
Mit seiner einzigen personellen Veränderung im Vergleich zum 3:2 gegen Paderborn verpasste Peter Bosz der Werkself ein etwas offensiveres Gesicht: Karim Bellarabi ersetzte Julian Baumgartlinger und besetzte in der Offensive den rechten Flügel, in der Abwehr stellte der Bayer-04-Coach von Dreier-auf Viererkette um. "Mehr Grip auf das Spiel" versprach sich Bosz von dieser Maßnahme.
Und den brachte sein Team vom Start weg auf den Rasen der Düsseldorfer Arena. Im 4-1-4-1-System zeigte sich die Werkself sofort präsent und kombinierte sich schnörkellos in Richtung Fortuna-Tor. Bereits in der 4. Minute prüfte Kevin Volland mit einem ersten Abschluss Düsseldorfs Schlussmann Steffen. Der US-Amerikaner war noch auf dem Posten, aber wenige Augenblicke später dann auch machtlos - und erneut war Volland entscheidend daran beteiligt. Unwiderstehlich trat er Werkself-Stürmer über rechts an, ließ Hoffmann stehen und brachte den Ball scharf in die Mitte, wo Kerem Demirbay zum Einschuss bereit stand. Düsseldorfs Baker versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war und bugsierte den Ball vor der Leverkusener Nummer Zehn ins eigene Netz - die frühe Führung für Bayer 04 (6.). Beinahe hätte Karim Bellarabi gar noch für einen Doppelschlag gesorgt, sein abgefälschter Schuss landete jedoch nur am Außennetz (7.).
Für Lukas Hradecky wurde es erst nach rund einer Viertelstunde erstmals brenzlig. Bei Ayhans Freistoß von der Strafraumgrenze stand die schwarz-rote Mauer jedoch wie eine Eins und nahm dem Werkself-Schlussmann die Arbeit ab (15.). Bayer 04 ließ sich davon aber keineswegs beeindrucken – ganz im Gegenteil. Die mitgereisten Werkself-Anhänger hatten bereits kurze Zeit später gleich zweimal den Torschrei auf den Lippen. Zunächst stand Suttner bei Sven Benders Kopfball nach Demirbay-Ecke genau richtig und verhinderte auf der Torlinie den Einschlag (19.)., dann stand Demirbay selbst stand zum zweiten Mal an diesem Tag dicht vor seinem ersten Pflichtspieltreffer in schwarz-rot, sein Schlenzer aus rund 15 Metern drehte sich nur hauchdünn am linken Pfosten vorbei (23.).
Der zweite Treffer für Bayer 04 lag in dieser Phase in der Luft – und in der 33. Minute belohnte sich die Bosz-Elf schließlich für ihre bärenstarke Vorstellung: Demirbay chippte einen Freistoß aus dem Halbfeld butterweich in den Strafraum, wo sich Charles Aránguiz davongestohlen hatte, den Ball mit der Brust mitnahm und anschließend wuchtig unter die Latte hämmerte. Zunächst verweigerte Schiedsrichter Patrick Ittrich dem Treffer wegen eines vermeintlichen Handspiels die Anerkennung, doch der Video-Assistent schaltete sich ein und stellte klar: Dieser Treffer war fußballerisch wie regeltechnisch blitzsauber. Mit etwas Verzögerung also brandete der Jubel im Gästeblock auf – 2:0 für die Werkself.
Bayer 04 zelebrierte nun dieses erste Auswärtsspiel mit mehreren gelungen Kombinationen geradezu und legte noch einen weiteren Treffer nach. Erneut verdiente sich Kevin Volland mit einer sehenswerten Vorarbeit seine Meriten, der Angreifer vernaschte Hoffmann rechts im Strafraum und bewies Auge für Karim Bellarabi, der trocken zum 3:0 vollendete (38.). Die Spielfreude der Werkself konnte zu diesem Zeitpunkt nur noch durch eines gestoppt werden – den Halbzeitpfiff.
Doch die Bosz-Elf machte auch nach Wiederbeginn genau da weiter, wo sie aufgehört hatte: mit Vollgasfußball. Nur 30 Sekunden waren im zweiten Abschnitt gespielt, als Karim Bellarabi freistehend an Steffen scheiterte, der mit einer hervorragenden Fußabwehr das 0:4 verhinderte (46.). Nachdem auch ein Distanzkracher des omnipräsenten Demirbay am Tor vorbeizischte (58.) und Steffen nach einem Konter ein weiteres Mal glänzend gegen Bellarabi parierte (64.), schaltete die Werkself bei drückenden Temperaturen einen Gang zurück – die Partie war zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden.
Die Hausherren steckten trotz des deutlichen Rückstands aber zu keinem Zeitpunkt auf. Hradecky musste gegen Bodzek erstmals in dieser Partie sein ganzes Können unter Beweis stellen (70.), Morales (76.) und Ayhan (80.) kamen zu weiteren Möglichkeiten. Nicht ganz unverdient fiel daher auch noch der Ehrentreffer für die engagierten Düsseldorfer: Morales überwand Hradecky zum 1:3-Endstand (82.). Am verdienten Erfolg für Bayer 04 änderte das freilich nichts mehr, die Mannschaft durfte sich vor dem ausverkauften Gästeblock gebührend feiern lassen. Erstmals seit 2015 startet Bayer 04 damit wieder mit zwei Siegen in eine Bundesliga-Saison. Ebenfalls erfreulich aus schwarz-roter Sicht: Sowohl Moussa Diaby (66. für Leon Bailey) wie auch Nadiem Amiri (83. für Kerem Demirbay) feierten durch ihre Einwechslungen ihr Bundesliga-Debüt für die Werkself.
Die Brust sollte also nicht nur bei diesen beiden Akteuren breit sein, wenn Bayer 04 am kommenden Samstag (31. August, 15.30 Uhr) in der BayArena 1899 Hoffenheim zu Gast hat. Die Kraichgauer holten sich mit 3:2 gegen Werder Bremen den ersten Saisonsieg.
Die Statistik:
Bayer 04: Hradecky – L. Bender, Tah, S. Bender, Wendell – Aránguiz – Bellarabi, Havertz, Demirbay (83. Amiri), Bailey (66. Diaby) – Volland (77. Alario)
Fortuna Düsseldorf: Steffen - Zimmermann, Ayhan, Hoffmann, Gießelmann - Morales, Baker (67. Bodzek) - Thommy, Suttner (46. Tekpetey) - Karaman (59. Kownacki), Hennings
Tore: 0:1 Baker (Eigentor, 6.), 0:2 Aránguiz (33.), 0:3 Bellarabi (38.), 1:3 Morales (82.)
Schiedsrichter: Patrick Ittrich (Hamburg)
Gelbe Karten: Baker, Zimmermann, Morales - Tah
Zuschauer: 44.000

Ein Überblick über die Ticket-Verkäufe zu den Heim- und Auswärtsspielen der Werkself in allen Wettbewerben.
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Rüdiger Vollborn ist seit 40 Jahren im Klub, mit 401 Bundesliga-Einsätzen der Rekordspieler des Klubs und hat als einziger Bayer 04-Profi sowohl den UEFA-Cup (1988) als auch den DFB-Pokal (1993) gewonnen. Und auch nach seiner beeindruckenden Profi-Karriere blieb der gebürtige Berliner dem Werksklub weiter erhalten, arbeitete fortan neun Jahre als Torwarttrainer. Inzwischen ist Vollborn unterm Bayer-Kreuz als Fanbeauftragter und Klub-Archivar tätig. Seit Februar 2021 nimmt das personalisierte schwarz-rote Lexikon die Werkself-Fans in der Rubrik „Rudi erzählt...“ monatlich mit auf eine kleine Reise in die Geschichte von Bayer 04.
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