
Am Ende wusste man bei der Eintracht nicht so recht, was man anfangen sollte mit dem 1:1 gegen die TSG Hoffenheim. Einerseits hatte die Kovac-Elf verhindert, dass die Kraichgauer sie von Europa-League-Platz sechs verdrängen und 1899 auf Distanz gehalten, andererseits verpassten es die Hessen, in einer starken zweiten Halbzeit den Sieg einzufahren und dadurch das internationale Geschäft für nächste Saison quasi zu zementieren sowie Druck auf die Konkurrenz auszuüben. Dazu gehört auch Bayer 04: Vor dem direkten Aufeinandertreffen der beiden Teams liegt Frankfurt zwei Punkte hinter der Werkself auf Rang fünf. Auch im DFB-Pokal ist die Eintracht noch vertreten und will ihren Finaleinzug aus dem vergangenen Jahr wiederholen: Nur vier Tage nach der Partie in der BayArena reist das Team in die Veltins-Arena, um dort das Halbfinale bei Schalke 04 zu bestreiten.
Lange hatten sie in Frankfurt darauf gewartet, dass er wieder richtig da ist, gegen Hoffenheim war es so weit: Nach fast elf Monaten gab Marco Fabian sein Startelf-Comeback für die Eintracht. Der Mexikaner war zuvor am letzten Spieltag der Vorsaison von Beginn an aufgelaufen und hatte anschließend lange aufgrund einer Bandscheiben-Operation gefehlt. Bereits Anfang Februar zählte der filigrane Offensivmann zum Eintracht-Kader, bis er wieder in der Startelf stand, vergingen aber über zwei Monate. Der Grund: Trainer Niko Kovac (im Bild oben) war nicht immer zufrieden mit Fabians Engagement im Training. Nach seiner überzeugenden Vorstellung gegen Hoffenheim jubelte der Eintracht-Coach aber am Sky-Mikrofon: „Wenn er so spielt, kommt kein Trainer der Welt an ihm vorbei!“ Die Chancen, dass Fabian auch bei Bayer 04 beginnt, sind dementsprechend hoch – auch, weil in Ante Rebic einer der spielstärksten Offensivkräfte der Eintracht wegen eines Muskelfaserrisses ausfällt. Das scheint Sturmpartner Luka Jovic wohl nicht zu drohen: Der Serbe hatte sich bei seinem Führungstreffer gegen Hoffenheim verletzt und musste daraufhin ausgewechselt werden, nach Angaben der Eintracht steht ein Einsatz gegen die Werkself aber wohl nicht in Frage – genauso wie bei Abwehr-Routinier Marco Russ, der angeschlagen ebenfalls vorzeitig vom Feld musste. Definitiv fehlen werden neben Rebic und dem langzeitverletzten Frankfurter „Fußballgott“ Alex Meier die beiden Defensivspieler Carlos Salcedo (Schlüsselbeinbruch) und Omar Mascarell (Haarriss im Fuß).
Fabians Rückkehr kam für die Eintracht genau im richtigen Spiel. Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann hatte seine Elf – ungewöhnlich für ihn – angehalten, tief zu stehen und der Eintracht den Ball zu überlassen. Das Spiel selbst zu gestalten ist die ausgemachte Schwäche der Elf vom Main, jedenfalls dann, wenn Fabian nicht auf dem Platz steht. Zwar können auch Spieler wie Bundesliga-Rückkehrer Kevin-Prince Boateng oder Shootingstar Marius Wolf durchaus mit dem Ball umgehen, das gewisse Etwas in Sachen Spielübersicht und Kreativität verkörpert aber in erster Linie der Mexikaner im Frankfurter Kader. Vor dem Hintergrund erscheint es logisch, dass sich die Eintracht zuletzt in der Fremde schwer getan hat: In den vergangenen vier Gastspielen verließ die Eintracht den Platz jeweils als Verlierer – eine Serie, die die Hessen in der BayArena beenden wollen.
Innerhalb kürzester Zeit hat Niko Kovac aus einem Fast-Absteiger einen Champions-League-Anwärter gemacht. Das weckt logischerweise Begehrlichkeiten, nicht zuletzt an seiner eigenen Person. Am Freitag wurde bekannt, dass der Kroate, ehemals als Spieler von 1996 bis 1999 für Bayer 04 aktiv, zur nächsten Saison neuer Trainer beim FC Bayern München wird und dort die Nachfolge von Jupp Heynckes antritt. Kovac unterzeichnete beim Rekordmeister einen Dreijahresvertrag.
Egal, wo die Eintracht am Ende der Saison landet – es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Platzierung, die ihr vor der Saison kaum einer zugetraut hätte. Angesichts der Auswärtsschwäche zuletzt und der Tatsache, dass Frankfurt nach dem Gastspiel in der BayArena an den letzten Spieltagen auch noch bei den beiden Topteams aus München und Gelsenkirchen auswärts antreten muss, wird die Qualifikation für die Champions League, die einer absoluten Sensation gleichkommen würde, wohl schwierig, wenn auch nicht unmöglich. Dass die Hessen aber ins obere Drittel der Bundesliga gehören, haben sie in dieser Saison bereits oft genug gezeigt – und dafür sollte es in jedem Fall reichen. Und mit der Karte Pokal-Halbfinale hat die Eintracht im Rennen um Europa gar noch ein weiteres Ass im Ärmel. Ob das Augenmerk in der Schlussphase der Saison aber eher in Richtung Champions oder in Richtung Europa League geht, wird wohl auch maßgeblich vom Ausgang der Partie am Samstag bei Bayer 04 abhängen.

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