
Nach zuletzt sieben Spielen ohne Sieg hat die Eintracht am vergangenen Dienstag erstmals wieder gewonnen. Beim 2:0-Erfolg im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den 1. FC Union Berlin zeigten die Hessen über weite Strecken eine sehr überzeugende Leistung. „Wir haben eine grandiose erste Halbzeit gespielt, die Jungs haben insgesamt eine tolle Visitenkarte abgegeben“, freute sich Cheftrainer Oliver Glasner.
Die Erleichterung darüber, endlich wieder einen Sieg eingefahren zu haben, war bei allen Frankfurtern spürbar groß. Schlecht gespielt hatten sie auch zuvor nur selten. „Wir waren zuletzt oft unglücklich im Abschluss – und das war heute das Entscheidende, dass wir das besser gemacht haben“, analysierte Mario Götze, der beide Treffer von Randal Kolo Muani glänzend vorbereitet hatte. Innerhalb von nur 93 Sekunden waren dem Franzosen beide Treffer schon in der Anfangsphase gelungen.
In der Liga befinden sich die Frankfurter derzeit in einer kleinen Ergebniskrise. Ähnlich wie in der vergangenen Saison, als die Eintracht nach Platz 4 in der Hinrunde am Ende nur auf Rang 11 landete, ist Europa für den aktuellen Tabellensechsten auch nun wieder in Gefahr. In der letzten Spielzeit hatten die Hessen, als die internationalen Plätze außer Sicht geraten waren, den Fokus voll und ganz auf die Europa League gelegt, den Titel tatsächlich gewonnen und sich damit für die Champions League qualifiziert, wo sie kürzlich erst im Achtelfinale am SSC Neapel gescheitert waren (0:2, 0:3). Diesmal aber ist die Situation eine andere. „Es gibt überhaupt keinen Grund, uns nur auf einen Wettbewerb zu konzentrieren“, sagt Glasner. Zwar rechnet sich die Eintracht im DFB-Pokal, wo am Sonntag ihr Halbfinalgegner ausgelost wird, gute Chancen auf einen erneuten Titelgewinn aus – damit wäre sie in der kommenden Saison in der Europa League startberechtigt. Aber sie will nun auch in der Liga wieder in die Spur finden. Der Sieg gegen Union soll der Befreiungsschlag gewesen sein. „Das ist jetzt der Gradmesser“, sagt Kapitän Sebastian Rode. „Wir waren voll da, griffig – und den Rest hat Kolo erledigt.“
Nun also folgt die Auswärtspartie in Leverkusen beim Tabellennachbarn und direkten Konkurrenten um Platz sechs. Am 22. Spieltag betrug der Vorsprung der Eintracht vor Bayer 04 noch 10 Punkte. Nun, fünf Spieltage später, trennt die beiden nur noch ein Punkt. Und auch der 1. FSV Mainz 05, der wie die Werkself 40 Zähler aufweist, sowie der VfL Wolfsburg (39) drängen von hinten.
Beim 2:0-Pokalsieg gegen Union Berlin ließ Oliver Glasner in derselben Startformation spielen wie zuvor beim 1:1 gegen den VfL Bochum 1848. Überhaupt sah der Eintracht-Cheftrainer zuletzt wenig Grund für personelle Veränderungen. Lediglich die Verletzung von Innenverteidiger Hrvoje Smolcic in der Länderspielpause zwang zu einer Umstellung. Der Kroate hatte sich bei einem Einsatz für die U21 seines Landes eine Außenmeniskusverletzung zugezogen und fällt für den Rest der Saison aus. Für ihn rückte Routinier Makoto Hasebe (39) ins Zentrum der Dreierkette. Links hinten ist Evan Ndicka gesetzt, auf der rechten Seite vertraute Glasner in den beiden vergangenen Spielen dem eigentlichen Sechser Kristijan Jakic. Dort hatte zuvor der Brasilianer Tuta seinen Dienst versehen, bis er gegen Bochum gelbgesperrt pausieren musste.
Im zentralen Mittelfeld dürften wie zuletzt Kapitän Sebastian Rode und der Schweizer Djibril Sow zum Einsatz kommen. Möglich aber auch, dass für einen der beiden Daichi Kamada ins Team rückt. Als Schienenspieler sind Aurélio Buta (rechts) und der im Januar dieses Jahres von PSV Eindhoven ausgeliehene Philipp Max (links) erste Wahl. Für Max könnte jedoch auch Christopher Lenz mal wieder eine Chance von Beginn an erhalten. In der Offensive waren die Positionen in den vergangenen drei Bundesligaspielen wie auch im DFB-Pokal-Viertelfinale klar verteilt: Rafael Borré kam über die rechte Seite, Mario Götze über links. Ganz vorne sorgt der überragende Randal Kolo Muani für Furore. Der ehemalige Bayer 04-Profi Lucas Alario bringt es bislang nur auf zwei Startelf-Einsätze (16 Einwechselungen). Beim 5:1-Sieg gegen seinen alten Klub in der Hinrunde gelang ihm sein einziger Bundesliga-Saisontreffer.
Fehlen werden der Eintracht in Leverkusen neben Hrvoje Smolcic auch Offensivakteur Jesper Lindström (Sprunggelenkverletzung) und Verteidiger Almamy Touré (muskuläre Probleme).
Kolo Muani sei so etwas „wie die sportliche Lebensversicherung der Eintracht“, schrieb kürzlich die FAZ über den Stürmer der Hessen. 19 Pflichtspieltore und 16 Assists in dieser Saison sind wahrlich beeindruckende Zahlen. Der 24 Jahre alte Franzose aus Bondy wurde im vergangenen Sommer vom FC Nantes für fünf Jahre verpflichtet und erwies sich als absoluter Volltreffer. Geschmeidig, dribbelstark, antrittsschnell: „Kolo ist Woche für Woche überragend, man kann nur in Superlativen von ihm reden“, schwärmt Sebastian Rode vom Kollegen. Der Franzose profitiert dabei aber auch von den vielen hohen Ballgewinnen, die die Eintracht auszeichnen. Nur die Bayern erzielten auf diese Art mehr Tore (acht) als die Frankfurter (sechs), die definitiv zu den stärksten Pressingteams der Liga zählen.
Die Abhängigkeit von Kolo Muani ist jedoch auch so etwas wie die Achillesferse im Frankfurter Spiel. „Kolo kann nicht in jeder Partie zwei, drei Tore machen. Da gilt es, die Last auf mehrere Schultern zu verteilen“, hat Kapitän Rode erkannt. Der Trainer wiederum verweist darauf, dass man im Offensivspiel zuletzt sehr variabel gewesen sei und klare Torchancen gehabt habe. „Der nächste und wichtigere Schritt ist die Effizienz beim Verwerten der Chancen“, sagt Glasner. Daichi Kamada, mit sieben Toren und sechs Assists nach Kolo Muani bester Scorer im Team, hat in der Liga seit Oktober 2022 nicht mehr getroffen. Jesper Lindström (sieben Tore, vier Assists) ist derzeit verletzt.
Auch in der Defensive hat Mittelfeldspieler Djibril Sow einen besonderen Schwachpunkt ausgemacht: „Die letzten Gegentore fielen eigentlich fast alle nach Standards oder langen Bällen. Das müssen wir verbessern.“ Tatsächlich haben die Frankfurter bereits 17 Gegentore nach Standardsituationen kassiert, das ist der drittschlechteste Wert in der Bundesliga.
In den vergangenen Jahren gab’s für die Eintracht nichts zu holen in Leverkusen. Die letzten acht Pflichtspiele in der BayArena verloren die Frankfurter allesamt. Meist waren es sogar sehr deutliche Siege der Werkself, das Torverhältnis aus Sicht der Hessen: 4:29. „In Leverkusen ist es für uns brutal schwer, aber wir wollen alles aus der Vergangenheit ausblenden, um dort mal wieder drei Punkte zu holen“, sagt Sebastian Rode, der neben Torhüter Kevin Trapp der einzige Spieler des aktuellen Kaders ist, der im Dezember 2013 beim letzten Sieg der Eintracht in Leverkusen (1:0) schon bei der SGE unter Vertrag stand. Bei einer Niederlage in Leverkusen und gleichzeitigen Siegen von Mainz und Wolfsburg könnten die Hessen an diesem Osterwochenende auf Rang 9 abrutschen. Klar, dass sie das unter allen Umständen verhindern wollen. „Uns erwartet in Leverkusen ein schweres Auswärtsspiel, aber wir sind gut drauf und müssen diesen Spirit einfach mitnehmen“, sagt Randal Kolo Muani, der sich besonders aufs Wiedersehen mit seinem Freund Moussa Diaby freut.

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