
Peter Bosz veränderte seine Startelf im Vergleich zum Spiel bei der TSG 1899 Hoffenheim auf drei Positionen: Für die verletzten Lars Bender und Karim Bellarabi sowie Tin Jedvaj (Bank) rückten Mitchell Weiser, Wendell und Charles Aránguiz ins Team. Kai Havertz übernahm für Bellarabi die Position auf der rechten Außenbahn. Die Leipziger, die seit neun Bundesligaspielen ungeschlagen waren, mussten kurzfristig auf ihren Top-Torjäger Yussuf Poulsen verzichten, der beim 3:0 im Hinspiel doppelt gegen die Werkself getroffen hatte und heute wegen einer Erkältung fehlte.
Die Gastgeber gingen deutlich aktiver in die Partie und kontrollierten das Geschehen von Beginn an. Den ersten Abschluss verzeichneten aber die Leipziger in Person von Timo Werner, der vom rechten Strafraumeck jedoch weit am Tor vorbei schoss (8.). Zwei Minuten später dann die verdiente Führung für die überlegene Werkself. Kevin Volland kam links im Strafraum an den Ball, versetzte Orban mit einer Körpertäuschung und wurde von diesem zu Fall gebracht. Ein klarer Elfmeter! Kai Havertz verwandelte ganz cool und sicher ins linke untere Eck zum 1:0 für Bayer 04 (11.).
Kurz darauf hatte Volland nach feinem Pass von Julian Brandt das 2:0 auf dem Fuß, aber die Nummer 31 der Werkself scheiterte mit dem Außenrist an RB-Keeper Gulacsi (15.). Zwei Minuten später führte eine erneute Standardsituation zum schmeichelhaften 1:1-Ausgleich. Aránguiz foulte Werner an der Strafraumgrenze, den fälligen Freistoß schlenzte Sabitzer aus 17 Metern über die Mauer ins rechte Toreck (17.).
Doch die Schwarz-Roten ließen sich durch das Gegentor nicht aus dem Konzept bringen - und hatten in Kai Havertz wieder einmal den Mann für die besonderen Momente in ihren Reihen: Nach einer Ecke von Bailey und einer Kopfballablage von Baumgartlinger landete der Ball bei Havertz, der die Kugel aus der Drehung und volley mit links ins linke Toreck knallte. Vom Innenpfosten schlug der Ball zum 2:1 im Netz ein (23.). Ein Traumtor des Youngsters.
Bayer 04 blieb die tonangebende Mannschaft und setzte die bis dato beste Defensive der Liga immer wieder mächtig unter Druck. Gulacsi klärte per Fußabwehr gegen Volland nach scharfer Hereingabe von Bailey (26.). Aber dass man sich gegen Leipzig keine Nachlässigkeiten erlauben darf, wurde in der 37. Minute deutlich. Nachdem Bailey den Ball im Mittelfeld verloren hatte, lief Werner auf Hradecky zu, legte sich den Ball aber etwas zu weit vor, so dass Aránguiz ihm die Kugel vom Fuß spitzeln konnte. Ein ganz wichtiger Zweikampf-Gewinn. Dann aber stürmte wieder die Werkself. Nach Pass von Weiser schoss Brandt nur knapp am linken Pfosten vorbei (39.). Gar keine Frage: Die 2:1-Führung der Werkself zur Pause war hoch verdient.
Die Gastgeber begannen auch die zweiten 45 Minuten in einem hohen Tempo. Sechs Minuten nach Wiederanpfiff jubelten die Fans in der BayArena schon wieder, als Bailey nach einem schnellen Angriff die Kugel aus vollem Lauf in die Maschen drosch. Der Treffer zählte aber nicht, weil Schiedsrichter Welz den Videobeweis zu Rate zog: Volland soll beim Abspiel von Wendell auf Bailey im Abseits gestanden haben. Das Tor wurde nicht anerkannt, es blieb beim 2:1.
Die Partie wurde phasenweise etwas ruppiger und hektischer. Es blieb ein enges Spiel, weil die Leipziger nun offensiv mehr investierten - und nach einer Einzelleistung von Timo Werner den Ausgleich erzielten. Werner setzte sich am linken Strafraumeck gegen Weiser durch und schlenzte den Ball unhaltbar für Hradecky ins rechte Eck zum 2:2 (63.).
Dann führte eine höchst umstrittene Szene zur 3:2-Führung für die Gäste. Schiedsrichter Tobias Welz nahm erneut den Video-Assistenten in Anspruch, nachdem Weiser im Strafraum der Ball an die Fingerspitzen gesprungen war und zeigte anschließend auf den Elfmeterpunkt. Eine äußerst zweifelhafte Entscheidung. „Aus meiner Sicht ein unabsichtliches Handspiel und deshalb kein Elfmeter", meinte auch Schiedsrichter-Experte Markus Merk beim Pay-TV-Sender Sky. Forsberg ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte den Strafstoß zum 3:2 für Leipzig (72.).
Die Werkself stemmte sich gegen eine drohende Niederlage. Bosz brachte Alario für Baumgartlinger. Und der Argentinier hätte fast das 3:3 gemacht - sein Kopfball strich nur Zentimeter am Tor vorbei (75.). Doch dann konterten die Gäste eiskalt. Der eingewechselte Cunha machte nach einer starken Einzelaktion und einem Heber über Hradecky das entscheidende 4:2 für Leipzig (83.). Brutal aus Leverkusener Sicht. Am Ende musste sich Bayer 04 trotz zweimaliger Führung mit 2:4 geschlagen geben.
Doppel-Torschütze Kai Havertz sagte nach dem Abpfiff: „Wir haben uns natürlich mehr erhofft, vor allem, wenn man die erste Halbzeit sieht. Da hatten wir das Spiel ganz klar im Griff. Für mich sieht Mitchell vor dem Elfmeter für Leipzig nicht mal den Ball. Es ist mir ein Rätsel, wie man da Elfmeter geben kann. Trotzdem war es am Ende zu wenig von uns. Wir verlieren die Bälle zu einfach, laufen dann in zu viele Kontersituationen. Wir werden aber den Kopf nicht in den Sand stecken. Es wird schwer jetzt, wir haben aber noch sechs Spiele und eine gute Mentalität in der Mannschaft, so dass wir auch solche Niederlagen wegstecken können."
Für die Werkself geht's am Samstag, 13. April, mit dem Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart weiter. Die Partie in der Mercedes-Benz-Arena wird um 15.30 Uhr angepfiffen.
Die Statistik:
Bayer 04: Hradecky – Weiser, Tah, S. Bender, Wendell – Aránguiz, Baumgartlinger (74. Alario), Brandt – Havertz, Volland (81. Paulinho), Bailey
RB Leipzig: Gulacsi - Klostermann (46. Mukiele), Konaté, Orban, Halstenberg - Laimer - Haidara (46. Cunha), Kampl - Forsberg (85. Demme) - Sabitzer, Werner
Tore: 1:0 Havertz (11., FE), 1:1 Sabitzer (17.), 2:1 Havertz (23.), 2:2 Werner (64.), 2:3 Forsberg (72., HE), 2:4 Cunha (83.)
Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden)
Gelbe Karten: Aránguiz, Tah - Orban
Zuschauer: 28.345

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