
Nicht bei allen Fans von Schwarz-Rot stieß die Umbenennung damals auf Begeisterung. „Als ein neuer Name zur Diskussion stand, trieb manch einen die Sorge um, dass damit ein Stück Identität verkauft werden würde“, erinnert sich Andreas „Paffi“ Paffrath aus der Bayer 04-Fanbetreuung. „Schon der Wechsel der Vereinsfarben von Schwarz-Rot zu Rot-Weiß war nicht gut angekommen und ist ja Gott sei Dank auch längst wieder rückgängig gemacht worden. Und weil damals einige Klubs die Namensrechte an ihren Stadien an Versicherungsunternehmen oder Banken verkauften, schwante auch hier einigen Fans nichts Gutes.“ Wer „zum Bayer“ ging, ging nun mal „ins Haberland“. Das hatte sich über Jahrzehnte etabliert, Fanklubs wie „Haberlands Erben“ hielten die Tradition sogar in ihrem Namen hoch.
So war also der neue, mehrfach an der Stadionfassade angebrachte knallrote Schriftzug für die Leverkusener gewöhnungsbedürftig. „Die meisten Fans haben sich schließlich aber doch recht schnell damit anfreunden können. Denn es steckte ja immer noch ein Stückchen Bayer im Namen”, sagt Paffi. „Außerdem gibt es das Ulrich-Haberland-Stadion weiterhin neben der BayArena. Und was uns als Fans ganz wichtig ist: BayArena steht eben auch für Kontinuität und Konstanz. Wir müssen nicht wie andere Klubs alle paar Jahre unseren Stadionnamen ändern und neu vermarkten.“
Die Umbenennung in BayArena war für Jürgen von Einem, den damaligen Sportbeauftragten der Bayer AG, „der konsequente Abschluss eines in der Fußball-Bundesliga neuartigen Gesamtkonzeptes, das die multifunktionale Nutzung des Stadions in eine neue Dimension erhebt“. Schon im Oktober 1996 waren im Bereich der Osttribüne ein McDonald’s Restaurant sowie ein Bayer 04-Fanshop eröffnet wurden.

Nur knapp ein Jahr später folgte im Sommer 1997 die Einweihung der neuen Südtribüne, die nun die Geschäftsstelle, das BayArena-Restaurant, VIP-Logen und Konferenzräume beherbergte. Den völlig veränderten Charakter der Anlage, die nicht mehr nur Sportstätte, sondern nun auch eine Geschäftsadresse und eine der modernsten Arenen von europäischem Spitzenniveau war, habe man nicht länger unter Ulrich-Haberland-Stadion verkaufen können, erklärte von Einem. Der aus Marketinggründen neu gewählte Name sei in Anlehnung an das BayKomm (Bayer-Kommunikationszentrum) entstanden, die drei Buchstaben Bay fänden sich zudem in vielen Produktnamen des Unternehmens. Und Arena stehe für das neue, multifunktionale Konzept.
Trotz aller Modernisierung werden auch heute immer wieder lieb gewonnene Traditionen noch aus der Zeit des alten Haberland-Stadions fortgeführt. So lebt die ehemalige „Familystreet“, die Mitte der 1990er-Jahre Eltern und Kindern einen besonderen Tribünenbereich bot, in der aktuellen Saison 2023/24 als Familien-Block wieder auf. „Nicht wenige heutige Bayer 04-Mitarbeiter sind in der Familystreet zu Fans der Werkself geworden, haben später in der Nordkurve und als Mitglied eines Fanklubs ihre Ausbildung bei Bayer 04 begonnen und sind jetzt fest angestellt bei ihrem Klub“, sagt Paffi. „Aus diesem Familien-Block heraus sind richtig schöne Geschichten geschrieben worden.“
Eine schöne Geschichte und der Auftakt in eine sehr erfolgreiche Saison war auch das erste Bundesligaspiel in der neuen BayArena. Beim 3:1 gegen Rostock am 15. August 1998 trafen Stefan „Paule“ Beinlich (2) und Jörg Reeb für das Team von Trainer Christoph Daum. Zé Roberto gab sein Debüt für die Werkself, die am Ende der Spielzeit zum zweiten Mal Vizemeister wurde und sich erstmals direkt für die UEFA Champions League qualifizieren konnte.

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