
„Wir standen heute zu weit auseinander, haben die Zweikämpfe nicht angenommen und kamen immer zwei Schritte zu spät. Das war heute kein Männerfußball von uns“, fand Kevin Volland nach dem Abpfiff deutliche Worte. „Das war heute einfach nix. Wir müssen uns jetzt im Saisonendspurt noch einmal alle zusammenreißen.“ Auch Sven Bender war angefressen: „Bei uns hat die Bereitschaft gefehlt, alles zu investieren. Dann kriegst du eben auch verdient so eine Packung."
Sportdirektor Rudi Völler meinte: „Das war eine Klatsche, die weh tut und die wir aufarbeiten müssen in den nächsten Tagen. Wir waren viel zu brav, zu naiv in den Zweikämpfen."
Bayer 04-Cheftrainer Heiko Herrlich musste heute erstmals in dieser Saison auf Torhüter Bernd Leno verzichten. Die Nummer 1 der Werkself stand wegen einer leichten Knieverletzung, die noch aus dem Leipzig-Spiel herrührte, nicht im Kader. Für ihn hütete Rambo Özcan das Tor der Werkself, der damit zu seinem ersten Bundesligaeinsatz überhaupt für Bayer 04 kam. Darüber hinaus nahm Herrlich vier weitere personelle Veränderungen im Vergleich zum Pokalspiel gegen die Bayern vor. Für den gelbgesperrten Lars Bender verteidigte Benny Henrichs hinten rechts in der Viererkette. Anstelle von Julian Baumgartlinger übernahm Dominik Kohr die Sechser-Position. Für Kai Havertz und Karim Bellarabi kamen Leon Bailey und Lucas Alario in die Startelf.
Das Topspiel des 31. Spieltages zwischen dem Tabellenvierten Borussia Dortmund und dem Tabellendritten Bayer 04 ließ sich auch Bundestrainer Joachim Löw als Zuschauer im Signal-Iduna-Park nicht entgehen. Als Kapitän führte heute Kevin Volland seine Mannschaft bei sommerlichen 26 Grad aufs Feld. Beide Mannschaften gingen gleich ordentlich zur Sache, die Werkself mit der ersten guten Aktion, als es beim Umschaltspiel schnell über Brandt und Alario in Richtung Dortmunder Tor ging. Der Abschluss des Argentiniers ging rechts vorbei (8.). Im Gegenzug die erste Chance für die Gastgeber durch Mario Götze, dessen Schuss von Kohr zur Ecke abgefälscht wurde (9.).
Dann wurde es richtig gefährlich vor dem Tor der Werkself, als Sancho alleine vor Özcan auftauchte und der Bayer 04-Keeper dessen Schuss klasse entschärfen konnte (11.). Zwei Minuten später war Özcan allerdings machtlos: Wieder war Sancho plötzlich völlig frei, weil Henrichs beim Pass von Pulisic weggerutscht war. Diesmal blieb der 18-jährige Dortmunder eiskalt und schob zur 1:0-Führung ein (13.).
Die Schwarz-Gelben jetzt extrem druckvoll, Henrichs brachte in höchster Not noch eine Fußspitze an den Schuss von Pulisic (15.). Nach 25 Minuten hatte die Werkself die erste Druckphase der Dortmunder erst einmal überstanden.
Aber dann ging es wieder hoch her im Leverkusener Strafraum. Marco Reus hämmerte die Kugel auf Zuspiel von Philipp in die Maschen - der Treffer zählte aber zu Recht nicht. Schiedsrichter Schmidt entschied nach Videobeweis auf Abseitsstellung von Philipp (35.). Nur 120 Sekunden später hatte Reus erneut das 2:0 auf dem Fuß. Nach einem Foul von Panos Retsos an Pulisic zeigte der Unparteiische auf den Elfmeterpunkt. Rambo Özcan parierte den Strafstoß glänzend und verhinderte einen höheren Rückstand (37.). Dann musste Jonathan Tah verletzt runter, für ihn kam Tin Jedvaj, der auf die rechte Abwehrseite rückte. Henrichs wechselte auf links, Retsos übernahm mit Sven Bender die Innenverteidigung. Aber die Werkself tat sich weiterhin äußerst schwer gegen aggressiv spielende Dortmunder, die zur Pause durchaus höher hätten führen können.
Zur zweiten Hälfte brachte Herrlich Kai Havertz für Leon Bailey. Von der Werkself musste jetzt mehr kommen. Doch die ersten guten Gelegenheiten erarbeiteten sich wieder die Dortmunder. Sancho bediente nach einem Dribbling Götze, dessen Schuss Retsos noch abblocken konnte (51.) Dann zirkelte Reus die Kugel an die Latte (52.). Auch die Werkself kam jetzt mal zu Abschlüssen durch Dominik Kohr (53.) und Havertz (54.), dessen Schuss nur knapp drüber ging.
Den nächsten Treffer aber erzielten die Schwarz-Gelben. Götze steckte links auf Reus durch, der noch Özcan umkurvte und aus spitzem Winkel zum 2:0 für die Gastgeber einschieben konnte (55.). Ein Treffer, der Wirkung zeigte. Bayer 04 zwar bemüht und mit guter Moral, aber ohne Durchschlagskraft in der Offensive. Und in der Defensive bekam das Team von Heiko Herrlich die Dortmunder nicht in den Griff. So schloss der BVB einen blitzschnellen Angriff über Akanji und Sancho schließlich durch Maximilian Philipp zum 3:0 ab (63.). Damit war die Partie entschieden.
Bayer 04 kam zwar noch zu einer dicken Chance durch Kai Havertz, der mit einer Direktabnahme an BVB-Keeper Bürki scheiterte (74.). Aber es wollte heute nichts gelingen. Bei den Dortmundern hingegen klappte alles. Reus erhöhte nach Flanke von Sancho per Kopfball sogar noch auf 4:0 (78.).
Es war ein enttäuschender Abend für die Werkself. Immerhin gab's noch einen Gänsehaut-Moment für Sven Bender: Der ehemalige und langjährige Dortmunder wurde von den BVB-Fans in der Südkurve lautstark gefeiert.
Weiter geht es für die Werkself nun am kommenden Samstag mit dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Die Partie in der BayArena am 28. April beginnt um 18.30 Uhr.
Die Statistik:
Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Akanji - Weigl - Pulisic (71. Dahoud), Reus (86. Gomez), Götze, Sancho - Philipp (81. Toljan)
Bayer 04: Özcan – Henrichs, Tah (43. Jedvaj), S. Bender, Retsos – Kohr, Aránguiz – Brandt, Volland, Bailey (46. Havertz)- Alario (69. Bellarabi)
Tore: 1:0 Sancho (13.), 2:0 Reus (55.), 3:0 Philipp (63.), 4:0 Reus (78.)
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Gelbe Karten: -
Besondere Vorkommnisse: Özcan hält einen Elfmeter von Reus (37.)
Zuschauer: 81.300

Ein Überblick über die Ticket-Verkäufe zu den Heim- und Auswärtsspielen der Werkself.
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Dieses besondere Event hat einmal mehr gezeigt, wie stark Bayer 04 zusammenhält: Im Rahmen von „BarmeniaGothaer schenkt Freude“ unterstützten die Werkself-Profis Edmond Tapsoba, Ibrahim Maza und Christian Kofane am Donnerstag in der Fanwelt den Verkauf individuell designter T-Shirts für den guten Zweck. Mehrere hundert Fans waren gekommen, um sich an der Charity-Aktion zu beteiligen. Der Leverkusener Hauptsponsor BarmeniaGothaer spendet den Erlös an die „Fondation Edmond Tapsoba“, die Menschen in Tapsobas Heimat Burkina Faso im herausfordernden Alltag unter die Arme greift.
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Drei Spieltage vor Saisonende können die Bayer 04-Frauen bei der SGS Essen einen Rekord knacken und einen weiteren einstellen. Auch rein sportlich ist die Mannschaft von Trainer Roberto Pätzold nach zuletzt drei Siegen in Folge im Auswärtsspiel am Sonntag (14 Uhr, Stadion an der Hafenstraße) in der Pflicht, um ihre Chance auf Platz drei zu wahren.
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Rüdiger Vollborn ist seit 40 Jahren im Klub, mit 401 Bundesliga-Einsätzen der Rekordspieler des Klubs und hat als einziger Bayer 04-Profi sowohl den UEFA-Cup (1988) als auch den DFB-Pokal (1993) gewonnen. Und auch nach seiner beeindruckenden Profi-Karriere blieb der gebürtige Berliner dem Werksklub weiter erhalten, arbeitete fortan neun Jahre als Torwarttrainer. Inzwischen ist Vollborn unterm Bayer-Kreuz als Fanbeauftragter und Klub-Archivar tätig. Seit Februar 2021 nimmt das personalisierte schwarz-rote Lexikon die Werkself-Fans in der Rubrik „Rudi erzählt...“ monatlich mit auf eine kleine Reise in die Geschichte von Bayer 04.
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