
Eine kuriose Situation nach Abpfiff: Die Werkself-Frauen, Ersatzspielerinnen und der Staff hatten sich auf dem Spielfeld versammelt – den Sieg hatten sie in der Tasche, doch ob es gereicht hatte, wussten sie noch nicht, denn die Partie in Freiburg war noch nicht abgepfiffen. Als endlich die erlösende Nachricht kam, ertönten laute Jubel-Schreie von Rasen und Tribüne. Die Bayer 04-Frauen haben das große Saisonziel, den Klassenerhalt, erreicht und sind also auch in der kommenden Saison wieder erstklassig!
„Wir sind alle sehr erleichtert, das war schon ein großer Druck in den letzten Wochen“, freut sich Eskandar Zamani, der die Werkself-Frauen wie schon in den vergangenen Wochen an der Seitenlinie coachte. Cheftrainerin Verena Hagedorn musste, wie schon zuvor, auch in ihrer letzten Partie als Bayer 04-Coach krankheitsbedingt passen. Seit dem 18. Spieltag hatte die Mannschaft den ersten Abstiegsplatz belegt. „Wir haben in den letzten fünf Wochen extrem hart gearbeitet und der Glaube an den Klassenerhalt steckte nach wie vor in der Mannschaft. Wir waren sicher, dass wir heute treffen würden – das ist uns in den letzten Spielen auch immer gelungen“, so Zamani.
Zunächst sprach allerdings alles für Essen, denn nach dem ersten Durchgang waren die Gäste die Führenden. Das Spiel begann für die Schwarz-Roten mit einem Schockmoment, als Saskia Meier bereits in der 9. Minute mit einer wohl schweren Knöchelverletzung in Folge einer Rettungstat ausgewechselt werden musste. Karoline Heinze kam für sie in die Partie. Die SGS, für die es zwar um nichts mehr ging aber immerhin noch der dritte Tabellenplatz greifbar war, schenkte den Leverkusenerinnen nichts. Es entwickelte sich eine intensive, teils hitzige Partie auf beiden Seiten. Essen hatte die höheren Spielanteile und kam auch zu mehr Abschlüssen, doch Bayer 04 hielt den Gegner gut vom eigenen Tor fern – Torhüterin Anna Klink hatte einen großen Anteil daran, sie parierte zwei Mal überragend. Doch auch den Werkself-Frauen gelang es, Essen ein paar Bälle abzulaufen und Nadelstiche zu setzen. Lena Uebach etwa stand in der 40. Minute plötzlich frei vorm Tor, hob die Kugel allerdings ein ganzes Stück zu weit drüber. Auch Henrietta Csiszár und Ivana Rudelic schafften es nach einer sehenswerten Kombination nicht, das Leder über die Linie zu bringen – ihr Angriff endete kurz vor dem Sechzehner. Die letzten Sekunden der Nachspielzeit der ersten Hälfte liefen, da führte Essen noch einen Eckball aus. Am kurzen Pfosten kam Schwarz-Rot einen Schritt zu spät, Lena Sophie Oberdorf schob ein – 0:1.
Trotzdem voll motiviert und ohne Kenntnis über den 1:1-Zwischenstand bei Freiburg gegen Bremen gingen die Schwarz-Roten die zweite Halbzeit an – nun aber höher stehend und pressend. Die Torchancen blieben im zweiten Durchgang allerdings aus – Essen zeigte nicht ansatzweise Schwäche. „Wichtig war, dass wir stabil geblieben sind und kein zweites Tor kassiert haben. Der Wille, das Spiel noch zu drehen, war zu 100 Prozent da“, so Zamani. Und der feste Wille zahlte sich aus! Henrietta Csiszár wurde ab der 71. Minute zur „Erlöserin“: Sie war einem tiefen Ball nachgestartet und lief durch, SGS-Keeperin Strüngmann kam zu früh raus und patzte – da stand es nur noch 1:1. Die kurz zuvor eingewechselte Elisabeth Mayr, die ihr letztes Mal im Bayer 04-Dress auflief, sorgte im Sturm in der Endphase nochmal für tolle Aktionen. Nur zehn Zeitumdrehungen nach dem Ausgleich machte Csiszár dann ihren Doppelpack perfekt: Bei Freistoß für Bayer 04 schickte der Trainer seine ganze Truppe in den gegnerischen Strafraum. Csiszár grätschte zum Ball, erreicht diesen noch mit der Fußspitze und brachte ihn im Tor unter – der goldene Treffer zum Verbleib in Liga eins.
Die Freude war riesig, die Mädels nach Abpfiff nicht mehr zu halten! Die Party begann bereits auf dem Platz. Fernando Carro, Sprecher der Geschäftsführung bei Bayer 04, gratulierte vor Ort zum Erfolg. Im Anschluss stand für das ganze Team ein gemeinsames Essen an. „Danach kann ich mir gut vorstellen, dass es eine lange Nacht wird bei den Mädels“, schmunzelte Zamani. Es sei ihnen gegönnt!
Die Statistik:
Bayer 04: Klink - Friedrich, Barth, Meier (9. Heinze) – Wirtz, Sahlmann, Reger (70. Gier), Csiszár – Uebach (63. Mayr), Rudelic, Jessen
SGS Essen: Strüngmann – Nesse, Feldkamp (73. Anyomi), Brüggemann, J. Dallmann – Petzelberger, Oberdorf, Knaak, Wu (63. Freutel) – Schüller, L. Dallmann (46. Wilde)
Tore: 0:1 Oberdorf (45+2), 1:1 Csiszár (71.), 2:1 Csiszár (81.)
Gelbe Karten: Heinze / L. Dallmann, Brüggemann
Schiedsrichterin: Fabienne Michel (Gau-Odernheim)
Zuschauer: 395



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