
„Irgendwann meldet sich der Körper, man muss sich immer wieder neu zurückkämpfen. Dann wird es auch schwierig, dem Leistungsniveau noch gerecht werden zu können“, sagt Jessica Wich, die nach der aktuellen Saison ihre Fußball-Karriere beenden wird. In den vergangenen Jahren wurde sie immer wieder von Verletzungen ausgebremst – 2018 der Kreuzbandriss, es folgte eine Knöchelfraktur und ein erneuter Anriss des Kreuzbandes. Erste Gedanken ans Aufhören schwirrten ihr tatsächlich schon da durch den Kopf. „Die Reha hatte sich damals so langgezogen und ich bin nicht so richtig vorangekommen. Da macht man sich schon den einen oder anderen Gedanken, ob es nicht vielleicht sinnvoller wäre, das Ganze zu beenden. Das ist aber gar nicht so einfach, denn sobald man wieder auf dem Platz steht, der Ehrgeiz einen wieder gepackt hat und man den ganzen Trubel mit dem Team wieder erlebt, kann man nicht so einfach loslassen.“ So steht die Immobilienfachwirtin also heute noch auf dem Platz. Bis zum Sommer.
Rückblickend liegen allerdings auch glorreiche Zeiten hinter „Jess“. Mit 16 Jahren wechselte das Nachwuchstalent von ihrem Heimatverein im bayerischen Kronach zum 200 Kilometer entfernten Zweitligisten SC Regensburg. Dreimal pro Woche pendelte sie mit dem Zug dorthin, eine weitere Trainingseinheit konnte sie beim DFB-Stützpunkt in ihrer Region mit den Junioren absolvieren. Nach einer Saison gelang Wich dann der Sprung zum Bundesliga-Klub Turbine Potsdam. Drei deutsche Meisterschaften, den Gewinn der Champions League sowie das Erreichen des Halbfinals mit der deutschen U19 bei der EM 2008 und den Weltmeistertitel 2010 später schloss sie sich dem Hamburger SV an, um nach einer Verletzung wieder Spielpraxis zu sammeln. Nachdem der HSV die Frauen-Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet hatte, wollte sie mit dem 1. FFC Frankfurt (jetzt Eintracht Frankfurt) noch einmal oben in der Bundesliga-Tabelle anklopfen und lebte sich dort zwei Jahre lang als Vollzeit-Fußballerin aus und nahm noch den DFB-Pokal-Sieg 2014 mit, ehe sie den Schritt unters Bayer-Kreuz ging. Seit acht Jahren läuft sie seither im schwarz-roten Trikot auf, erlebte einen Ab- und Wiederaufstieg sowie im vergangenen Sommer mit Platz fünf die beste Platzierung der Werkself-Frauen in der Geschichte.

„Rückblickend würde ich sagen, ich würde den Weg genauso wieder gehen. Ich hatte einige Stationen, jede für sich habe ich genossen. Es war zu jedem Zeitpunkt immer das richtige für mich“, blickt die ehemalige Bayer 04-Kapitänin zurück. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen, wo man so viele Emotionen in 90 Minuten durchlebt wie beim Fußballspielen – egal in welcher Art und Weise, ob positiv oder negativ. Ich kann nach all den Jahren guten Gewissens sagen: Ich würde nichts anders machen wollen.“
In dieser Saison möchte Wich die letzten verbleibenden Spiele noch genießen und alles aufsaugen, was noch möglich ist – als Älteste des Kaders. „Auf dem Papier ist das vielleicht so, und in gewissen Situationen merkt man das sicherlich auch mal. Es ist aber nicht so, dass ich das in der Kabine so empfinde“, schmunzelt sie. „Doch es ist natürlich schön, solch einen Entwicklungsprozess im Frauenfußball und auch hier bei Bayer 04 miterlebt zu haben und in meiner Position den jüngeren Spielerinnen auch noch etwas mitgeben zu können. Das macht definitiv Spaß.“
Und auch künftig, über das Saisonende hinaus, kann sich die Mittelfeldspielerin vorstellen, weiterhin in der Vorbildfunktion zu agieren. „Ich denke schon, dass ich dem Fußball in irgendeiner Form erhalten bleiben werde. Ein bisschen Abstand, um alles zu verarbeiten, wird sicher guttun, danach schaue ich, was für Möglichkeiten sich ergeben. Ich bin für vieles offen.“ Grundsätzlich wolle sie ihrem Beruf als Immobilienfachwirtin aber treu bleiben. „Das habe ich all die Jahre neben dem Fußball gemacht und mir in dem Bereich etwas aufgebaut. Es macht mir auch einfach Spaß.“ Heißt also: Bayerin wird dem Rheinland (erst einmal) erhalten bleiben. „Ich kann noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich hier alt werde, kann es mir aber durchaus vorstellen!“









Zur Person:
Geboren am: 14. Juli 1990 in Kronach (Bayern)
Bei Bayer 04 seit: 2014/15
Bisherige Stationen: SC Regensburg (2006-2007), 1. FFC Turbine Potsdam (2007-2011), Hamburger SV (2011-2012), 1. FFC Frankfurt (jetzt: Eintracht Frankfurt, 2012-2014)
Nationalmannschaften: Deutschland U15-U23
Erfolge: UEFA Women’s Champions League Siegerin 2010 (mit Potsdam), Deutsche Meisterin 2009, 2010, 2011 (alle mit Potsdam), DFB-Hallenpokalsiegerin 2008, 2009, 2010 (mit Potsdam), 2015 (mit Bayer 04), DFB-Pokal-Siegerin 2014 (mit Frankfurt), Aufstieg in die Bundesliga 2018 (mit Bayer 04), Halbfinalistin der U19-Europameisterschaft 2008, U20-Weltmeisterin 2010

Nach dem Wintereinbruch der letzten Wochen wurden alle geplanten Partien der Nachwuchs-Teams im Freien abgesagt. Die meisten Mannschaften waren jedoch ohnehin in der Halle aktiv – und das äußerst erfolgreich: Sowohl die U13 als auch die U16-Juniorinnen gewannen ihre Turniere in Wermelskirchen und auf Schalke. Die U19 landete beim hochkarätigen Mercedes-Benz Junior Cup auf Rang 5 und für die U15 stand beim ebenfalls stark besetzten Pape-Cup in Magdeburg am Ende Platz vier zu Buche – das Nachwuchs-Wochenende im Überblick.
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Am 15. Spieltag der laufenden Bundesligasaison reist die Werkself zum Hamburger SV. Die Partie steigt am Dienstag, 13. Januar (Anstoß: 20.30 Uhr). Die Bayer 04-Fanbetreuung hat alle Infos zur Begegnung im Volksparkstadion für euch zusammengefasst...
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Enge Tribünen, kleines Feld, laute Fans: Am vergangenen Wochenende trat die U19 von Bayer 04 im Sindelfinger Glaspalast auf dem renommierten Mercedes-Benz Junior Cup 2026 an, der seit über 30 Jahren Topklubs aus dem In- und Ausland anzieht. Über zwei Turniertage duellierte sich der älteste Nachwuchs-Jahrgang des Werksklubs, feierte dabei Siege unter anderem gegen den 1. FC Köln und den FC Bayern München. Am Ende stand der 5. Platz zu Buche. Simone Cannizzaro aus der Leverkusener U17 wurde seinerseits als bester Torschütze des Turniers ausgezeichnet.
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