
Norbert, Sie werden am Samstag auf Einladung von Bayer 04 beim Bundesliga-Auftakt gegen RB Leipzig in der BayArena sein und sicher viele alte Freunde treffen, die mit Ihnen noch auf Ihren 70. Geburtstag anstoßen wollen.
Ziegler: Ja, darauf freue ich mich tatsächlich sehr. Ich wohne seit einigen Jahren im Allgäu und war jetzt länger nicht in Leverkusen. Das wird ein schönes Wiedersehen mit Freunden wie Jürgen Gelsdorf, Peter Hermann und einigen anderen. Ich werde das Wochenende nutzen und im kleinen Kreis im ‚Lommerzheim‘ in Deutz bei Kotelett und leckerem Kölsch noch ein bisschen nachfeiern. Aber erstmal freue ich mich auf das Spiel gegen Leipzig.
Gegen RB werden einige Neuzugänge ihr Bundesliga-Debüt für die Werkself geben. Als ehemaliger, langjähriger Scouting-Chef von Bayer 04: Was sagen Sie zu den Verpflichtungen von Granit Xhaka und Co.?
Ziegler: Ich bin ziemlich begeistert. Bei Victor Boniface zum Beispiel geht einem das Scouting-Herz auf. Früher sagte man bei so einem Spieler: Wenn der den Schrank aufmacht, dann wird’s unangenehm für den Gegner. Aus meiner Sicht eine absolute Top-Verpflichtung. Und was Granit Xhaka betrifft: Von ihm habe ich noch Unterlagen aus der Zeit, als er mit der Schweiz U17-Weltmeister in Nigeria wurde. Er war überragend, wie auf deutscher Seite damals Mario Götze und Marc-André ter Stegen, die aus demselben Jahrgang stammen. Wir bei Bayer 04 haben damals auch Kontakt zu Granit aufgenommen. Leider hat es dann mit einer Verpflichtung nicht geklappt.
Umso schöner, dass er jetzt doch noch den Weg nach Leverkusen gefunden hat.
Ziegler: Ja, auch dieser Transfer ist ein absoluter Volltreffer. Granit und Robert Andrich in der Zentrale, dieses Duo ist an Kompaktheit und Positionstreue kaum zu überbieten und sucht in der Bundesliga seinesgleichen. Dann ist in Jonas Hofmann noch ein Spieler dazugekommen, der viel Erfahrung und Klasse mitbringt. Und weil Brasilien ja ein bisschen mein Steckenpferd ist: Auch Arthur gefällt mir sehr gut, weil er ein polyvalenter Spieler ist, der beide Außenpositionen besetzen und auch mal weiter vorrücken kann. Insgesamt ist der Kader für die neue Saison strategisch sehr klug zusammengestellt.

Es ist unschwer rauszuhören: Sie sind immer noch Feuer und Flamme für Bayer 04…
Ziegler: (lacht) Ich habe den Kontakt vor allem zur Scouting-Abteilung nie abreißen lassen und ja, ich bin immer noch up to date.
Und offensichtlich sehr optimistisch, was die neue Saison betrifft.
Ziegler: Absolut, das macht alles einen sehr stabilen, kompakten Eindruck. Aus meiner Sicht ist Bayer hier noch einmal einen entscheidenden Schritt nach vorne gegangen. Deshalb glaube ich auch, dass wir in dieser Saison etwas holen werden.
Simon Rolfes, der heute als Geschäftsführer Sport für die Transferpolitik von Bayer 04 verantwortlich ist, gehörte zu den Spielern, die 2005 auch auf Ihre Empfehlung hin unters Bayer-Kreuz gekommen sind. Wann sind Sie auf ihn aufmerksam geworden?
Ziegler: Simon ist uns schon in der U19 von Werder Bremen aufgefallen, mit der er 2000 im Finale um die deutsche A-Junioren-Meisterschaft stand. Werder verlor damals übrigens bei Bayer 04 mit 2:4. Wir hatten Simon also früh auf dem Zettel. Aber dann ging es erstmal nicht so richtig weiter bei ihm. Er war zwischenzeitlich nach Reutlingen ausgeliehen, wechselte dann zu Alemannia Aachen. Und dort spielte er an der Seite von Reiner Plaßhenrich. Der hatte zwar bei weitem nicht die Qualitäten von Simon, war aus meiner Sicht aber ganz wichtig für ihn. Die beiden passten im Mittelfeld so gut zusammen, dass Simon nochmal einen unglaublichen Schritt nach vorne gemacht hat.
Erzählen Sie mal: Wie viele Punkte hatte Simon damals auf Ihrer berühmt-berüchtigten Bewertungsskala von eins bis zehn?
Ziegler: Wenn ich mich richtig erinnere, eine 7,5. Das war bei uns der Wert für einen Spieler, der das Zeug zu einem Top-Bundesligaprofi hat.
Welche seiner Qualitäten haben Sie besonders beeindruckt?
Ziegler: Er hatte eine feine Klinge, sprich eine sehr gute Technik. Simon konnte ein Spiel lesen, er war ein sehr intelligenter Spieler mit einer außerordentlich positiven Ausstrahlung.
Ein Jahr nach Simon Rolfes holte Bayer 04 Stefan Kießling nach Leverkusen – auch an diesem Transfer waren Sie maßgeblich beteiligt. Und auch Kies ist heute noch für den Klub tätig. Macht Sie das ein wenig stolz?
Ziegler: Ja, das macht mich tatsächlich ein bisschen stolz. Die beiden waren als Spieler besondere Persönlichkeiten, haben über Jahre Topleistung auf höchstem Niveau gebracht und sich offensichtlich sehr wohl im Klub gefühlt, bei dem sie bis zum Ende ihrer Karriere geblieben sind. Sie haben Bayer 04 über viele Jahre geprägt und sind jetzt in anderer Position immer noch da und ganz wichtig für den Klub. Da haben wir damals mit ihrer Verpflichtung also alles richtig gemacht. Ich sage bewusst wir, weil Scouting Teamwork ist und jeder in der Abteilung seinen Teil beiträgt.
Sie galten in der Branche als Pionier im Scoutingbereich, haben innovative Spieler-Analysetools eingeführt und früh damit begonnen, Daten digital zu sammeln und auszuwerten. Aber nicht alles, was bei der Beurteilung eines Spielers wichtig ist, lässt sich in Zahlen ausdrücken.
Ziegler: Das ist richtig. Auf unseren Bewertungsbögen war zum Beispiel das Feld Persönlichkeitsstruktur ganz entscheidend. Willensstärke, Charakter, Ausstrahlung – auf solche Dinge haben wir großen Wert gelegt. Und ich denke, das ist auch heute noch so. Für mich war damals der rege Austausch mit Trainern wichtig, ich bin nie den Weg über die Berater gegangen. Die Trainer konnten die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Spieler doch am besten beurteilen. Wenn ich also in Südamerika war, habe ich mich abends gerne mit Trainern wie Luis Felipe Scolari, Carlos Alberto Parreira oder Mario Zagallo zusammengesetzt. Die sind allesamt Weltmeister mit Brasilien geworden, waren aber nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch extrem gut vernetzt. Die Gespräche mit ihnen waren immer hoch interessant und inspirierend.

Brasilien war für Sie lange eine zweite Heimat. Jorginho, Paulo Sergio, Emerson, Lucio, Ze Roberto. Die Liste Ihrer Entdeckungen ließe sich noch leicht fortsetzen. Wer war für Sie der perfekte Fußballer unter ihnen?
Ziegler: Wen ich wirklich geliebt habe als Fußballer: Emerson. So einen kompletten Spieler mit so viel Qualität habe ich selten erlebt. Ein ganz außergewöhnlicher Profi.
Also hat Emerson eine Zehn von Ihnen bekommen?
Ziegler: Nein, die Zehn habe ich nie vergeben. Jedes Talent hat naturgemäß noch Luft nach oben, sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Selbst Messi, den ich mal bei einer Jugend-WM gesehen habe, bekam damals nur eine Acht.
Wie viele Punkte hätte eigentlich der Spieler Norbert Ziegler vom Chefscout Ziegler bekommen?
Ziegler: (lacht) Nicht so viele. Ich habe vor allem Zweite Liga gespielt und hatte in unserer Bundesliga-Aufstiegssaison sicher ein gutes Jahr. Aber in der Bundesliga kam ich dann – auch verletzungsbedingt – nur auf fünf Einsätze. Mir hat insgesamt schon einiges gefehlt, so ehrlich muss man sein. Vielleicht hätte es für eine 4,5 gereicht…
Auch Bayer 04-Rekordspieler Rüdiger Vollborn gratulierte Norbert Ziegler im Rahmen seiner Reihe „Rudi erzählt...“. Hier geht's zum Beitrag.

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