezahlung mehr Nachdruck verleihen können. Bei drei Unentschieden, so folgern sie, steht ihnen eine Prämie zu, zumindest ist eine Punktprämie von 75 D-Mark vor Saisonbeginn vereinbart worden.

Mehr zeigen