
„Es hat direkt gepasst“, beschreibt de Pauw seine ersten Eindrücke beim Werksklub und beim Aufeinandertreffen mit den Spielerinnen. „Sie alle haben wirklich eine starke Mentalität und agieren sehr professionell“, führt er fort. Für de Pauw, der im Besitz der UEFA-A-Lizenz ist, stellt das Engagement bei Bayer 04 die erste Trainerstation außerhalb der Niederlande dar.
„Im Jahr 1994 oder 1995“, wie de Pauw sich selbst nicht mehr ganz sicher ist, begann der damalige Teenager bereits, sich neben seiner eigenen Karriere auch auf das Trainieren von Fußballmannschaften zu konzentrieren. „Mein Vater war Jugend-Koordinator beim SCE Nijmegen und hat mich gefragt, ob ich ihm beim Trainieren der Junioren assistieren möchte. Und da ich den Fußball schon immer geliebt habe, habe ich selbstverständlich zugestimmt“, erklärt er.

Damals waren es sechs- bis achtjährige Jungen, die de Pauw zu coachen half. Doch der Niederländer war schnell begeistert von der Tätigkeit und wollte weitere Trainerluft schnuppern: Nach der U9 kam die U10, irgendwann dann die U12 und U13, bis er schließlich in nahezu allen Nachwuchs-Jahrgängen des SCE Nijmegen tätig gewesen war.
Im Jahr 2004 zog es de Pauw dann zum Nachbarklub NEC Nijmegen, der damals wie heute in der Eredivisie, der höchsten niederländischen Spielklasse, beheimatet ist. Bei dem Top-Klub aus seiner Geburtsstadt machte er da weiter, wo er beim SCE aufgehört hatte: Er trainierte die U15, die U19 und schließlich die U23 des NEC. Gleichzeitig war er auch als Spieler beim Klub aktiv. Doch für de Pauw, der als Spielertrainer mehrfach Meister in den höchsten niederländischen Amateurligen geworden war, war aufgrund mehrerer Verletzungen klar, dass er sich aufs Trainer-Dasein konzentrieren wolle.
„Ich wurde häufig gefragt, ob ich mehr Spieler oder mehr Trainer bin. Aber das ist in meinem Fall wirklich schwierig zu beantworten, weil ich schon so früh begonnen habe, mir über Spielsysteme und andere Trainerangelegenheiten Gedanken zu machen. Das Spielen hat mir damals natürlich gleich viel Spaß gemacht. Aber ich habe bewusst versucht, mir für beide Perspektiven Möglichkeiten zu erarbeiten. Und so bin ich letztlich beim Trainer-Dasein geblieben“, begründet de Pauw seine Entscheidung für den Job an der Seitenlinie.
Dabei half dem 41-Jährigen eines bei seiner Entwicklung zum Fußballtrainer ungemein: Sein Studium an der Hochschule von Arnheim und Nijmegen, welches er 2004 mit dem „Bachelor of Social Work“ abschloss. De Pauw konnte damals von seinem Trainerjob finanziell noch keineswegs leben, hatte daher studiert und arbeitete fortan zusätzlich als Sozialarbeiter in Nijmegen. Er half benachteiligten Familien, die sich im Alltag mit Problemen konfrontiert sahen und versuchte, insbesondere den Kindern zu helfen und ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Von seinem pädagogischen Studium profitiert der Niederländer auch heute noch: „Meine Arbeit jetzt ähnelt der Tätigkeit als Sozialarbeiter durchaus. Im Grunde helfe ich ja auch im Fußball Menschen weiter und versuche, bessere Umstände für sie zu kreieren und das Maximale aus einer Situation herauszuholen.“

Über den SV Orion Nijmegen sowie einem erneuten Engagement beim NEC Nijmegen kam de Pauw dann im Mai 2017 zu seinem ersten Trainerposten bei einer Frauenmannschaft. Auf das Angebot des niederländischen Erstligisten Achilles ’29 entgegnete der damals 35-Jährige simpel: „Na klar, warum nicht.“ Doch aufgrund finanzieller Probleme des Klubs orientierte sich de Pauw bereits elf Monate später neu, war vom Frauenfußball aber begeistert und nahm 2018 eine Trainerstelle im Nachwuchsbereich der niederländischen Nationalmannschaft an.
Bei der Oranje coachte de Pauw einmal mehr diverse U-Teams, aber nun zum ersten Mal in Vollzeit – und direkt erfolgreich. So wurde er mit den U17-Juniorinnen im Jahr 2019 Vizeeuropameister. „Gewonnen hat damals leider Deutschland“, scherzt er.
Von der Corona-Pandemie im Jahr 2020 blieb dann jedoch auch de Pauw nicht verschont. „Im Februar hatten der KNVB (Der niederländische Fußballbund, Anm. d. Red.) und ich gemeinsam entschieden, dass ich aufhöre. Einen Monat später kam dann Corona“, rekapituliert er. Die ungewisse Zeit nutzte de Pauw jedoch und gab Webinare über Trainergrößen und deren Spielstile bei einer niederländischen Trainerzeitschrift. „Ich habe da selbst viel bei gelernt und die Zeit für mich sinnvoll nutzen können“, erklärt er.

Ausgezahlt hat sich die Zeit für den Niederländer am Ende allemal. Denn als der Fußball ein Jahr später wieder rollen durfte, heuerte de Pauw beim Top-Klub FC Twente Enschede an, mit dem er gleich in seiner Debüt-Saison die niederländische Frauen-Eredivisie und den Ligapokal gewann. Grund genug für den Werksklub, sich die Dienste des 41-Jährigen zu sichern.
De Pauw, der nun seit zwei Monaten unterm Bayer-Kreuz tätig ist, pendelt aktuell zwischen Leverkusen und seiner knapp zwei Autostunden entfernten Heimat in Nijmegen, wo seine Frau und seine siebenjährige Tochter leben. „Das Pendeln ist tatsächlich nicht so schlimm. Ich kann mich im Fußball total verlieren und von daher ist es immer schön, wenn ich meine Familie sehen und ich mich zu Hause dann auch aufs Vatersein konzentrieren kann“, sagt er.
An der Dhünn will sich de Pauw aber voll und ganz auf den Fußball fokussieren, denn mit dem Werksklub hat er einiges vor: „Wir bei Bayer 04 wollen ein Gradmesser werden. In der Bundesliga schauen wir auf den FC Bayern München und Borussia Dortmund. Und in der Frauen-Bundesliga auf Wolfsburg und auch auf die Bayern. Wir wollen bei Bayer 04 aber auch im Frauenfußball ein Klub werden, zu dem die Ligakonkurrenten ungerne fahren, weil sie wissen, dass sie ein schwieriges Spiel erwarten wird.“

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