Geschichte: Vor 25 Jahren – Die Vize-Triple-Saison 2001/02 (September)

Der September startet mit einem Debakel, aber nicht für die Werkself: Die deutsche Nationalmannschaft mit den Bayer 04-Spielern Jens Nowotny, Michael Ballack und Oliver Neuville erleidet im Münchener Olympiastadion in der WM-Qualifikation eine 1:5-Schlappe gegen England. Und vor allem Jens Nowotny wird scharf kritisiert. Mit dieser Niederlage steht die direkte Qualifikation der DFB-Elf auf wackeligen Beinen.

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In Leverkusen bereitet sich die Werkself derweil auf ihr nächstes Auswärtsspiel vor. Es geht nach Mönchengladbach auf den ausverkauften Bökelberg. Schon in der 3. Minute gelingt Bayer 04 durch den ersten verwandelten Elfmeter von Hans Jörg Butt die Führung. Doch dieser Rückstand schockt die Borussia nicht. Sie gewinnt mehr Zweikämpfe und übernimmt mit Leidenschaft, Einsatz und Laufbereitschaft die Initiative auf dem Feld. Die Werkself zieht sich nach der Führung zurück, attackiert nicht konsequent und steht permanent in und um den eigenen Strafraum. Torhüter Butt avanciert zum Mann des Tages. Er erzielt nicht nur den einzigen Treffer des Spiels, sondern verhindert mit einigen Paraden den sehr wohl verdienten Ausgleich. Am Ende steht ein sehr schmeichelhafter 1:0-Erfolg für Bayer 04. Trainer Klaus Toppmöller und seine Mannschaft können sich auf das erste Champions-League-Heimspiel gegen Fenerbahce Istanbul vorbereiten.

Durch die Terroranschläge verschiebt sich einiges

Doch dazu kommt es nicht. Das für den 12. September angesetzte Heimspiel wird abgesagt. Einen Tag zuvor wurden die Terroranschläge in den USA verübt, weshalb die UEFA den gesamten Spieltag auf den 10. Oktober verschiebt. Somit steht das nächste Heimspiel erst am Samstag gegen den FC St. Pauli an.

Für ein bisschen Unruhe unterhalb der Woche sorgen Transfergerüchte. Jens Nowotny wird laut Kicker ebenso mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht wie Michael Ballack, dessen Wechsel schon als sicher angesehen wird. Außerdem suspendiert Trainer Klaus Toppmöller Boris Zivkovic für zwei Spiele aus dem Kader. Der Kroate hatte zunächst den Unmut seines Trainers auf sich gezogen, als er wegen der Nichtberücksichtigung in der Startelf beim Spiel auf Schalke „beleidigt zum Aufwärmen geht“ (Trainer Klaus Toppmöller). Beim samstäglichen Spiel auf dem Bökelberg dauert Boris‘ Einwechselung schließlich über zwei Minuten, weil er erst seinen Schmuck ablegen muss – Bayer 04 spielt in dieser Zeit in Unterzahl spielt. Am Sonntag nach dem Gladbach-Spiel passt dem Coach das Training seines Zöglings nicht, sodass er diese Maßnahme ergreift und auf Boris Zivkovic für die nächsten beiden Spiele verzichtet.

So läuft die Werkself am 15. September beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli in derselben Startformation auf wie in Mönchengladbach. Nach der Schweigeminute anlässlich der Terroranschläge von Nine Eleven geht das Toppmöller-Team die Partie sehr offensiv an. Der Aufsteiger aus Hamburg formiert zwei Abwehrriegel kurz vor dem Strafraum und Ze Roberto und Zoltan Sebescen forcieren als weit vorgezogene Außenspieler das Flügelspiel. Doch es dauert bis zur 45. Minute, ehe Michael Ballack das 1:0 erzielt. Damit geht es in die Pause.

Bayer 04 bei Borussia Mönchengladbach

Erfolgreicher Start in die Champions League

In der 60. Minute erhöht Ulf Kirsten auf 2:0, aber eine Minute später erhält Michael Ballack die Gelb-Rote Karte. Die letzten dreißig Minuten muss Bayer 04 in Unterzahl spielen. St. Pauli lockert nach dem Platzverweis tatsächlich seinen Abwehrblock und trifft in der 79. Minute zum Anschlusstreffer ins Tor. Spannend wird es aber nicht, weil der starke Bernd Schneider schon im Gegenzug wieder auf 3:1 erhöht. Mit vierzehn Punkten steht die Werkself zu diesem Zeitpunkt auf dem zweiten Platz, vier Punkte hinter dem Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern.

Mit einer Woche Verspätung startet Bayer 04 dann in die Champions League. Beim französischen Vizemeister Olympique Lyon übernimmt die Werkself in einer guten Anfangsphase im mit 37.000 Zuschauern ausverkauften Stade Gerland zunehmend die Spielkontrolle, muss aber immer wieder durch Edmilson und Foe sowie die Stürmer Nee und vor allem Govou Torchancen der starken Franzosen zulassen. Für Bayer 04 springt in der ersten Hälfte nur eine, allerdings große Möglichkeit für Oliver Neuville heraus. Er scheitert aber mit einem zu unplatzierten Schuss an Lyons Torhüter Coupet. Auch in den zweiten 45 Minuten verteidigt die Werkself leidenschaftlich und schlägt in der 75. Minute eiskalt zu: Ulf Kirsten besorgt mit seinem 38. Europapokaltor die 1:0-Führung. Vor allem die Defensive um Lucio und einen starken Keeper Hans Jörg Butt verteidigt diesen Vorsprung bis zum Schluss und fährt die ersten drei Punkte in der Champions-League-Gruppe F ein.

Berbatovs erstes Bundesliga-Tor sichert Remis gegen BVB

Vier Tage später startet das Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund. Aus Aberglauben zieht Trainer Klaus Toppmöller weiterhin seine dunkle Krawatte mit der Klaviertastatur und seinen beigen Anzug an. Zumindest in der Bundesliga trägt er immer die gleiche Arbeitskleidung. Und auch am Ende dieses Spiels bleibt die Werkself ungeschlagen. Allerdings mit etwas Glück, denn vor allem in den ersten zwanzig Minuten reißt die Dortmunder Offensive einige Lücken in die Bayer 04-Abwehr. Schon in der 7. Minute gehen die Gastgeber in Führung und Torhüter Hans Jörg Butt verhindert mehrmals den zweiten Treffer. Aber ab der 20. Minute steht die Werkself in Abwehr und Mittelfeld kompakter. Bis zur Halbzeit bleibt es bei der Führung der Borussia.

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In der zweiten Halbzeit dann ein anderes Bild. Gegen eine nachlassende Borussia erspielt sich Bayer 04 eine klare Feldüberlegenheit. Die beiden Joker Dimitar Berbatov und Thomas Brdaric sorgen schließlich in der 79. Minute für den verdienten Ausgleich. Der 20 Jahre alte bulgarische Nationalstürmer erzielt auf Vorarbeit von Brdaric seinen ersten Bundesligatreffer. Dabei bleibt es bis zum Abpfiff und die Mannschaft kann sich auf das kommende erste Heimspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona freuen.

Furiose zweite Hälfte gegen das große Barca

In der mit 22.500 Zuschauern ausverkauften BayArena beeindrucken die Gäste aus Spanien in der ersten Hälfte mit ihrer spielerischen Klasse und gehen wenig überraschend durch Luis Enrique in Führung (22.). Derselbe Spieler vergibt vier Minuten später die große Chance auf das 2:0 für seine Mannschaft. Kurz darauf lässt der sonst so sichere Elfmeterschütze Hans Jörg Butt den Ausgleich liegen und setzt einen Strafstoß neben das Tor (29.). Die Halbzeit-Führung des FC Barcelona ist trotz einer weiteren guten Möglichkeit für Lucio verdient.

Bayer 04 kommt dann aber völlig verwandelt aus der Kabine. Klaus Toppmöller bringt Yildiray Bastürk für Zoltan Sebescen ins Team, und der türkische Nationalspieler sorgt in der 52. Minute mit einem platzierten Flachschuss ins linke Eck für den Ausgleich. Die Werkself ist endlich im Spiel und wirbelt die Katalanen nun mit tollem Kombinationsfußball ordentlich durcheinander. In der 69. Minute dann der verdiente Lohn der Leistungssteigerung: Lucio gewinnt den Ball durch eine Grätsche, Bernd Schneider flankt hoch in den Sechzehner, wo Oliver Neuville die Kugel per Volleyschuss aus acht Metern zum 2:1 in die Maschen schießt. Nach dem zweiten Sieg in der Champions League stehen die Chancen auf ein Weiterkommen in dieser sehr starken Gruppe F besser als gedacht.

Freiburg ohne Chance in der BayArena

Zurück im Bundesligaalltag wartet ein weiteres Heimspiel. Am 30. September kommt der SC Freiburg zu Besuch in die BayArena. Die Werkself tritt wieder mit den beiden Innerverteidigern Lucio und Jens Nowotny vor Torhüter Hans Jörg Butt an. Daneben spielen Bernd Schneider auf der rechten und Diego Placente auf der linken Schiene. Zentral offensiv wirbeln Yildiray Bastürk und der etwas defensiver eingestellte Michael Ballack. Carsten Ramelow spielt mehr über die rechte Seite, um Bernd Schneider zu unterstützen. Ze Roberto über die linke offensive Seite und die beiden Stürmer Ulf Kirsten und Oliver Neuville komplettieren die Startelf der Werkself.

In den ersten fünfundzwanzig Minuten bietet Bayer 04 trotz des Dienstagspiels eine rassige Partie mit enormem Druck auf das Tor der Breisgauer. Die 2:0-Führung durch Tore von Bastürk und Ballack ist zu diesem Zeitpunkt hochverdient. Nach dem Anschlusstreffer kann der SC Freiburg das Spiel zwar offener gestalten, doch noch vor dem Halbzeitpfiff kann Ballack mit seinem zweiten Treffer den alten Zwei-Tore-Abstand wieder herstellen.

Auch in der zweiten Hälfte ändert sich das Bild nicht mehr und nach dem 4:1 durch Oliver Neuville in der 60. Minute ist die Partie entschieden. Mit diesem Sieg liegt Bayer 04 nach dem 8. Spieltag nur drei Punkte hinter dem Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern auf dem 3. Tabellenplatz.

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