
„Wir mussten viel investieren heute, viel Kraft und Energie. Aber wir haben verdient und in meinen Augen auch ungefährdet gewonnen“, so Julian Baumgartlinger nach der Partie. Sein österreichischer Landsmann Aleksandar Dragovic, wie Baumgartlinger ebenfalls Torschütze an diesem Abend, ergänzte: „Ausschlaggebend war, dass wir bei jedem Rückschlag weiter an uns geglaubt haben. Wir haben auf unsere Strategie vertraut und diese durchgezogen und verdient gewonnen.“
Cheftrainer Peter Bosz veränderte seine Startelf im Vergleich zum 0:0 gegen Hertha BSC auf drei Positionen: Wendell begann hinten links anstelle von Daley Sinkgraven, der nach Krankheit wiedergenesene Nadiem Amiri im Mittelfeldzentrum für Florian Wirtz. Karim Bellarabi, nach kurzer Verletzungspause ebenfalls zurück, startete für Leon Bailey auf der rechten Außenbahn. Edmond Tapsoba nahm nach seiner abgelaufenen Corona-Quarantäne und drei Spielen Pause erstmals wieder auf der Bank Platz. Zu dem Nationalspieler Burkina Fasos gesellte sich unter anderem auch Cem Tuna Türkmen. Der 18-Jährige ist von Bosz erstmals in den Profikader berufen worden.
Die Auswahl des Niederländers traf in der Anfangsphase auf einen Gastgeber, der die Werkself zumeist in einem engmaschigen 5-4-1-System ab der Mittellinie in Empfang nahm. So versuchte such Schwarz-Rot über außen: Nach fünf Minuten lief Moussa Diaby links mit Ball bis zur Grundlinie, brachte das Spielgerät von dort flach in den Strafraum. Bei der Hereingabe grätschte allerdings Nizzas Innenverteidiger Robson Bambu in Diaby rein – eigentlich durchaus einen Elfmeter-Pfiff wert. Der italienische Schiedsrichter Maurizio Mariani hatte sich jedoch nicht für einen solchen entschieden, ein Video-Schiedsrichterassistent ist in der Europa-League-Gruppenphase nicht im Einsatz. So ging es bei OGC-Torhüter Walter Benitez weiter, der den Ball Diabys ohne Probleme aufnehmen konnte.

Etwas mehr als eine Viertelstunde war dann absolviert, als Bellarabi den Ball von rechts flach und mit Wucht in den Strafraum beförderte. Dort lief Patrik Schick ein, konnte die Hereingabe aber nicht erfolgreich verwerten (17.). Die Werkself übernahm wie gewohnt von Beginn an die Spielkontrolle, hatte zwischenzeitlich über 70 Prozent Ballbesitz. Nach 22 Minuten war sie dann auch endlich da, die Lücke im Defensivverbund der Südfranzosen: Kerem Demirbay chippte den Ball über die Abwehrspieler, der eingelaufene Diaby nahm diesen direkt aus der Luft und versenkte ihn zum 1:0 im Netz.
Und nur zwei Minuten später zappelte das OGC-Tornetz erneut: Amiri steckte auf Schick durch, der den Ball über Benitez lupfte. Der Tscheche soll nach Ansicht des Gespanns im Abseits gestanden haben – das war allerdings nicht der Fall. Dennoch blieb es beim 1:0, wenn auch nur für zwei Minuten: Lars Bender klärte nach einem Freistoß per Kopf in den Rückraum. Dort hatte sich Hassane Kamara positioniert und versenkte den Abpraller gekonnt zum Ausgleich (26.). Abbruch tat dieser Gegentreffer dem Leverkusener Spiel aber keineswegs.






Nach 32 Minuten brachte Amiri eine Ecke auf den zweiten Pfosten, überspielte damit den Pulk im Zentrum, so dass der aufgerückte Aleksandar Dragovic unbedrängt zur erneuten Führung treffen konnte (32.). Mit diesem knappen, aber durchweg verdienten Vorsprung ging es für die Bosz-Auswahl schließlich in die Kabine – auch, weil Schick kurz vor dem Pausenpfiff nicht einen der gleich drei freistehenden Kollegen bediente, sondern den Abschluss selbst suchte und geblockt wurde (45.+1).
Zum Wiederbeginn tauschte Bosz sein Personal dann auf zwei Positionen: Tapsoba und Bailey kamen für Lars Bender und Schick ins Spiel. Und das neue Duo musste nach nur zwei Minuten mit ansehen, wie Nizza erneut ausgleichen konnte: Lukas Hradecky ließ einen Freistoß nach vorne abprallen, Dan Ndoye staubte aus drei Metern ab – 2:2 (47.). Doch die Werkself bewies an diesem Abend einmal mehr Moral; Julian Baumgartlinger verlängerte einen Amiri-Freistoß mit dem Kopf, die Kugel landete im Netz (51.).

Eine erfreuliche Nachricht gab es dann auch in Minute 67: Neben Emrehan Gedikli, der sein Profidebüt bereits vergangene Woche beim 4:1 gegen Hapoel Beer Sheva gegeben hatte, kam auch Cem Tuna Türkmen zu seinem ersten Einsatz bei den Profis. Nach dem Doppel-Wechsel agierte die Werkself weiter spielbestimmend und ließ keine einzige Großchance der Gastgeber zu - bis zum Abpfiff.
Am Freitagmittag reist der Bayer 04-Tross zurück an die Dhünn und beginnt dort bereits mit der Vorbereitung auf das Bundesliga-Auswärtsspiel beim Schlusslicht FC Schalke 04 am Sonntag, 6. Dezember (Anstoß: 18 Uhr). Nächste Woche schließt die Werkself dann mit dem Heimspiel gegen Slavia Prag die Gruppenphase der Europa League ab - und kann das von Cheftrainer Bosz ausgegebene Ziel Gruppensieg perfekt machen.
Die Statistik:
OGC Nizza: Benitez – Lotomba, Daniliuc, Bambu, Nsoki, Kamara (72. Coly) – Claude Maurice, Reine-Adelaide, Danilo (67. Thuram), Maolida (29. Ndoye) – Gouiri (72. Trouillet)
Bayer 04: Hradecky – L. Bender (46. Tapsoba), Tah, Dragovic, Wendell – Amiri (67. Türkmen), Baumgartlinger, Demirbay (86. Wirtz) – Bellarabi, Schick (46. Bailey), Diaby (67. Gedikli)
Tore: 0:1 Diaby (22.), 1:1 Kamara (26.), 1:2 Dragovic (32.), 2:2 Ndoye (47.), 2:3 Baumgartlinger (51.)
Gelbe Karten: Ndoye, Daniliuc – Demirbay
Schiedsrichter: Maurizio Mariani (Italien)

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