
Die letzten anderthalb Jahre verlebten Anhänger der Frankfurter Eintracht teilweise wie im Rausch: Erst der sensationelle Pokalsieg im Finale über den FC Bayern, dann die Fabel-Saison in der Europa League, die um ein Haar ebenfalls mit dem Einzug ins Endspiel geendet hätte. Noch immer zehrt der Verein von einer enormen Euphorie im Umfeld, der herausragenden Unterstützung durch die Fans und der ruhigen Hand von Trainer Adi Hütter. Dass bei einer derartigen Abgangswelle, wie sie Frankfurt zu verkraften hatte, nicht alles so rund läuft wie über weite Strecken des Vorjahres, war abzusehen. Und dennoch können die Hessen zufrieden sein mit ihrer bisherigen Saison. Gegen Talinn, Vaduz und Straßburg sicherte sich Frankfurt in der Qualifikation das erneute Ticket für die Europa League und damit die Chance auf weitere magische Nächte wie in der Vorsaison. Nach einer deutlichen Niederlage gegen den FC Arsenal zum Auftakt gelang zuletzt ein wichtiger Auswärtserfolg beim portugiesischen Vertreter Vitoria Guimaraes, die K.o.-Phase dürfte damit erneut realistisch sein. In der Bundesliga liegt Frankfurt drei Punkte hinter der Werkself auf Rang neun. In der heimischen Commerzbank-Arena, wo Bayer 04 am Freitag antreten muss, ist Hütters Team in der Liga bislang noch ungeschlagen, in der Heim-Tabelle liegt bislang sogar nur eine einzige Mannschaft vor den Frankfurtern – und die kommt aus Leverkusen.
Die „Büffelherde“ ist weitergezogen. Das wuchtige Sturm-Trio aus Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic, das maßgeblich an den jüngsten Erfolgen der Frankfurter beteiligt war, versucht sich nun in Madrid, London und Mailand. Qualitätsverlust? Nicht unbedingt. Denn Sportvorstand Fredi Bobic hat hochkarätigen Ersatz an Land gezogen: Von Sporting Lissabon kam Bas Dost, der in seiner Karriere eine eindrucksvolle Tor-Quote aufzuweisen hat – auch aus seiner Zeit in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg. Dazu kam im Tausch mit Rebic der Portugiese André Silva nach Frankfurt, in seiner Heimat immerhin trotz nicht ganz schwacher Konkurrenz einst Fußballer des Jahres. Beide zeigten bereits, dass es der Eintracht an Torgefahr auch ohne „Büffelherde“ keinesfalls mangelt: In jeweils vier Spielen trafen Silva und Dost drei beziehungsweise zweimal. Auch Silvas Landsmann, der kopfballstarke Goncalo Paciencia, blüht nach dem Abgang von Jovic, Haller und Rebic auf und steuerte bereits sechs Pflichtspieltreffer bei. Noch stärker im Vergleich zur Vorsaison ist die Eintracht in jedem Fall im zentralen Mittelfeld – auch dank Dominik Kohr. Der in Leverkusen ausgebildete Abräumer wechselte im Sommer von der Werkself nach Frankfurt und avancierte direkt zum Stammspieler. Neben ihm wussten in Moussa Sow (aus Bern) und Daichi Kamada (Rückkehr nach Leihe zu St. Truiden) zwei weitere Neuzugänge bislang zu überzeugen.
Für eines der Gesichter der starken Vorsaison ist die Vorrunde bereits beendet: Torhüter Kevin Trapp verletzte sich in der letzten Aktion des Auswärtsspiels bei Union Berlin schwer an der Schulter und musste operiert werden. 2019 wird der Nationalkeeper (drei Länderspiele) nicht mehr zum Einsatz kommen. Ob Ersatztorwart Frederik Rönnow, der gegen die Werkself beginnen wird, ein ähnlich starker Rückhalt ist, muss sich erst noch zeigen. Klar ist aber: Mit Trapp fehlt eine wichtige Persönlichkeit und Leader. Zudem muss die völlig neuformierte Offensive bei aller vorhandenen Qualität erst noch jenes blinde Verständnis entwickeln, das das Trio Jovic/Haller/Rebic im letzten Jahr auszeichnete.
Dass Frankfurt Spieler von internationalem Top-Format wie Silva oder Dost an Land zieht, wäre noch vor gut einem Jahr praktisch undenkbar gewesen. Der Verein hat sich unter Bobic schnell in die richtige Richtung entwickelt. Umfeld, Struktur und Fans eines Spitzenklubs hatten die Hessen ohnehin schon. Nachholbedarf – kein Spieler mit Bundesliga-Einsatz in dieser Saison kommt aus der eigenen Jugend – sah Sport-Vorstand Bobic offensichtlich noch in der Nachwuchsarbeit und engagierte hierfür unlängst einen großen Namen: Andreas Möller, Weltmeister von 1990, wird künftig das Nachwuchsleistungszentrum der Hessen leiten. Damit schließt sich ein Kreis: Der gebürtige Frankfurter Möller stammt selbst aus der Eintracht-Jugend.
Bis Silva, Dost und Paciencia derart harmonieren wie Rebic, Haller und Jovic könnte es sicher noch etwas dauern. An Torgefahr hat Frankfurt dennoch keinesfalls eingebüßt, zudem kommen nun mehr spielerische Akzente aus der Mittelfeld-Zentrale. Ob sich eine Fabel-Saison wie die letzte, in der streckenweise alles funktionierte, so wiederholen lässt, ist natürlich fraglich. Aber die Eintracht ist definitiv erneut ein Anwärter auf einen Platz im vorderen Ligadrittel – und wenn die Gruppenphase überstanden ist, ist mit den Fans im Rücken auch in der Europa League wieder alles möglich.


Durch das 2:0 (0:0) gegen den Hamburger SV haben die Bayer 04-Frauen den Anschluss an die Spitzenplätze in der Bundesliga hergestellt. Torschützin Cornelia Kramer spricht im Doppelinterview mit Kapitänin Carolin Simon über ihren „Dosenöffner“ und die Bedeutung des Heimsiegs für die kommenden Wochen.
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