
Es war mein letztes großes Turnier als Spieler, dabei hatte ich schon längst meinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Doch Bundestrainer Berti Vogts holte mich noch einmal zurück in den Kreis der DFB-Elf, und so fuhren wir also alle zusammen hochmotiviert und total optimistisch zur Weltmeisterschaft 1994 in den USA. „Far away in America“ hieß der WM-Song, den wir damals mit den „Village People“ eingesungen hatten – unser ganz spezieller American Dream in Noten.
Eine WM in den Vereinigten Staaten – nicht nur damals war das eine echte Herausforderung für den Fußball. In die Phalanx der großen amerikanischen Sportarten wie Football, Basketball oder Baseball einzudringen, war und ist nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Auch Eishockey hat dort ja einen noch größeren Stellenwert als das größte Spiel der Welt. Als aber dann vor 32 Jahren das Turnier endlich losging, strömten nicht nur die internationalen Gäste, sondern auch die US-Amerikaner in die riesigen Arenen in Chicago, New York oder Pasadena. Es klingt fast verrückt, aber die WM 1994 ist bis heute das FIFA-Turnier mit den größten Zuschauerzahlen aller Zeiten. Sie hatten die größten Stadien, und alle waren sie randvoll mit Fans.
Als Titelverteidiger hatte man uns Deutsche damals natürlich erneut auf der Rechnung. Vier Jahre nach dem verdienten Triumph von Rom hatten wir eigentlich sogar eine noch bessere Mannschaft. Junge Spieler wie Effenberg, Sammer oder Möller waren hinzugekommen, die Qualität des Kaders war außergewöhnlich. Aber nicht immer gewinnen die besten Teams, wenn der Mannschaftsgeist nicht entsprechend ist. Und so schieden wir im Viertelfinale gegen Bulgarien überraschend aus. Zuvor im Achtelfinale war mir noch einmal im Spätherbst meiner Karriere ein tolles Spiel vergönnt. Beim 3:2 gegen Belgien schoss ich zwei Tore, die letzten beiden meiner Länderspiel-Karriere. Für mich persönlich nochmals ein schönes Erlebnis.

Natürlich werde ich hin und wieder auch daran zurückdenken, wenn wir im kommenden Sommer wieder in die USA aufbrechen werden. Oder an die unglaubliche Hitze, der wir in diesem Sommer zumindest durch das eine oder andere „Hallenspiel“ ein bisschen entgehen können. Damals, 1994 in Dallas gegen Südkorea, da konnte man einfach nicht Fußball spielen – so heiß war es.
Inzwischen ist der amerikanische „Soccer“ insgesamt gewachsen. Lionel Messi spielt dort in der MLS, Thomas Müller oder Luis Suárez auch – die Popularität des Spiels hat sich aktuell auch durch die teilweise großen Namen gesteigert. Ende der 1970er Jahre hatte man das auch schon mit Persönlichkeiten wie Pelé oder Beckenbauer versucht. Es gelang nicht nachhaltig und es wird interessant sein, die Entwicklung in den nächsten Jahren zu beobachten.
Mit Kanada und vor allem Mexiko, einem im wahrsten Sinne des Wortes fußballverrückten Land, kommen im Sommer nun zwei weitere Länder als Co-Gastgeber hinzu. Nicht nur deshalb bin ich mir sicher, dass auch diese WM am Ende ein Erfolg sein wird, trotz zurzeit schwieriger weltpolitischer Verhältnisse. Ich hoffe sehr darauf, dass sich die globalen Krisensituationen bis dahin verbessern werden. In jedem Fall wollen und werden wir versuchen, den Menschen in Deutschland und auch überall sonst mit guten Leistungen bei der WM ein bisschen Freude zu bereiten. „Far away in America.“

Bei der bis dato letzten Fußball-Weltmeisterschaft in den USA im Jahr 1994 war Rudi Völler noch als Spieler im Einsatz und drang mit der deutschen Nationalmannschaft bis ins Viertelfinale vor. In diesem Sommer reist der 65-Jährige als DFB-Sportdirektor zu dem Turnier, das neben den USA auch in Kanada und Mexiko ausgetragen wird. Vorab blickt Völler zurück und nach vorn...
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