
Dennoch zeigten sich die Leverkusener Verantwortlichen nach der Auslosung einigermaßen geschockt von den Hochkarätern, die ihnen das „Losglück“ beschert hatte: Juventus Turin, FC Arsenal und Deportivo La Coruna! Das musste erst einmal verdaut werden. Manager Reiner Calmund, der bei der Veranstaltung in Genf natürlich vor Ort war, fand aber gewohnt schnell wieder seine Worte und konnte dem Ganzen viel Positives abgewinnen: „Das ist natürlich eine Hammer-Gruppe. Aber sie hat auch etwas Großartiges durch die prominenten Gegner mit ihren vielen Stars. Wir freuen uns also auf die Knaller.“

Was die Gegner an Namen zu bieten hatten, las sich in der Tat wie das Who´s who der europäischen Fußball-Elite. Um nur einige zu nennen: Sol Campbell, Ashley Cole, Dennis Bergkamp, Robert Pires, Patrick Vieira und Thierry Henry spielten beim FC Arsenal; Gianluigi Buffon, Lilian Thuram, Gianluca Zambrotta, Edgar Davids, Pavel Nedved, Alessandro del Piero und David Trezeguet bei Juventus Turin; Fran, Mauro Silva, Valeron, Roy Makaay und Diego Tristan bei Deportivo La Coruna.
Nach seiner Einschätzung der Gruppe D befragt, antwortete Klaus Toppmöller kurz und bündig: „Wir sind krasser Außenseiter.“ Der Coach schickte noch am selben Wochenende seine Späher nach Italien und Spanien, um dort Juventus und Deportivo in ihren Meisterschaftsspielen etwas genauer unter die Lupe nehmen zu lassen. Turin hatte sich in der Gruppenphase recht mühsam als Tabellenerster gegen den FC Porto, Celtic Glasgow und Rosenborg Trondheim durchgesetzt. Kein Wunder also, dass auch Juve-Trainer Roberto Bettega nach der Auslosung nicht in Jubel ausbrach: „Eine sehr schwierige Gruppe. Bayer Leverkusen und Deportivo La Coruna sind bei Gott nicht zu unterschätzen.“
Gegen keinen der kommenden Gegner hatte Bayer 04 bis dahin international gespielt. Und es gab noch eine Premiere: Zum ersten Mal würde die Werkself gegen ein englisches Team antreten. Was insbesondere Ulf Kirsten extrem freute: „Ich habe noch nie in England gespielt, und jetzt gegen Arsenal London – das ist geil.“ Auch Carsten Ramelow fand die Aussicht auf das erste Mal in England besonders prickelnd. „Allein schon die Atmosphäre im Highbury Park erleben zu können, ist etwas Besonderes.“

Das sahen die Fans der Werkself übrigens genauso. Entsprechend groß war die Nachfrage nach Auswärtstickets für diese Partie. Aber bis dahin war ja noch ein bisschen Zeit. Zunächst stand ein anderes ehrwürdiges Stadion auf dem Programm, das Turiner Delle Alpi. Dort allerdings sahen die Fans erst einmal gar nichts. Dazu mehr in der nächsten Folge von #RoadToGlasgow.
Der Spielplan für die Zwischenrunde:
29. November 2001: Juventus Turin – Bayer 04
4. Dezember 2001: Bayer 04 – Deportivo La Coruna
19. Februar 2002: Bayer 04 – FC Arsenal
27. Februar 2002: FC Arsenal – Bayer 04
12. März 2002: Bayer 04 – Juventus Turin
20. März 2002: Deportivo La Coruna – Bayer 04
Warum gab es vor 20 Jahren eigentlich eine zweite Gruppenphase? Der Grund dafür war der Expansionskurs des europäischen Fußballverbandes. Die UEFA hatte zur Saison 1999/2000 das Teilnehmerfeld der Champions League von 24 auf 32 Mannschaften aufgestockt. In den zwei Spielzeiten zuvor gab es sechs Gruppen zu je vier Teams, die sechs Gruppenersten und die zwei besten Gruppenzweiten qualifizierten sich für das Viertelfinale. Die Reformierung dieses Reglements brachte nicht nur eine enorme Erhöhung des Finanz-Etats mit sich, sondern auch große Terminschwierigkeiten.
Schon im zweiten Jahr nach der Reform stellten viele Vereine zudem einen deutlichen Zuschauereinbruch bei den Spielen in der Zwischenrunde fest. TV-Sender fürchteten einen Rückgang der Einschaltquoten, die Profis kamen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Wer es bis ins Finale schaffte, musste 17 Spiele absolvieren. Das Reglement wurde zunehmend auch von teilnehmenden Klubs kritisiert. Bereits im Sommer 2002 beschloss das Exekutivkomitee der UEFA eine Reform der Reform. Ab der Saison 2003/04 wurde die Champions League ohne Zwischenrunde ausgespielt, nach der Gruppenphase begann mit dem Achtelfinale sofort die K.o.-Runden. Die Finalisten müssen seither statt 17 nur noch 13 Spiele austragen.

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