Klare Überlegenheit in Hamburg: Bayer 04-Frauen feiern Auswärtssieg

Revanche geglückt, Champions-League-Chance gewahrt: Mit einer starken Leistung im Volksparkstadion haben die Bayer 04-Frauen den Hamburger SV 3:1 (1:1) geschlagen. Rund vier Monate zuvor war die Mannschaft von Trainer Roberto Pätzold noch an gleicher Stätte gegen den Aufsteiger im DFB-Pokal-Achtelfinale gescheitert. Nun sorgten Vanessa Fudalla (10.), Katharina Piljic (54.) und Julia Mickenhagen (77.) mit ihren Treffern für die hochüberlegene Werkself dafür, dass der Abstand auf Bundesliga-Rang drei bei noch vier ausstehenden Spieltagen weiterhin fünf Punkte beträgt.
Jubel der Werkself

„Die Chancenverwertung ist ein Thema, das wir in diesem Jahr immer wieder mit uns mitschleppen. Heute haben es die Spielerinnen gerade in der ersten Halbzeit auf die Spitze getrieben. Wir haben tollen Fußball gezeigt und hatten viele Angriffssituationen, bei denen wir uns toll durchkombiniert haben. Leider hat uns beim Torabschluss immer wieder das letzte Quäntchen gefehlt“, sagte Pätzold: „Dann fällt mit der ersten Aktion der Ausgleich. Wir haben in der Halbzeit nochmal daran erinnert, ruhig zu bleiben, die Kontrolle zu behalten, nicht hektisch zu werden und darauf zu vertrauen, dass wir weiterhin unsere Möglichkeiten bekommen. Katha und Julia haben das bei ihren Treffern sehr gut gemacht. Der HSV hat schon in vielen Spielen gezeigt, dass sie nie aufgeben und ihr Herz auf dem Platz lassen. Dadurch war es bis zum 3:1 weiterhin ein enges Spiel.“

Anschließend blickte der Coach auf die fast einmonatige Pause bis zum nächsten Pflichtspiel. „Einige Spielerinnen sind bei den Nationalmannschaften. Vorher haben die Mädels nochmal ein paar freie Tage, um mental und körperlich nochmal Frische zu sammeln“, so Pätzold: „Dann haben wir vier Endspiele. Platz drei liegt leider nicht in unserer Hand, aber die Mannschaften vor uns haben auch noch schwierige Spiele. Von daher hoffen wir auf den ein oder anderen Ausrutscher. Aber in erster Linie müssen wir auf uns schauen und im besten Fall alle Spiele gewinnen. Dann haben wir, denke ich, gute Chancen.“

Nach dem 1:0-Heimsieg gegen den FC Carl Zeiss Jena hatte Pätzold zwei Änderungen in seiner Startelf vorgenommen. Estrella Merino Gonzalez und Loreen Bender ersetzten Mickenhagen und Valentina Mädl. Nach einer gemächlichen Anfangsphase war die von einer Gelbsperre zurückgekehrte Bender für den ersten Abschluss verantwortlich. Nach einer Ecke von Fudalla köpfte sie freistehend aufs Tor, Lea Paulick im HSV-Kasten war zur Stelle (9.). 

Fudallas 14. Saisontreffer

Eine Minute später machte es Fudalla selbst besser. Per Doppelpass mit Piljic hebelte die 24-Jährige die Hamburger Defensive aus und jagte den Ball aus elf Metern unter die Latte. Durch ihr 14. Saisontor rückte sie wieder an die Spitze der Torjägerinnen-Liste, gleichauf mit Pernille Harder (FC Bayern München). Zehn Minuten später vergab Sturm-Partnerin Cornelia Kramer eine Großchance auf ihren ersten Treffer in dieser Spielzeit. Von Bender freigespielt, schoss die dänische Nationalspielerin frei vor Paulick knapp über die Latte. Unmittelbar danach vergab auch Bender selbst das 2:0. Aus ähnlicher Position wie kurz zuvor Kramer zirkelte sie, von Kapitänin Sofie Zdebel in Szene gesetzt, den Ball links über die Latte. Im Minutentakt ging es weiter: Diesmal brach Ruby Grant fast bis zur Grundlinie durch und fand links neben dem Elfmeterpunkt Kramer. Die zog direkt ab und traf den Pfosten (26.). Auch Benders Abschluss aus spitzerem Winkel von halbrechts landete knapp neben dem Kasten (28.). Wiederum nur zwei Minuten später flankte Merino Gonzalez von rechts, im Zentrum köpfte Kramer den Ball aus kurzer Distanz über den Kasten.

Vanessa Fudalla

Nur aufgrund der unzureichenden Chancenverwertung der Gäste war die bis dato einseitige Partie zu diesem Zeitpunkt noch offen. Der HSV kam kaum einmal aus der eigenen Hälfte heraus, es spielte fast nur das Pätzold-Team. Nach der furiosen ersten halben Stunde stabilisierten sich die Hanseatinnen etwas, dennoch blieben die Leverkusenerinnen mit fast 70 Prozent ballbesitz klar feldüberlegen. So fiel der Ausgleichstreffer mit der ersten Offensivaktion der Gastgeberinnen quasi aus dem Nichts - und lieferte der Werkself die Quittung für die vielen vergebenen Möglichkeiten. Camilla Lindberg setzte sich im Laufduell mit Claudia Wenger über links durch, drang in den Strafraum ein und ließ Keeperin Rafaela Borggräfe mit ihrem platzierten Abschluss rechts in den Winkel keine Chance (41.). Sekunden vor dem Pausenpfiff zwang Piljic mit einem Gewaltschuss aus der Distanz Paulick zu einer guten Parade. In der zweiten Minute der Nachspielzeit landete ein Fallrückzieher von Zdebel nach einer Ecke über dem Tor. Mit dem aus Hamburger Sicht äußerst glücklichen 1:1-Zwischenstand ging es in die Kabinen.

Piljic bleibt cool - Kramer verpasst Vorentscheidung

Mit einer ähnlichen Offensivdynamik wie im ersten Durchgang starteten die Leverkusenerinnen im abendsonnigen Volksparkstadion auch in Halbzeit zwei und drängten direkt auf den längst überfälligen zweiten Treffer. Und dieser fiel wieder nach knapp zehn Minuten Spielzeit: Bender nahm den Ball auf Höhe der Mittellinie an, nahm Tempo auf und fand mit einem Schnittstellen-Pass über 30 Meter die mitgelaufene Piljic. Die Deutsch-Kroatin blieb cool und schob den Ball durch die Beine von Paulick zur erneuten Führung ein (54.). Bereits gegen Jena hatte die 22-Jährige getroffen. Kurz darauf verpasste Grant mit einem Flugkopfball die nächste Gelegenheit (58.). Pätzold wechselte anschließend doppelt: Mickenhagen und Kristin Kögel ersetzten Merino Gonzalez und Grant (63.). Seine Mannschaft blieb klar tonangebend und vergab in Person von Kramer den nächsten Hochkaräter. Nach Carlotta Wamsers flacher Hereingabe von rechts traf die Dänin den Ball, beim Versuch, einzuschieben, nicht richtig (69.).

Cornelia Kramer

Weil der HSV nun ins Risiko gehen musste, ergaben sich Räume für die Werkself. Bei einem der Konterversuche bediente Bender erneut Kramer, die mit ihrem strammen Schuss an einer Fußabwehr von Paulick scheiterte (76.). Mit der nächsten Aktion war es dann soweit: Piljic lieferte mit einem Steilpass ihren dritten Scorerpunkt, da Mickenhagen links einlief und vorbei an der HSV-Keeperin zum 3:1 traf (78.). Zur Absicherung des hochverdienten Dreiers brachte der Leverkusener Coach für die Schlussminuten noch Juliette Vidal (für Piljic) und Vanessa Haim (für Bender). Bis zum Abpfiff war die Werkself dem vierten Treffer näher als Hamburg dem zweiten, doch es blieb beim 3:1-Auswärtssieg.

Ausblick: Lange Pause, dann Heimspiel gegen Freiburg

In der Bundesliga geht es für die Werkself erst in rund einem Monat weiter. Das Heimspiel gegen den SC Freiburg am 23. Spieltag findet rund um den 26. April statt, die zeitgenaue Ansetzung steht noch aus. Während einige Nationalspielerinnen in der Zwischenzeit auf Länderspielreise sind, bestreitet das Pätzold-Team am Freitag, 17. April (14 Uhr), am Leistungszentrum Kurtekotten ein Testspiel gegen den niederländischen Erstligisten AZ Alkmaar. 

Die Highlights:

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Die Statistik:

Hamburger SV: Paulick - Doucoure, Stoldt, Schulz (18. Mirzaliyeva), J. Wrede (79. Eggert) - Machtens, Bartz (63. Mikolajova) - Büchele (46. Wucher), Linberg, L. Wrede (63. Krüger)  - Brunnthaler

Bayer 04: Borggräfe - Merino Gonzalez (63. Mickenhagen), Wenger, Ostermeier, Wamser - Piljic (83. Vidal), Zdebel - Bender (83. Haim), Grant (63. Kögel) - Fudalla (90.+1 Mädl), Kramer

Tore: 0:1 Fudalla (10.), 1:1 Lindberg (41.), 1:2 Piljic (54.), 1:3 Mickenhagen (77.)

Gelbe Karten: Wucher - Bender, Piljic, Wamser

Schiedsrichterin: Dr. Riem Hussein (Bad Harzburg)

Zuschauer: 4493 im Volksparkstadion

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