Kießling: Das schweißt Mannschaft und Fans zusammen

Das rote Shirt hatte sich Stefan Kießling bereits übergestreift, als wir ihn am gestrigen Freitagabend zum vereinbarten Telefon-Gespräch erreichen. „Wir fahren gleich zum Basketballspiel der Bayer Giants“, verriet der Bayer 04-Ehrenspielführer, der besagte Farbe in den kommenden Wochen häufiger zu sehen bekommen wird. Grund dafür ist eine gelebte Leverkusener Tradition, die auch im Saison-Endspurt der Fußball-Bundesliga nicht fehlen darf.
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Seit dem Pokalfinale 2009 sorgt die aktive Fanszene im Saison-Endspurt regelmäßig dafür, dass der Bayer 04-Bereich sowohl in der BayArena als auch auswärts von der Farbe Rot dominiert wird. Ob Trikot, Pullover, T-Shirt, Hemd oder Jacke – alle sollen durch die Signalfarbe sofort erkennen, für wen das Herz der Anhänger schlägt: Für Bayer 04! Für die Werkself! Für den SVB!

In diesem Jahr startet die Aktion „Finally Red“ am kommenden Montagabend, 2. Mai (Anstoß: 20.30 Uhr). Beim vorletzten Bundesliga-Heimspiel trifft die Werkself auf Eintracht Frankfurt, und die Nordkurve wird wieder komplett in Rot erstrahlen.

Einer, der die Fan-Aktion seit der Geburtsstunde im Mai 2009 hautnah miterlebt hat, ist Stefan Kießling. Der nach Ulf Kirsten erfolgreichste Leverkusener Torjäger aller Zeiten spricht im Interview mit bayer04.de über die Emotionen und Erfahrungen, die er mit #FinallyRed verbindet.

 

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Kies, die Bayer 04-Fans setzen auch in diesem Jahr zum Saison-Endspurt wieder alles auf Rot. Bereits zum Heimspiel gegen Frankfurt werden die Anhänger der Werkself aufgefordert in roter Kleidung in der BayArena zu erscheinen. Welche Bilder kommen dir spontan in den Sinn, wenn du an Finally Red denkst?

Kießling: Das rote Meer. Es ist einfach ein überragendes Bild, wenn du auf dem Rasen stehst, in die Kurve schaust und das siehst – ein unfassbares Gefühl! Ich finde diese Aktion der Fans großartig. Sie setzen geschlossen ein Zeichen für ihre Verbindung zur Mannschaft und zum Verein. Dabei sind in den vergangenen Jahren unvergessliche Momente entstanden, die ich auf keinen Fall missen möchte.

Einige davon hast du sicherlich auch im Rahmen des DFB-Pokalfinals 2009 gegen den SV Werder Bremen gesammelt. Es war die Geburtsstunde von Finally Red. Wie war es damals im Olympiastadion, vor dieser roten Leverkusener Wand aufzulaufen?

Kießling: Natürlich wussten wir vorher, auf welcher Seite unsere Fans stehen. Aber als wir dann in die Kurve geschaut haben, konnten wir unseren Augen nicht trauen. Alles war rot. Egal, wo du hingeguckt hast. Auch die neutralen Zuschauer auf unserer Seite hatten sich ein rotes Shirt angezogen. Klar, ein Pokalfinale ist immer ganz Besonders. Aber diese Emotionen, schon vor dem Spiel, haben einfach alles übertroffen.

Acht Jahre später, im Sommer 2017, habt ihr statt um eine Trophäe um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Im Schlussspurt standen zu Hause ein 2:2 im Derby gegen Köln und auswärts ein deutlicher 6:2-Erfolg bei Hertha BSC. Wie wichtig war die Aktion in dem Endspurt?

Kießling: Vielleicht hat sie uns die letzten Prozentpunkte gebracht, die notwendig waren, um uns aus eigener Kraft zu retten. Es war ein sehr wichtiges Derby. Es stand viel auf dem Spiel. Und vor allem das Spalier auf der Bismarckstraße bei der Anfahrt hat uns noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass wir nicht allein in diese Partie gehen. Ein Gänsehautmoment, der uns alles viel Kraft gegeben hat. Obwohl wir nach 60 Minuten 0:2 hinten lagen, hatte ich angesichts der Energie, die im Stadion herrschte, immer den Eindruck, dass wir das noch drehen können. Dieses Erlebnis hat Mannschaft und Fans zusammengeschweißt.

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Nach deinem Karriere-Ende 2018 bist du in das Organisationsteam rund um die Lizenzmannschaft von Bayer 04 gewechselt. Ein Jahr später hat sich die Werkself nach einem 1:1 im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 mit einem fulminanten 5:1-Sieg bei Hertha BSC am letzten Spieltag für die Champions League qualifiziert. Hast du den besonderen Fan-Support im Rahmen von Finally Red den Spielern vor der Partie nähergebracht?

Kießling: Vor dem Heimspiel gegen Schalke haben mich ein, zwei jüngere Spieler gefragt, wie die Stimmung an den letzten Spieltagen in den Jahren davor war. Sie hatten das eine oder andere Foto und Video gesehen. Aber wenn man die Stimmung dann selbst als Spieler miterlebt, übertrifft das alle Erwartungen.

Du bist jetzt seit 16 Jahren im Klub. Wie hat sich das Verhältnis zwischen der Mannschaft und den Fans in Leverkusen entwickelt?

Kießling: Für ein gutes Miteinander ist es wichtig, dass in der Mannschaft Identifikationsfiguren gibt. Das war bei uns früher der Fall und so ist es auch heute. Damals waren es Leute wie Simon Rolfes, heute gehen Lukas Hradecky und Co. voran. Sie tragen die Mannschaft und suchen gezielt den Kontakt zu den Fans.

Was erwartet die Zuschauer in der BayArena am Montagabend gegen Frankfurt?

Kießling: Wir werden sicher auch in diesem Jahr wieder unvergessliche Bilder zu sehen bekommen. Ich habe richtig Bock auf die letzten Spiele.

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