„Man kann nicht so einfach loslassen“ – Wich beendet ihre Karriere im Sommer

Im Sommer sind es acht Jahre mit dem Kreuz auf der Brust. Acht Jahre durch Höhen und Tiefen – mit dem Team, als auch persönlich. Acht Jahre, in denen aus der gebürtigen Bayerin auch eine Rheinländerin geworden ist. Für Jessica Wich ist Bayer 04 eine Herzensangelegenheit geworden. Im Sommer wird die 31-Jährige das schwarz-rote Trikot ablegen und ihre Fußballschuhe an den Nagel hängen.
crop_20210728_JM_MediaDay__0001-675.jpg

„Irgendwann meldet sich der Körper, man muss sich immer wieder neu zurückkämpfen. Dann wird es auch schwierig, dem Leistungsniveau noch gerecht werden zu können“, sagt Jessica Wich, die nach der aktuellen Saison ihre Fußball-Karriere beenden wird. In den vergangenen Jahren wurde sie immer wieder von Verletzungen ausgebremst – 2018 der Kreuzbandriss, es folgte eine Knöchelfraktur und ein erneuter Anriss des Kreuzbandes. Erste Gedanken ans Aufhören schwirrten ihr tatsächlich schon da durch den Kopf. „Die Reha hatte sich damals so langgezogen und ich bin nicht so richtig vorangekommen. Da macht man sich schon den einen oder anderen Gedanken, ob es nicht vielleicht sinnvoller wäre, das Ganze zu beenden. Das ist aber gar nicht so einfach, denn sobald man wieder auf dem Platz steht, der Ehrgeiz einen wieder gepackt hat und man den ganzen Trubel mit dem Team wieder erlebt, kann man nicht so einfach loslassen.“ So steht die Immobilienfachwirtin also heute noch auf dem Platz. Bis zum Sommer.

Rückblickend liegen allerdings auch glorreiche Zeiten hinter „Jess“. Mit 16 Jahren wechselte das Nachwuchstalent von ihrem Heimatverein im bayerischen Kronach zum 200 Kilometer entfernten Zweitligisten SC Regensburg. Dreimal pro Woche pendelte sie mit dem Zug dorthin, eine weitere Trainingseinheit konnte sie beim DFB-Stützpunkt in ihrer Region mit den Junioren absolvieren. Nach einer Saison gelang Wich dann der Sprung zum Bundesliga-Klub Turbine Potsdam. Drei deutsche Meisterschaften, den Gewinn der Champions League sowie das Erreichen des Halbfinals mit der deutschen U19 bei der EM 2008 und den Weltmeistertitel 2010 später schloss sie sich dem Hamburger SV an, um nach einer Verletzung wieder Spielpraxis zu sammeln. Nachdem der HSV die Frauen-Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet hatte, wollte sie mit dem 1. FFC Frankfurt (jetzt Eintracht Frankfurt) noch einmal oben in der Bundesliga-Tabelle anklopfen und lebte sich dort zwei Jahre lang als Vollzeit-Fußballerin aus und nahm noch den DFB-Pokal-Sieg 2014 mit, ehe sie den Schritt unters Bayer-Kreuz ging. Seit acht Jahren läuft sie seither im schwarz-roten Trikot auf, erlebte einen Ab- und Wiederaufstieg sowie im vergangenen Sommer mit Platz fünf die beste Platzierung der Werkself-Frauen in der Geschichte. 

crop_imago0017763089h.jpg
Jessica Wich in ihrer ersten Saison 2014/15 bei Bayer 04 mit dem damaligen Cheftrainer Thomas Obliers

„Ich würde nichts anders machen wollen“

„Rückblickend würde ich sagen, ich würde den Weg genauso wieder gehen. Ich hatte einige Stationen, jede für sich habe ich genossen. Es war zu jedem Zeitpunkt immer das richtige für mich“, blickt die ehemalige Bayer 04-Kapitänin zurück. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen, wo man so viele Emotionen in 90 Minuten durchlebt wie beim Fußballspielen – egal in welcher Art und Weise, ob positiv oder negativ. Ich kann nach all den Jahren guten Gewissens sagen: Ich würde nichts anders machen wollen.“

In dieser Saison möchte Wich die letzten verbleibenden Spiele noch genießen und alles aufsaugen, was noch möglich ist – als Älteste des Kaders. „Auf dem Papier ist das vielleicht so, und in gewissen Situationen merkt man das sicherlich auch mal. Es ist aber nicht so, dass ich das in der Kabine so empfinde“, schmunzelt sie. „Doch es ist natürlich schön, solch einen Entwicklungsprozess im Frauenfußball und auch hier bei Bayer 04 miterlebt zu haben und in meiner Position den jüngeren Spielerinnen auch noch etwas mitgeben zu können. Das macht definitiv Spaß.“

Und auch künftig, über das Saisonende hinaus, kann sich die Mittelfeldspielerin vorstellen, weiterhin in der Vorbildfunktion zu agieren. „Ich denke schon, dass ich dem Fußball in irgendeiner Form erhalten bleiben werde. Ein bisschen Abstand, um alles zu verarbeiten, wird sicher guttun, danach schaue ich, was für Möglichkeiten sich ergeben. Ich bin für vieles offen.“ Grundsätzlich wolle sie ihrem Beruf als Immobilienfachwirtin aber treu bleiben. „Das habe ich all die Jahre neben dem Fußball gemacht und mir in dem Bereich etwas aufgebaut. Es macht mir auch einfach Spaß.“ Heißt also: Bayerin wird dem Rheinland (erst einmal) erhalten bleiben. „Ich kann noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich hier alt werde, kann es mir aber durchaus vorstellen!“

© Bayer 04 Leverkusen Fussball GmbH

Zur Person:
Geboren am: 14. Juli 1990 in Kronach (Bayern)
Bei Bayer 04 seit: 2014/15
Bisherige Stationen: SC Regensburg (2006-2007), 1. FFC Turbine Potsdam (2007-2011), Hamburger SV (2011-2012), 1. FFC Frankfurt (jetzt: Eintracht Frankfurt, 2012-2014)
Nationalmannschaften: Deutschland U15-U23
Erfolge: UEFA Women’s Champions League Siegerin 2010 (mit Potsdam), Deutsche Meisterin 2009, 2010, 2011 (alle mit Potsdam), DFB-Hallenpokalsiegerin 2008, 2009, 2010 (mit Potsdam), 2015 (mit Bayer 04), DFB-Pokal-Siegerin 2014 (mit Frankfurt), Aufstieg in die Bundesliga 2018 (mit Bayer 04), Halbfinalistin der U19-Europameisterschaft 2008, U20-Weltmeisterin 2010

Ähnliche News

Bayer 04-Frauen erkämpfen sich Remis im Topspiel gegen Frankfurt | 7. Spieltag
Werkself-TV - 17.10.2026

Frauen: Die TV-Highlights des 1:1 gegen Eintracht Frankfurt

Werkself-TV zeigt die TV-Highlights des 1:1 der Bayer 04-Frauen gegen Eintracht Frankfurt am 7. Spieltag der Google Pixel Frauen-Bundesliga 2026/27.

crop_20261010_B04_U17_VIC_U17_VK3_2122.jpg
U17 - 17.10.2026

2:6 in Mainz – U17 verliert beim Tabellenführer

Die U17 von Bayer 04 musste sich am 9. Spieltag der Vorrunde der DFB-Nachwuchsliga beim Tabellenführer 1. FSV Mainz 05 mit 2:6 (0:1) geschlagen geben. Kurz nach dem Seitenwechsel konnte Louis Lombay zwar zwischenzeitlich zum 1:1 für den schwarz-roten Nachwuchs ausgleichen. Dann aber zog Mainz auf 4:1 davon, ehe Valon Bedzeti der zweite Treffer für die Leverkusener gelang. In der Nachspielzeit legte der FSV noch zweimal nach.

Mehr zeigen
In memoriam Peter Hermann | Folge 4 (2008 - 2021)
Werkself-TV - 17.10.2026

In memoriam Peter Hermann | Folge 4 (2008 – 2021)

Im Sommer 2008 verließ Peter Hermann erstmals Bayer 04. Zuerst ging es für ihn nach Nürnberg, dann begleitete er Jupp Heynckes, mit dem er überaus erfolgreich war. In Leverkusen erarbeiteten sie für Bayer 04 eine lange Ungeschlagen-Serie, in München holte das Erfolgsduo alle Titel, die es zu gewinnen gab. Für Peter Hermann ging es zu Schalke, nach Düsseldorf und zum HSV. Bevor er als DFB-Nachwuchs-Co-Trainer noch einmal einen Anruf aus seiner sportlichen Heimat Leverkusen bekam. In Folge 4 blicken wir auf Peter Hermanns Co-Trainer-Stationen zwischen 2008 und 2021 – und egal, wo er arbeitete, wird nur in höchsten Tönen über ihn gesprochen.

Mehr zeigen
Frauen-Kurzpässe
Frauen - 17.10.2026

Frauen-Kurzpässe: Gesundheitsspieltag „Pinktober“ beim Heimspiel gegen Frankfurt

Anlässlich des internationalen Brustkrebs-Awareness-Monats Oktober steht das Heimspiel der Bayer 04-Frauen gegen Eintracht Frankfurt ganz im Zeichen des Themas Gesundheit. Mit verschiedenen Aktionen macht der Werksklub rund um die Partie am Samstag, 17. Oktober (Anstoß: 14 Uhr, Ulrich-Haberland-Stadion, live bei MagentaSport und DAZN), auf Brustkrebs und Frauen-Gesundheit aufmerksam und rückt die Bedeutung von Vorsorge und Früherkennung in den Fokus.

Mehr zeigen