
In den vergangenen Jahren war Ludogorets Rasgrad so etwas wie das Bayern München Bulgariens. Stolze siebenmal in Folge krönte sich das Team zum Meister des südosteuropäischen Landes, ließ dabei regelmäßig die Hauptstadtklubs Levski und ZSKA Sofia hinter sich. Aktuell liegt Rasgrad nach acht Spieltagen zwei Zähler hinter diesen beiden Vereinen auf Rang drei der Tabelle der bulgarischen Parva Liga – auch, weil das Team mit der Doppelbelastung durch die europäischen Wettbewerbe klar kommen muss. Zunächst startete Ludogorets in der Qualifikation zur Champions League, nach einem denkbar knappen Scheitern gegen den ungarischen Vertreter Videoton Szekesfehervar ging es dann in der Qualifikation zur Europa League weiter, wo die Bulgaren nach Erfolgen über Zrinjski Mostar aus Bosnien-Herzegowina und Torpedo Kutaissi aus Georgien die Gruppenphase erreichten. Dort stand das Team bereits im vergangenen Jahr – und sorgte durchaus für Aufsehen. Die TSG Hoffenheim konnte keines ihrer beiden Gruppenspiele gegen Rasgrad gewinnen und landete letztlich hinter den Bulgaren, die erst in der K.o.-Runde gegen den AC Mailand ausschieden. Auch eine Stufe weiter oben hat die Mannschaft bereits gezeigt, was für ein unangenehmer Gegner sie ist. 2014 und 2016 schaffte Ludogorets den Sprung in die Gruppenphase der Champions League und trotzte unter anderem den Spitzenklubs FC Liverpool und Paris St. Germain ein Unentschieden ab.
Ludogorets verfügt über eine sehr erfahrene Mannschaft, das Durchschnittsalter im Kader beträgt über 27 Jahre. In Deutschland bekannte Namen sucht man dennoch vergebens in der Mannschaft. Der einzige Spieler Rasgrads, der sich in der Bundesliga bereits versuchen durfte, ist der polnische Stürmer Jakub Swierczok (im Bild oben), der 2012 sechsmal in der höchsten deutschen Spielklasse für den 1. FC Kaiserslautern auflief. Auffällig ist die starke brasilianische Fraktion in der Mannschaft: Insgesamt zehn Spieler aus dem südamerikanischen Staat stehen im Aufgebot von Ludogorets, auch Trainer Paulo Autuori ist Brasilianer. Der 62-Jährige übernahm das Amt erst zur neuen Saison, arbeitete zuvor als Sportlicher Leiter beim brasilianischen Traditionsklub Fluminense. In seiner langen Karriere coachte Autuori unter anderem Benfica Lissabon und die peruanische Nationalmannschaft. Besonders gewarnt ist Bayer 04 vor Angreifer Claudiu Keseru. Der rumänische Nationalspieler stürmte lange Zeit im französischen Profifußball und wurde für Ludogorets in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils Torschützenkönig der ersten bulgarischen Liga.
Seinen vielleicht besten Spieler hat Ludogorets Ende August noch verloren – und zwar ausgerechnet an die Bundesliga. Am letzten Tag der Transferperiode verpflichtete der 1. FC Nürnberg den Niederländer Virgil Misidjan, genannt Vura. Der Außenstürmer war zuvor fünf Jahre lang Leistungsträger in Rasgrad, glänzte noch einen Tag vor seinem Wechsel nach Nürnberg mit einem Tor und einer Vorlage beim entscheidenden 4:0-Sieg im Play-off-Rückspiel gegen Kutaissi und traf auch beim sensationellen 2:2 bei Paris St. Germain in der Champions League 2016. Sein Abgang reißt nun eine große Lücke in die Ludogorets-Offensive, die ohnehin bislang die Problemzone in dieser Saison darstellt. In der bulgarischen Liga erzielte Rasgrad in acht Spielen zehn Tore – zu wenig für die eigenen Ansprüche. Ein weiteres Minus: In Mittelfeldspieler Anicet, Nationalspieler Madagaskars, fehlt ein weiterer Leistungsträger aufgrund eines Außenbandrisses langfristig.
Der Erfolg von Ludogorets in den vergangenen Jahren kommt nicht von ungefähr. Noch 2010 spielte der Verein aus dem Nordosten Bulgariens in der zweiten Liga, dann übernahm der Pharma-Unternehmer Kyril Domustschiew den Klub. Durch dessen finanzielle Hilfe stieg Rasgrad sofort auf und wurde anschließend in jeder seiner Erstliga-Saisons bulgarischer Meister. Aufgrund der Domustschiew-Millionen kann sich Ludogorets Jahr um Jahr eine Mannschaft leisten, deren Qualität in Bulgarien ihresgleichen sucht und beispielsweise Spieler aus der ersten brasilianischen Liga von einem Engagement beim PFC überzeugen. Somit sind auch permanente Spitzenpositionen in der Liga sowie regelmäßige Ausflüge in die europäischen Wettbewerbe weiterhin gesichert. In den vergangenen Jahren konnte Rasgrad außerdem in die Jugendabteilung investieren, was nun auch für die erste Mannschaft Früchte tragen soll. Zuletzt schafften erstmals auch Spieler aus der eigenen Jugend den Sprung zu den Profis.
Zweimal qualifizierte sich Rasgrad bislang für die Gruppenphase der Europa League und zweimal gelang der Sprung in die K.o.-Runde. Das ist auch jetzt das Ziel – und die Bulgaren dürften hinter Bayer 04 der erste Anwärter auf einen der ersten beiden Plätze in Gruppe A sein. Ob es danach noch weitergehen könnte, hängt wohl auch maßgeblich von der Auslosung ab. Für den ganz großen Wurf reicht es bei Rasgrad wohl nicht – unangenehm wird das Team dennoch für jeden Gegner sein.



Gleich dreimal waren die schwarz-roten Legenden der Bayer 04-Traditionsmannschaft am vergangenen Wochenende im Einsatz. Unter anderem mit Stefan Kießling, Philipp Wollscheid, Sidney Sam und Karim Bellarabi trat das von Falko Götz und Jürgen Gelsdorf gecoachte Team auf Indoor-Kunstrasen-Turnieren in Oldenburg, Regensburg und Bielefeld an. Bei Letzterem zauberten sich die Leverkusener dank vierer Wollscheid-Tore sogar bis ins Finale, wo dann gegen Arminia Bielefeld Endstation war. Einsatz und Spaß waren jedoch bei allen Beteiligten wie immer titelwürdig.
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