NLZ-Leiter Jungheim: Hausaufgaben von Juve und Atletico

An dem zurückliegenden Wochenende hätte der letzte Spieltag in der A-Junioren-Bundesliga stattgefunden. Wir haben mit Helmut Jungheim, Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums von Bayer 04, über die aktuelle Situation vor dem Hintergrund der Corona-Krise gesprochen. Er und sein Team wollen die Talente des Werksklubs bestmöglich durch diese ungewohnten Zeiten begleiten – und die vereinsinterne Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis auch nach der Krise erfolgreich fortsetzen.
20191022_Schueler_Atletico_B04_MD_1368.jpg

Als Reaktion auf die Corona-Krise hat der DFB  Anfang März den Spielbetrieb in den Junioren-Bundesligen bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Leverkusener Nachwuchsspieler der U19 und U17 absolvieren ihre Einheiten überwiegend individuell in der heimischen Umgebung. „Diese Situation ist eine echte Herausforderung für uns alle“, betont Nachwuchsleiter Jungheim. Von Woche zu Woche schicken die Jugendtrainer den Spielern der U19 und U17 individuelle Trainingspläne. Darin enthalten seien vor allem Kraft- und Ausdauerübungen. Doch etwas ganz Entscheidendes fehle in dieser Zeit.

Es ist der direkte, tägliche Kontakt zwischen Spielern und Trainern. Dieser sei auch für die sportliche und persönliche Entwicklung der Jugendlichen essenziell. „Der Fußball lebt schließlich von Emotionen und Nähe“, sagt Jungheim. So gebe es regelmäßige Videokonferenzen mit dem gesamten Kader sowie diverse individuelle Gespräche via Telefon und sozialen Medien. In diesen Zeiten muss eben bestmöglich improvisiert werden.

Vorbereitungen auf möglichen Restart

Auf Altbewährtes setzen Jungheim und Co. – so gut es geht – hingegen in der sportlichen Arbeit: Trainingswissenschaftler und Physiotherapeuten stehen den Jugendlichen bei Bedarf auch in der Spielpause zur Verfügung. Und wie bereits seit der Einführung des veränderten Trainerkonzepts im Sommer 2019 arbeiten die vier Coaches der beiden Leistungsmannschaften U19 und U17 Markus von Ahlen, Patrick Weiser, Jan Hoepner und Thomas Zdebel auch weiterhin individuell und direkt am Talent und das mannschaftsübergreifend. Die Nachwuchsspieler von Bayer 04 sollen unter den gegebenen Auflagen und Umständen möglichst optimal für eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs vorbereitet sein – und schnell wieder an das Niveau der vergangenen Liga-Partien anknüpfen.

B04TV_Jungheim_20180129_0012.jpg
NLZ-Leiter Helmut Jungheim lobt die Entwicklung der U19 im Laufe der Spielzeit.

„Erkannt, was fehlte“

Zuletzt 13 von 15 möglichen Punkten und souveräne Auftritte gegen Top-Teams: Allen voran die U19 präsentierte sich vor der Saisonunterbrechung in einer guten Verfassung. „Die bisherige Rückrunde hat gezeigt, dass Spieler, Trainer und Verantwortliche ihre Hausaufgaben gemacht haben“, lobt Jungheim. Die UEFA-Youth-League-Partien gegen Juventus Turin und Atletico Madrid im Herbst vergangenen Jahres hätten den Verantwortlichen vor Augen geführt, dass das Team eine „hohe Intensität und gewisse Schlagzahl nicht über 90 Minuten stabil abliefern konnte. Da wir das aber kompensiert und energisch aufgearbeitet haben, bewerte ich die anschließende Phase der Saison bislang sehr positiv.“ Ein weiterer, wichtiger Schritt für die Entwicklung der vereinseigenen Talente und ihren Weg in den bezahlten Fußball.

Talente aus der Region

Im Nachwuchskonzept des Vereins heißt es, dass „alle Bayer 04-Nachwuchsspieler auf höchstem Niveau gefördert werden“ sollen. Zudem erhoffe man sich, „dass sich unsere talentiertesten Nachwuchsspieler so entwickeln, dass ihnen der Sprung in unsere eigene Lizenzmannschaft gelingt“. Vielversprechende Talente, sowohl in der U19 als auch der U17, sind laut Jungheim in beiden Kadern vertreten. Diese kommen  übrigens vorrangig aus Leverkusen und Umgebung – und das nicht ohne Grund.

Bayer 04 setzt in der Nachwuchsförderung auf Spieler aus der Region, die Verpflichtung eines Talents von weiter weg stelle eine absolute Ausnahme dar. „Das Einzugsgebiet NRW ist zwar groß, die Konkurrenz aber ebenso“, erklärt Jungheim und spricht auf die aktuell sieben Bundesligisten in Nordrhein-Westfalen an. „Um die besten Talente zu finden, ist ein gutes Scouting nötig.“

B04TV_Havertz_U19.jpg
Vorbild für den heutigen Bayer 04-Nachwuchs: Auch Kai Havertz spielte 2016/17 bereits in der Youth League (hier gegen die AS Monaco).

Von Reinhardt bis Havertz

Die Scouting-Abteilung von Bayer 04 sei in den vergangenen Jahren daher stetig ausgebaut und professionalisiert worden. So arbeitet die Abteilung, die aufgrund der Spielpause derzeit nur auf Archivmaterial zurückgreifen kann, vom Nachwuchs bis zu den Profis Hand in Hand.

Das gleiche Prinzip kennzeichnet den Austausch zwischen Nachwuchs- und Profibereich: Der nahezu tägliche Austausch läuft über Xaver Zembrod, Co-Trainer von Peter Bosz, der eine Schnittstelle zwischen Nachwuchs- und Profibereich darstellt. Die enge Zusammenarbeit zeige sich auch in den Ergebnissen. „Wir reden nicht nur darüber, wie wir Spieler aus unserer Jugendabteilung in den Profi-Kader bringen, sondern wie wir sie dort auf den Platz bekommen“, so Jungheim, der aber auch betont: „In der jüngsten Vergangenheit sind unsere Profis auf einem sehr hohen Niveau angelangt. Dadurch wird der Schritt aus der Jugend natürlich anspruchsvoller.“

Doch Jungheim ist sich sicher: Auch in der Zeit nach der Coronavirus-Pandemie und der Spielpause werden weitere Bayer 04-Nachwuchsspieler den Sprung zu den Werkself-Profis schaffen – und damit auf bekannte Namen wie Knut Reinhardt, Tim Wiese, Benjamin Henrichs und Kai Havertz folgen…

Ähnliche News

Luca Erlein
Bayer 04 - 27.07.2026

Bayer 04 verleiht Luca Erlein an Zweitliga-Aufsteiger Energie Cottbus

Spielpraxis in der 2. Bundesliga: Bayer 04 Leverkusen verleiht Neuzugang Luca Erlein für die Saison 2026/27 an den Aufsteiger FC Energie Cottbus. Der Werksklub hatte den 19 Jahre alten rechten Verteidiger in der vergangenen Woche fest verpflichtet und mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2030 ausgestattet.

Mehr zeigen
Sammlung der MA-Kleidung für das BGK
Nachhaltigkeit - 27.07.2026

Bayer 04-Kleidung für den guten Zweck: Werkself-Mitarbeitende unterstützen Blau-Gelbes Kreuz

Nach der Spende von rund 2.100 Sitzschalen aus dem Umbau der BayArena im Juni engagiert sich Bayer 04 erneut gemeinsam mit dem Blau-Gelben Kreuz e.V. für humanitäre Projekte in der Ukraine. Kürzlich hatten zahlreiche Mitarbeitende des Bundesligaklubs nicht mehr benötigte Dienst- und Sportkleidung gespendet, die nun an unterschiedlichen Orten des osteuropäischen Landes für soziale Zwecke genutzt wird.

Mehr zeigen
U19 beim Training
Jugend - 27.07.2026

Nachwuchs: U19 bleibt ohne Gegentor beim Leistungsvergleich

Am heimischen Leistungszentrum Kurtekotten hatte die U19 am Wochenende zwei namhafte Gegner zum Leistungsvergleich versammelt. Nach einem 0:0 gegen den Nachwuchs von Eintracht Frankfurt bezwangen die Leverkusener Borussia Dortmund 1:0. Aufgrund der Sommerferien waren die anderen Juniorinnen- und Junioren-Teams von Bayer 04 nicht im Einsatz.

Mehr zeigen
Malik Tillman mit der Inklusionswerkself
Nachhaltigkeit - 26.07.2026

Tillman stimmt Inklusionswerkself auf Genuine World Cup ein

Wie schon im vergangenen Jahr reist die Inklusionswerkself auch 2026 wieder zum Genuine World Cup ins US-amerikanische Houston. Besonders dieses Mal: Das Leverkusener Team vertritt beim inklusiven und internationalen Turnier Deutschland und läuft unter anderem in den Trikots der DFB-Auswahl auf. Vor der Abreise überraschte Bayer 04-Profi Malik Tillman die Mannschaft und wünschte den Spielerinnen und Spielern viel Erfolg. Tillman lief jüngst selbst bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft für das US-Nationalteam auf und gab den Mädchen und Jungs Tipps zur Vorbereitung.

Mehr zeigen
Rudi Völler: „Toll, dass es diese Fanfreundschaft so lange gibt“
Werkself-TV - 25.07.2026

Völler: „Toll, dass es diese Fanfreundschaft schon so lange gibt“

Nach dem Freundschaftsspiel bei Kickers Offenbach, das Bayer 04 mit 3:1 gewann, sprach Rudi Völler im Interview mit Werkself-TV über die besondere Beziehung seiner beiden bedeutenden Karriere-Stationen...

Mehr zeigen