
„So richtig schlecht“, sagt Trainer Frank Kramer, „haben wir nur ein einziges Mal gespielt“. Wann? Aber gewonnen hat sein Team eben noch immer nicht in dieser Saison. Auch nach dem 6. Spieltag wartet Arminia Bielefeld noch auf den ersten Sieg in dieser Bundesliga-Spielzeit. Stattdessen setzt sich Kramers Eichhörnchen-Trend fort: Seit der Coach die Ostwestfalen im März übernahm, hat er 9 seiner 18 Bundesligaspiele mit einem Remis beendet – und fast wären es 10 geworden: Zuletzt deutete nämlich auch im Auswärtsspiel bei Union Berlin viel auf ein Unentschieden hin, erst in der 88. Minute kassierte Bielefeld beim Europapokal-Teilnehmer noch das bittere 0:1. Mit vier Punkten durch vier Unentschieden liegt die Arminia damit vorerst auf Rang 16. Kurios: In allen Bundesligaspielen mit Bielefelder Beteiligung in dieser Saison fielen erst neun Tore – geteilter Tiefstwert mit Mainz und genau so viele Treffer, wie im Erstrundenspiel des DFB-Pokals des DSC. Dort gab es gegen Regionalligist Bayreuth einen spektakulären 6:3-Erfolg.
Die Liste mit Ausfällen ist überschaubar bei der Arminia. Vor allem betroffen: die Mittelfeldzentrale. Hier sollten eigentlich die beiden Neuzugänge Sebastian Vasiliadis und Edimilson Fernandes eine wichtige Rolle einnehmen – doch beide konnten noch kein einziges Spiel für ihren neuen Verein bestreiten. Immerhin: Beide Spieler konnten in dieser Woche wieder mit der Mannschaft trainieren. Während die Partie am Sonntag für Vasiliadis nach einem im Sommer erlittenen Syndesmose-Riss im Sprunggelenk wohl noch zu früh kommen wird; hofft Fernandes, Leihgabe aus Mainz, nach überstandenem Infekt zumindest auf einen Platz im Kader. Für die Startformation sind beide scheinbar noch keine Kandidaten, sodass wohl wieder die beiden Österreicher Manuel Prietl und Alessandro Schöpf die Doppelsechs besetzen dürften – wenn Letzterer eine Erkältung, die ihn unter der Woche außer Gefecht setzte, auskuriert hat.
Wieder zur Verfügung steht den Ostwestfalen der aus Genua ausgeliehene Linksverteidiger Lennart Czyborra, der in Berlin aufgrund einer Hüftprellung passen musste. Womöglich wird die Arminia seine Dienste am Sonntag sogar von Beginn an brauchen, denn der etatmäßige Linksverteidiger Jacob Laursen musste unter der Woche wegen Problemen am Fuß das Training vorzeitig abbrechen.
Gegen den Ball arbeitet Bielefeld gewohnt stark, die Defensive steht in dieser Saison weitgehend stabil. Erst sechs Gegentore hat Kramers Team kassiert, nur vier Teams aus dem oberen Tabellendrittel weniger. Eine große Überraschung ist das nicht, schließlich weiß die Arminia in Stefan Ortega einen der besten Torhüter der Liga in ihren Reihen und davor in Amos Pieper einen Innenverteidiger, der im Sommer Leistungsträger beim EM-Titelgewinn der deutschen U-21-Nationalmannschaft hat. Für gegnerische Angriffsreihen ist Bielefeld dadurch ein unangenehmer Gegner, zumal Spiele gegen die Ostwestfalen fast schon traditionell zweikampfintensiv sind. Nur zwei Teams bestritten in der laufenden Saison bislang mehr Zweikämpfe als der DSC.
Gerade in der Anfangsphase des Auswärtsspiels in Berlin wurde das große Manko der Bielefelder in dieser Saison augenfällig – und sie wussten es selbst: „Wir müssen es uns wieder ankreiden lassen, dass wir die Dinger nicht gemacht haben“, bilanzierte Mittelfeldspieler Schöpf selbstkritisch. „Die Torchancen sind da, auch hundertprozentige.“ Doch auch hundertprozentige Torchancen reichten gegen Union nicht für einen Treffer, in der gesamten Saison hat Bielefeld erst drei Treffer erzielt, nur der FC Augsburg kommt auf weniger. Dabei lassen die Ostwestfalen im ligaweiten Ranking noch einige Teams hinter sich, was abgegebene Torschüsse und herausgespielte Großchancen angeht – aber der Ertrag fehlt. Eine Chancenverwertung von 6 Prozent bedeutet den vorletzten Platz, eine Großchancenverwertung von 25 Prozent den drittletzten. „Wir müssen sehen, dass wir einmal in Führung gehen“, hofft Kramer. „Dann ergeben sich ganz andere Räume.“
Bielefeld hat, was ein Team braucht, um die Klasse zu halten: mannschaftliche Geschlossenheit, eine stabile Defensive und eine hohe taktische Disziplin. Nun muss die Arminia es nur schaffen, die Abschlussschwäche der ersten Spieltage abzustellen. Dann sollte auch der erste Saisonsieg nicht mehr allzu lang auf sich warten lassen – und der Klassenerhalt am Ende der Saison wäre mehr als nur realistisch.

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