
Mit einer halben Stunde Verspätung aufgrund von Anreiseschwierigkeiten der Gäste sollte der zweite Test der Werkself angepfiffen werden. Vor dem Anstoß gab es in Gedenken an die Todesopfer und Verletzten der Explosion in einer Sondermüll-Verbrennungsanlage in Leverkusen am Dienstagmorgen eine Schweigeminute. Zudem liefen beide Teams mit Trauerflor auf.
Dann ging es für die Elf von Cheftrainer Gerardo Seoane mit Neuzugang Odilon Kossounou in der Anfangsformation ins Spiel. Den besseren Start jedoch erwischten die Niederländer. Erst hielten Werkself-Torhüter Lukas Hradecky und Jeremie Frimpong in der ersten Minute die Null, dann rettete beim Schuss von Quinten Timber der Pfosten (3.). Die Anfangsviertelstunde gehörte den Gästen, in der Folge gewann jedoch die Seoane-Elf nach und nach an Spielanteilen.





Die bis dahin beste Chance auf Seiten der Werkself verbuchte Lucas Alario, der Argentinier verfehlte das lange Eck jedoch knapp (21.). Nach einer Phase mit ausgeglichenen Spielanteilen hatte Moussa Diaby kurz vor der Pause eine weitere gute Gelegenheit auf dem Fuß – Utrechts deutscher Keeper Eric Oelschlägel war jedoch zur Stelle (44.).
Während sich die Spieler beider Teams in Richtung Kabinen aufmachten, begrüßte Kommentator Niko Hartmann im Livestream des Testspiels auf YouTube den Ex-Werkself-Torhüter Ramazan „Rambo“ Özcan zum Gespräch. Der Österreicher vollzog nach den ersten 45 Minuten folgendes Fazit: „Es war ein sehr intensives erstes Drittel. Wir sind auf einen sehr engagierten Gegner getroffen“, so der heutige Torwarttrainer der Leverkusener U19. „Ich bin gespannt, wie es in weitergeht.“ Erfolgreich aus Sicht der Werkself - vorerst.
Mit einem deutlich offensiveren Ansatz kamen Kapitän Julian Baumgartlinger und Co. personell unverändert zurück auf den Rasen des UHS – und gingen nach nur fünf Minuten im zweiten Durchgang in Führung. Nach einem flachen Querpass im Strafraum von Karim Bellarabi brauchte der aufgerückte Linksverteidiger Mitchel Bakker aus wenigen Metern nur noch ins leere Tor einzuschieben. Es war nicht nur der erste Treffer des Neuzugangs von Paris Saint-Germain mit dem Kreuz auf der Brust, sondern auch das erste der Werkself in der laufenden Vorbereitung (zuvor 0:0 gegen Freiburg).

Die Führung der Gastgeber hielt jedoch nicht lange. Hidde ter Avest, Utrechts Rechtsverteidiger, ließ Torschütze Bakker ins Leere grätschen und legte von der Grundlinie auf Gyrano Kerk zurück. Der 25-jährige Offensivmann der Niederländer traf maßgenau mithilfe des rechten Innenpfostens zum Ausgleich (55.). Der fünf Minuten später folgende Einschuss auf der Gegenseite von Jonathan Tah in Folge eines Freistoßes von Kerem Demirbay wurde zurückgenommen – wie schon beim Test gegen Freiburg soll Tah bei seinem Treffer im Abseits gestanden haben.
So war es erneut Utrechts Kerk, der in der 71. Minute nach einem schnellen Gegenstoß mit einem Heber über Hradecky den nächsten regelkonformen Treffer erzielte – Utrecht hatte das Spiel gedreht. In der Folge tauschte Werkself-Chefcoach Seoane dann fleißig durch, brachte sechs Neue auf einen Schlag. Auch die Niederländer tauschten mehrmals.
Cheftrainer Seoane gewährte zum Anpfiff des dritten Drittels weiteren Nachwuchsspielern sowie Mitchell Weiser ebenfalls 45 Minuten auf dem Rasen. Die neuen Akteure mussten dann jedoch Gegentor drei an diesem Nachmittag aus nächster Nähe mit ansehen – der eingewechselte Remco Balk schob nach einer flachen Hereingabe aus zwei Metern zum 3:1 ein (102.).





Zu Beginn der Schlussphase des Tests soll dann Nachwuchs-Abwehrmann Sadik Fofana seinen Utrechter Gegenspieler Moussa Sylla im Strafraum zu Fall gebracht haben, den Strafstoß verwandelte Adrián Dalmau zum 4:1 (129.). Der routinierte Spanier war es auch, der fünf Minuten später den zweiten Foulelfmeter des Tages – dieses Mal soll Leon Pesch Utrechts Sylla regelwidrig gestoppt haben – erfolgreich an Andrey Lunev vorbei zum 5:1-Endstand im Tor unterbrachte.
Cheftrainer Seoane sagte nach dem Abpfiff: „Es gab viele Dinge, die nicht so gut waren. Zu Beginn waren wir nicht präsent, in den Zweikämpfen mit Ball zu langsam, überfordert mit dem Tempo von Utrecht. Zur zweiten Halbzeit wurde es zunächst besser, mit den vielen Wechseln ging es aber wieder etwas bergab. Unser Ziel war, dass alle Spieler heute 70 bis 90 Minuten in die Beine bekommen haben. Wir ziehen viele Erkenntnisse aus dem Spiel.“
Bereits am kommenden Samstag, 31. Juli, wird die Werkself ihr drittes und letztes Testspiel bestreiten. Anpfiff der Partie ist um 14 Uhr im Ulrich-Haberland-Stadion. Nachdem der spanische Erstligist Celta Vigo wegen positiver Corona-Fälle abgesagt hat, wird Bayer 04 den Gegner für das Duell am Donnerstag bekannt geben. Das erste Pflichtspiel bestreiten Baumgartlinger und Co. am 7. August um 15.30 Uhr in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Regionalligisten 1. FC Lok Leipzig.
Die Statistik:
Bayer 04: Hradecky (73. Lunev) – Frimpong (91. Weiser), Kossounou (73. Retsos), Tah (91. Fofana), Bakker (91. L. Pesch) – Baumgartlinger (73. Eze), Demirbay (91. Aourir) – Bellarabi (73. Sinkgraven), Wirtz (73. Sertdemir), Diaby (91. N. Pesch) – Alario (73. Gedikli)
Die Startelf des FC Utrecht: Oelschlägel – ter Avest, St. Jago, Janssen, Warmerdam – Maher, Timber – Ramselaar – Boussaid, Douvikas, Kerk
Tore: 1:0 Bakker (50.), 1:1 Kerk (55.), 1:2 Kerk (71.), 1:3 Balk (102.), 1:4 Dalmau (128./Elfmeter), 1:5 Dalmau (133./Elfmeter)
Schiedsrichter: Niklas Dardenne (Nettersheim)
Zuschauer: 350 (ausverkauft) im Ulrich-Haberland-Stadion

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