
Die FCSA ist ein Verbund von verschiedenen Profi-Fußballklubs, die sich gemeinsam in Krisen- und Entwicklungsgebieten engagieren. Bereits seit 2009 ist der Werksklub Mitglied. Als Initiator agiert die Scort Foundation mit Sitz in der Schweiz.
Im Interview mit bayer04.de spricht der erfahrene Fußballtrainer Quast über seinen Einsatz in Kolumbien Anfang April, seine prägendsten Erlebnisse aus der jahrelangen Projektarbeit sowie die besondere Wirkung, die der Fußball auf die Menschen haben kann.
Peter, vor wenigen Wochen warst du in Kolumbien, um als Instruktor von Bayer 04 ein Follow-up mit 39 jungen Fußballtrainern durchzuführen. Wie fällt dein Fazit aus?
Quast: Das Follow-up war wichtig, nicht nur als Auffrischungsveranstaltung, sondern auch als eine Art Fragestunde. Die Hälfte der Teilnehmenden waren bereits ausgebildete Young Coaches, die andere Hälfte bestand aus sogenannten Peers. Das sind angehende Nachwuchstrainer, die von den Young Coaches angelernt werden. Die jungen Fußballtrainer hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und alle Unklarheiten aus dem Weg zu räumen, die sich über die Zeit seit unserem letzten Besuch vor ein paar Jahren angesammelt haben. Dabei ging es sowohl um den Aufbau von Trainingseinheiten als auch die Integration von Kindern mit Beeinträchtigung in die Trainingsgruppen.
Bevor es zu einem Follow-up kommt, durchlaufen die Young Coaches an dem jeweiligen Standort ein grundlegendes Ausbildungsprogramm. Wie ist dieses aufgebaut?
Quast: Das Ausbildungsprogramm zum Young Coach besteht aus drei Aufbaumodulen. Diese umfassen unter anderem die Basics der Trainingsplanung und die Organisation von Fußballfestivals. Innerhalb eines Jahres sind wir Ausbilder mehrmals vor Ort, in der Zwischenzeit gehen die Young Coaches zurück in ihre Communities und wenden das an, was sie bei uns gelernt haben. Dabei ist vor allem wichtig, dass sie flexibel sind und ihre Trainingseinheiten auf die Gegebenheiten vor Ort anpassen können. Wir bilden die Young Coaches zwar aus, für die Umsetzung der vermittelten Inhalte sind sie dann aber selbst zuständig.
So verbreitet sich das weitergegebene Wissen nach und nach…
Quast: Genau. Wir setzten dabei auf den „Spreader-Effekt“: Young Coaches ausbilden, die dann wiederum weitere Young Coaches anlernen können. Dabei steht immer die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Die Young Coaches berichten uns regelmäßig über ihre Arbeit in ihren Communities, beispielsweise welche Mannschaften sie betreuen oder welche Aktivitäten sie veranstalten. Wir Instruktoren helfen dann auch gerne aus der Ferne und geben bei Bedarf Hilfestellungen.
Während der Corona-Pandemie musste die Projektarbeit zunächst ruhen. Seit wann bist du wieder für Bayer 04 als Instruktor unterwegs?
Quast: Das Follow-up in Kolumbien war die erste internationale Veranstaltung der FCSA seit dem Ausbruch der Pandemie. Es ist wichtig, dass wir jetzt wieder vor Ort sein können. Der direkte Kontakt zu den Young Coaches und die enge Zusammenarbeit mit ihnen sind Voraussetzung dafür, dass wir Inhalte effektiv vermitteln können. Während der Einheiten selbst haben wir versucht, möglichst viel an der frischen Luft zu arbeiten und die Innenräume so gut es geht zu umgehen.





Wie bereitest du dich auf einen solchen Einsatz als Instruktor vor?
Quast: Ich versuche immer, mich so gut es geht über das entsprechende Land zu informieren. Auf diesem Weg verschaffe ich mir einen ersten Überblick über die Gegebenheiten vor Ort und gewinne einen Eindruck drüber, was mich erwarten könnte. In Bezug auf die Trainingseinheiten weiß ich bereits im Vorfeld, welche Inhalte geplant sind. Diese müssen wir dann vor Ort nur noch an die Gegebenheiten anpassen.
Bereits seit 2009 organisiert Bayer 04 in Zusammenarbeit mit der Scort Foundation weltweit diese Fort- und Ausbildungsprogramme: In welchen Ländern warst du schon für die FCSA unterwegs?
Quast: Insgesamt werden es bisher um die zehn Ländern gewesen sein, mit dabei waren unter anderem Kolumbien, Ruanda, dem Libanon, Jordanien, Uganda und Indien. Als erstes ging es für mich als Bayer 04-Instruktor 2009 in den Sudan. Die Menschen dort haben teilweise unter schwersten Bedingungen gelebt. Da war es dann schön zu sehen, welche Wirkung der Fußball haben kann. Die Sorgen können für einen Moment vergessen werden und ein Lächeln breitet sich über das Gesicht der Kinder aus.
Neben Bayer 04 sind derzeit auch der FC Basel, Austria Wien, der 1. FSV Mainz 05, Werder Bremen und der FC Schalke 04 Mitglied in der FCSA. Wie sieht eure Zusammenarbeit mit den Instruktoren der anderen Klubs aus?
Quast: Wir Instruktoren koordinieren vor Ort die Trainingseinheiten, sind dafür zuständig, dass die Young Coaches möglichst viel aus unserem Programm mitnehmen können. Wir sind immer mit zwei bis drei Ausbildern im Einsatz. Je nach Verfügbarkeit wird dann das Trainergespann zusammengestellt. Und vor Ort teilen wir uns die Zuständigkeiten dann untereinander auf. Die Organisation im Vorfeld übernimmt größtenteils die Scort Foundation, meist in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen. Die Voraussetzungen sind je nach Land komplett unterschiedlich. Im Sudan haben wir beispielsweise auf einem Acker gespielt, der gerade umgepflügt wurde und den wir erstmal platt treten mussten.
Wie viele Kinder betreut ihr vor Ort in etwa?
Quast: Die Anzahl der Kinder, die vor Ort zu den Einheiten erscheinen, kann nur schwer vorhergesagt werden. Im ersten Moment plant man mit rund 100 Kindern und am Ende stehen dann plötzlich 250 Kinder auf dem Feld. Besonders in diesen Momenten kommt es auf die Flexibilität der Young Coaches und uns Instruktoren an. Denn eines steht fest: Kein Kind wird weggeschickt. Alle bekommen die Möglichkeit, mitzumachen.
Gibt es Momente aus der Arbeit als Instruktor, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Quast: Auf jeden Fall, da gibt es Erlebnisse, die ich so schnell nicht vergessen werde. Als erstes fällt mir da immer unsere Arbeit in Indien ein. Die Kluft zwischen Armut und Reichtum dort ist enorm. Wir waren dort im Dharavi Slum, einem der größten Slums der Erde. Da gab es einige Situationen, in denen ich tief durchatmen musste – mit Blick auf das Elend, in dem die Menschen dort teilweise ums Überleben kämpfen.

Umso wichtiger ist euer Engagement vor Ort. Was macht für dich die Arbeit mit den Young Coaches und fußballbegeisterten Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt aus?
Quast: Das Lächeln der Kinder, wenn sie bei unseren Einheiten mitmachen und für einen Moment ihre Alltagssorgen hinter sich lassen können. Auch zu sehen, wie die Young Coaches in ihre Rolle hineinwachsen, macht mir immer wieder deutlich, warum wir die weiten Reisen auf uns nehmen und diese Projekte durchführen.
Du hast bereits von der besonderen Wirkung erzählt, die der Fußball haben kann. Oft wird dem Fußball auch eine völkerverbindende Kraft nachgesagt: Woran liegt das deiner Meinung nach?
Quast: Jeder kann mitmachen. Außerdem braucht es nicht viele Voraussetzungen, um Fußball spielen zu können. Sobald es eine freie Fläche gibt und etwas, das als Ball genutzt werden kann, steht dem „Anpfiff“ nichts mehr im Weg. Steine oder Stöcke als Tore, Palmenblätter als Koordinationsleitern. Auch das wollen wir mit unserem Ausbildungsprogrammen den Young Coaches vermitteln: Wie nutze ich die Materialien, die mir zur Verfügung stehen, am effektivsten? Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Irgendeine Lösung findet man immer.
Mit Blick in die Zukunft: Wohin geht deine nächste Reise als Instruktor für Bayer 04?
Quast: Im Moment sind wir noch in den Planungen. Stand jetzt ist für Juni ein neues Projekt in Kolumbien geplant. Auch Griechenland steht auf der Agenda, um dort mit Geflüchteten zu arbeiten und mit dem Young Coaches Education Programm anzusetzen.

eSports-Fans aufgepasst: Am Samstag, 21. Februar (ab 16 Uhr), steigt im XPERION Köln (Hansaring 97, 50670 Köln) der „Werkself Wildcard Cup“. Dort haben interessierte EA FC 26-Amateur-Spieler die Möglichkeit, sich neben attraktiven Sachpreisen einen Startplatz für die VBL Open Play-offs by WOW zu sichern. Die Play-offs sind die finale Vorstufe des VBL Grand Final by WOW, dem Turnier um die Deutsche Einzel-Meisterschaft und dem, neben der Klub-Meisterschaft (VBL CC), wichtigsten Teil-Wettbewerb der deutschen eSports-Szene. Alle Infos zur Anmeldung.
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