
Der FC Augsburg präsentiert sich in den vergangenen Wochen formstark. Nur eines von acht Pflichtspielen ging verloren. Und das war eine 0:3-Niederlage beim FC Bayern München. Ansonsten standen zuletzt drei Remis und vier Siege zu Buche, darunter die beiden Pokalerfolge gegen den FC Schalke 04 (3:0) und beim Karlsruher SC (5:4 i.E.). Das Duell mit den Badenern im Achtelfinale war dabei an Dramatik kaum zu überbieten. Bis kurz vor Ende der Verlängerung sahen die Karlsruher wie die Sieger aus, erst in der dritten Minute der Nachspielzeit gelang dem FCA der 2:2-Ausgleich. Im Elfmeterschießen setzte sich der Bundesligist schließlich durch und erreichte damit zum ersten Mal seit 2019 wieder das Viertelfinale im DFB-Pokal. „Das war ein klassisches Pokalspiel mit dem glücklicheren Ende für uns und wir freuen uns, dass wir weiter dabei sind“, sagte Torhüter Finn Dahmen, der im Elfmeterschießen einmal parieren konnte und schon in der regulären Spielzeit einen Strafstoß gehalten hatte.
Drei Tage nach dem Pokalsieg tankten die Fuggerstädter noch einmal ordentlich Selbstvertrauen. Beim Tabellenzweiten Eintracht Frankfurt erkämpfte sich das Team von Trainer Jess Thorup am vergangenen Wochenende ein 2:2. Der Augsburger Coach sah in dem Auftritt seiner Mannschaft „eine Leistungssteigerung, weil wir nicht nur defensiv gut standen, sondern auch einige gute Offensivaktionen hatten“. Die Frankfurter Führung zu Beginn der zweiten Halbzeit beantworteten die Fuggerstädter mit dem Ausgleich durch Mittelstürmer Phillip Tietz. Seine starke Spielphase nutzte der FCA sogar per Abstauber von Samuel Essende zum zwischenzeitlichen 2:1 (71.). Kurz darauf egalisierte die Eintracht und rettete einen Punkt. „Insgesamt geht das Unentschieden in Ordnung“, befand Jess Thorup. „Es war ein Schritt in die richtige Richtung und ein verdienter Punktgewinn bei einem Top-Team.“ Mit dem 2:2 schloss Augsburg eine erfolgreiche Englische Woche ab. Die hatte vier Tage vor dem Pokalerfolg in Karlsruhe mit einem verdienten 1:0-Heimsieg gegen den VfL Bochum 1848 begonnen. In der Bundesliga rangiert der FC Augsburg aktuell mit 16 Punkten auf Platz 13. Der Vorsprung vor dem ersten direkten Abstiegsrang beträgt bereits elf Punkte, der Rückstand auf einen Platz im oberen Mittelfeld nur fünf Zähler.
Pokal-Torhüter Finn Dahmen musste bereits am vergangenen Wochenende in Frankfurt wegen einer Bänderverletzung in der Schulter passen und wird wohl auch am Samstag nicht im Spieltagskader der Augsburger stehen. Stammkeeper in dieser Saison ist ohnehin Nediljko Labrovic. Der Kroate kam im Sommer von HNK Rijeka an den Lech und stand bislang in allen zwölf Bundesligapartien zwischen den Pfosten. In der Abwehr verfügt Jess Thorup nun zumindest wieder über eine Alternative mehr. Der rechte Verteidiger Robert Gumny feierte nach seinem Kreuzbandriss, den er sich im März dieses Jahres zugezogen hatte, gegen Frankfurt sein Comeback. Der Pole wurde in der Schlussphase eingewechselt und stand zum 100. Mal in einem Pflichtspiel für Augsburg auf dem Platz.
Abwehrchef in der Dreierkette ist nach wie vor Kapitän Jeffrey Gouweleeuw. Der 33-jährige Niederländer spielt bereits seit Januar 2016 beim FCA, ist der älteste Akteur im Kader und mit seiner Erfahrung extrem wichtig fürs Team. Neben ihm verteidigen in der Regel Chrislain Matsima und Keven Schlotterbeck. Der Neuzugang vom SC Freiburg ist auch vorne gefährlich, hat bereits zwei Tore erzielt und einen Treffer vorbereitet. Matsima, 22 Jahre junger Leihspieler der AS Monaco, ist seit Mitte Oktober immer in der Startelf aufgelaufen. Aus dem Augsburger Mittelfeld nicht wegzudenken ist Elvis Rexhbecaj. „Er ist ein Soldat“, sagt sein Trainer. „Er macht alles für die Mannschaft. Er läuft, sprintet, macht Druck, versucht immer, den Spielern um ihn herum zu helfen und übernimmt Verantwortung. So einen braucht jede Mannschaft.“
In der Zentrale neben ihm spielten zuletzt der von Eintracht Frankfurt gekommene Kristijan Jakic und Frank Onyeka, den der FCA vom Premier-League-Klub FC Brentford ausgeliehen hat. Auch Arne Maier ist immer ein Kandidat für die Startelf. Als Schienenspieler auf der rechten Seite hat Marius Wolf seinen Stammplatz sicher. Der ehemalige Dortmunder durfte bislang in allen 13 Spielen fast immer von Beginn an ran. Auf der linken Außenbahn steht Henri Koudoussou zur Verfügung, der dort in den vergangenen Partien den verletzten Dimitris Giannoulis (Adduktoren) ersetzt hat. Aber auch der Grieche trainierte in dieser Woche wieder mit der Mannschaft und wird am Samstag wohl in den Kader zurückkehren. Vorne sind neben dem gesetzten Topscorer Phillip Tietz (fünf Tore, ein Assist) wahlweise Samuel Essende (drei Tore), Alexis Claude-Maurice (drei Tore, ein Assist) oder Ruben Vargas im Einsatz. Essende droht allerdings krankheitsbedingt für die Partie gegen die Werkself auszufallen.
Der FCA hat des öfteren Anlaufschwierigkeiten: In der laufenden Saison kassierten die Fuggerstädter bereits sieben Gegentore in der Anfangsviertelstunde. So viele wie sonst nur Holstein Kiel (ebenfalls sieben). Ein Schwachpunkt ist zudem das Abwehrverhalten bei Standards der Gegner. Neun Gegentore schluckte das Team nach solchen Situationen – nur Holstein Kiel kassierte noch ein Standardtor mehr. Auch in der „Luftabwehr“ sind die Augsburger anfällig. Acht Kopfball-Gegentore sind der schlechteste Wert in der Liga. Selbst das Spiel zu machen fällt dem Thorup-Team schwer. Das belegen nur knapp 41 Prozent Ballbesitz im Schnitt. Vor allem auswärts ist Augsburg oft harmlos. Nur zwei von insgesamt 16 Punkten holte der Klub auf des Gegners Plätzen und schoss dort nur vier Tore.
Zu Hause hingegen ist der FC Augsburg schwer zu bezwingen. In der WWK Arena sammelte das Team von Trainer Jess Thorup bislang 14 Punkte. Nur Borussia Dortmund (19) und der FC Bayern München (16) kommen hier ligaweit auf mehr Zähler. Alleine aus seinen vergangenen vier Heimspielen verbuchte Augsburg zehn Punkte (drei Siege, ein Remis). In den vergangenen beiden Partien vor den eigenen Fans blieb man jeweils ohne Gegentor. Nicht nur in Frankfurt bewiesen die Fuggerstädter nach einem Rückstand eine starke Moral. Auch beim 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund vor heimischem Publikum hatte man ein frühes 0:1 gut weggesteckt. Alexis Claude-Maurice war mit einem Doppelpack schließlich noch der Matchwinner gewesen. Der Franzose, im Sommer von OGC Nizza nach Augsburg gewechselt, erweist sich als große Verstärkung der Offensive. Insgesamt gehen 11 von 16 geschossenen Toren auf das Konto des Trios Tietz, Claude-Maurice und Essende. Die drei profitieren dabei oft vom schnellen Umschaltspiel der Rot-Grün-Weißen, die bereits vier Treffer nach Kontern erzielen konnten.

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