Mottenkiste: Vor 75 Jahren – Bayer-Löwe triumphiert über Essens Kater

Das erste Erstligaspiel in der Geschichte von Bayer 04 bestreitet die Werkself bei den Sportfreunden Katernberg. In das Stadion Am Lindenbruch in diesem Stadtteil von Essen kommen 7.000 Zuschauer. Den ehemals „wüsten“ Platz haben die Katernberger zu einem wahren Schmuckkästchen hergerichtet. Der satte Rasen bietet an diesem Sonntagnachmittag, dem 19. August 1951, die besten Bedingungen für ein gutes Fußballspiel.
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Die neue Saison ist noch nicht mal eine Minute alt, da hat Karl Heinz Spikofski zugeschlagen und die Schwarz-Roten in Führung gebracht. Doch die Gastgeber, die seit vier Jahren in der 1. Oberliga West spielen, können vom Anstoß weg kontern. Durch einen Handelfmeter gelingt ihnen der Ausgleich. Als dann weitere zwei Minuten später Bayer 04 erneut durch seinen Mittelfeld-Regisseur Richard Job in Führung geht, scheint sich ein sehr interessanter Nachmittag anzubahnen.

Niemand im Stadion hat mit dieser Leistung der Werkself gerechnet. Der Ball läuft wie an der Schnur gezogen durch die Reihen der Bayer 04-Spieler. Sehr oft wandert er über sechs, sieben Stationen, ohne dass die in grünen Trikots spielenden Katernberger an den Ball kommen. Ohne Nervosität legen die Leverkusener von Beginn an los, als würden sie schon jahrelang in der 1. Oberliga West spielen.

Die Werkself trifft noch zweimal die Latte, ehe Richard Job und Mittelstürmer Emil Becks in der 34. und 36. Minute für zwei weitere Tore sorgen – es steht 4:1 für die Gäste und die Zuschauer in Katernberg reiben sich die Augen. Beim Halbzeitpfiff scheint die Partie entschieden.

Aber in der zweiten Halbzeit zeigen die Hausherren den Leverkusenern, wie in der 1. Oberliga West um den Sieg und die Punkte gekämpft wird. Der Katernberger Trainer stellt seine Mannschaft um und nach dem frühen 2:4 in der 49. Minute fängt das Stadion an zu brodeln. Während bei den Schwarz-Roten mit zunehmender Spieldauer die Kondition nachlässt, kommt bei den Sportfreunden immer mehr Ordnung ins Spiel. Im Katernberger Hexenkessel – im Volksmund „Monte Katerno“ genannt, weil die Punkte hier besonders hoch hängen – verliert die Werkself vollkommen den Faden. Als in der 73. Minute der Anschlusstreffer fällt, ist der Ausgleich eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Einen der wenigen Gegenangriffe nutzt Linksaußen Paul Wiorek jedoch in der 88. Minute zur Entscheidung.

So fahren alle Bayer 04-Fans nach diesem 5:3-Sieg mit dem Gefühl nach Hause, dass sie in dieser Saison wohl kein Kanonenfutter für die Gegner in der 1. Oberliga West sein werden.

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